Filialpraxen als Zukunftsmodell beim Besuch von Bundespräsident Steinmeier vorgestellt

Bis 2030 fehlen 260 Hausärzte

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Die Frau des Bundespräsidenten, Elke Büdenbender, war sehr interessiert an den Ausführungen von Dr. Burkhard John, KV-Vorstandsvorsitzender, über die Filialpraxen. 

Letzlingen. Bei 1400 Hausärzten derzeit in Sachsen-Anhalt gehen bis zum Jahr 2032, wenn sie es denn mit 65 Jahren tun, 900 in Rente.

Pro Jahr gibt es momentan 44 Absolventen im Land, die die Facharztausbildung zum Hausarzt oder Internisten absolvieren – ohne die Gewissheit, dass sie dann auch eine Hausarztpraxis übernehmen oder aufbauen. Das heißt, dass bis 2030 mehr als 260 Hausärzte fehlen werden.

Diese beklemmende Hochrechnung machte am Dienstag Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt, in Letzlingen, im Gespräch mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff auf. Mit dabei waren auch Dr. Annett Lüders (Letzlingen), Dr. Anja Mersiowski (Seehausen), Berit Lesniak (Wolmirstedt) und Dr. Jörg Böhme (Stendal) als praktizierende Hausärzte sowie Doreen Radtke, Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) Lüders, und Rainer Schulz als Patient in der Filialpraxis II Klötze. In den Filialpraxen, die die KV als Eigeneinrichtung mit angestellten Ärzten betreibt (derzeit neun in Sachsen-Anhalt), können sich die Ärzte rein um das Medizinische kümmern, während die KV das Wirtschaftliche übernimmt. Fühlen sie sich wohl und sicher, können sie die Praxen übernehmen.

Ein weiteres Modell zur besseren Gesundheitsversorgung auf dem Land ist Verah. Dabei hat die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis ähnliche Aufgaben wie die früheren Gemeindeschwestern.

John wünscht sich eine Quote für Studierende, die zur Absicherung der Gesundheitsversorgung im Land bleiben müssen. Ein zweiter Schritt wäre, die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner mittels Kompetenzzentrum und Bundesstiftung zu bündeln, so dass diese alle Stationen durchlaufen können, ohne immer wieder neue Arbeitsverträge abschließen zu müssen. Daran müssten sich aber alle Länder beteiligen. 

Von Elke Weisbach

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