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„1886 – oder wann war das?“

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… und der Stadtrats-Älteste Alfred Fischer.

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Die gute Nachricht vorweg: Das Landes-Kulturministerium hat die Genehmigung zum Betrieb der neuen privat getragenen Grundschule am Gardelegener Wall erteilt. Das meldet die Johannes-Schulstiftung, die diese Einrichtung am Holzmarkt betreiben wird. Aber im Gardelegener Stadtrat gibt es rund um den Bau immer noch Streit. Wie am Mittwochabend im Finanzausschuss.

Er habe es ja kommen sehen. Das erklärte Alfred Fischer im Finanzausschuss. Zwei Tage nach der Besichtigung der Räumlichkeiten der neuen Grundschule am Wall durch den Bauausschuss (wir berichteten) machte der mit 77 Jahre älteste Abgeordnete seinem Ärger Luft. Seinem Ärger über die Sanierung der Wall-Grundschule, gegen die Fischer von Anfang an war.

Es sei „ein kleiner Offenbarungseid“, schimpfte Fischer, dass es offenbar erhebliche Probleme bei der Sanierung gebe. Und dass es zeitlich eng werde. Er habe es „so kommen, sehen als ich damals in die Bütt gegangen bin“, erinnerte Fischer an mehrere seiner Wortbeiträge während vorangegangener Stadtratssitzungen. „Die Kinder, die da reingehen, tun mir jetzt schon leid“, so Fischer, der die Probleme nach eigenen Angaben schon länger kennt. Fischer, der seine Redebeiträge in Ausschüssen gerne mit Geschichten aus seiner eigenen Jugendzeit garniert: „Ich selber bin dort acht Jahre zur Schule gegangen“, so der heutige Rentner. „Ich kenne das Gebäude.“ Schon damals seien die Räumlichkeiten nicht optimal gewesen. „Schon damals habe ich oft gefroren.“

Das mochte Peter Wiechmann, um einige Jahrzehnte jünger als der Stadtrats-Älteste, nicht auf sich sitzen lassen. Wann die Fischer´sche Schulzeit denn wohl gewesen sein mag, fragte er in die Runde. „1886 – oder wann war das?“

Bauamtsleiter Engelhard Behrends versuchte, den Streit zu schlichten. Und Dampf aus der Sache zu nehmen. Dass es bei einer Sanierung Probleme gebe, „das ist bei jedem alten Bauwerk ganz normal“, so Behrends. Man müsse vielfach „Rücksicht nehmen auf den Denkmalschutz.“ Ihm wäre es auch, so der Bauamtsleiter, „lieber, wir könnten neue Fenster einsetzen.“ Noch sei man aber – auch was den städtischen Eigenanteil angeht – „im grünen Bereich. Wir bauen dann eben keinen BMW, sondern einen VW“, verglich Behrends. Sein Fazit: „Ich bin guter Hoffnung, was den Bau angeht.“

Fischer, der befürchtet, „dass wir da noch draufbuttern müssen“, was das Finanzielle angehe, bekam auch Gegenwind vom Finanzausschuss-Vorsitzenden Jens Bombach. Er habe zwar Fischer reden lassen, so Bombach. „Aber das Thema gehört hier trotzdem nicht hin.“ Zumal sich Fischer an Ort und Stelle hätte begeben müssen, beispielsweise zur Besichtigung des Bauausschusses. Und noch etwas störte Bombach, hauptberuflich Gerichtsvollzieher: „Glauben Sie mir, Herr Fischer: Die Wall-Grundschule ist kein Offenbarungseid. Ein Offenbarungseid ist etwas ganz, ganz anderes.“

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