Dritter Altmärker Notfalltag in Gardelegen / Notfallsanitäter im Mittelpunkt

14 000 Rettungseinsätze im vergangenen Jahr

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Rund 100 im Rettungsdienst Tätige trafen sich zum Erfahrungsaustausch beim Altmärker Notfalltag.

lam Gardelegen. Auch wenn zahlreiche Rettungsfahrzeuge am Sonnabend an der Gardelegener Wander-Förderschule standen, so gab es dort keinen Einsatz.

Es fand der dritte Altmärker Notfalltag statt, zu dem der Regionalverband Altmark der Johanniter-Unfall-Hilfe medizinisches Fachpersonal aus dem Bereich der innerklinischen Notfallmedizin, Notärzte und in Notaufnahmen tätige Mediziner, niedergelassene Ärzte sowie Notfallsanitäter, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter eingeladen hatte, um zu diskutieren, praktische Erfahrungen zu sammeln und interessante Fälle aus der Notfallmedizin zu beleuchten.

Im Mittelpunkt stand dabei das Berufsbild des Notfallsanitäters mit mehr Eigenverantwortung, das den Rettungssanitäter ablöst. Dazu gab es Vorträge von Dr. Ilja Karl, der aus der Perspektive des ärztlichen Leiters Rettungsdienst Altmarkkreis Salzwedel zu Herausforderungen, Erwartungen, Chancen, Risiken sowie Entwicklungen und Grenzen des Rettungsdienstes im ländlichen Raum durch die Etablierung des Notfallsanitäters sprach. Wie er ausführte, habe man derzeit elf Notfallsanitäter am Start, acht Kollegen in Fortbildung und sechs Azubis in der dreijährigen Ausbildung. Oberarzt Alexander Jahn, Leiter Notaufnahme des Klinikums Magdeburg, referierte über die Erwartungen der Klinik, Chancen für die Versorgungszyklen von Patienten, Risiken und Gefahren und die mögliche Einbindung des Notfallsanitäters in den klinischen Ablauf. Und Mike Peters, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, betrachtete die Anforderungen an die Notfallsanitäter aus der Perspektive des Juristen. Zudem gab es praxisnahe Workshops zu den Themen „Beatmungsformen im Rettungsdienst“, „Invasive Rettungstechniken“ und „Einführung ins Crew-Ressource-Management für den Rettungsdienst“ sowie eine Technik-Ausstellung.

Zu Beginn hatte zunächst Katalin Schulze als Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe alle begrüßt und deutlich gemacht, dass die Aus- und Weiterbildung zum Notfallsanitäter große Herausforderungen mit sich bringt. Das gilt aber auch für die Gewinnung von Nachwuchs, sprich Auszubildenen, die weniger werden. Da müsse man gegensteuern. „Es wird höchste Zeit, dass wir verstärkt daran arbeiten.“ Sie freute sich, Salzwedels Landrat Michael Ziche begrüßen zu dürfen, der, wie er sagte, gern die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen habe. Schließlich sei der Altmarkkreis Träger des Rettungsdienstes.

Gardelegen sah er als Ort des Treffens gut gewählt, denn die Stadt sei anhand ihrer Größe von 620 Quadratkilometern und geringer Einwohnerdichte sehr speziell. Das bringe Herausforderungen mit sich für den Rettungsdienst und der medizinischen Versorgung. Er freue sich, dass man für den Rettungsdienst bei der Neuausschreibung 2015 für die nächsten neun Jahre über eine Arbeitsgemeinschaft die Johanniter und das DRK gewinnen konnte und es kein Eindringen von außerhalb gab. Und dass das gut funktioniert, haben die 14 000 Einsätze 2016 gezeigt. Das zeige den Bedarf im ländlichen Raum, der seiner Meinung nach noch weiter ansteigen werde. Denn die westliche Altmark kratze an einer Unterversorgung bei den Hausärzten. Ziche ließ auch nicht die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis Stendal unerwähnt und nannte als Beispiel die Etablierung einer gemeinsamen, leistungsfähigen und modernen Leitstelle in Stendal, die er zukunftsweisend nannte. Er dankte allen im Rettungsdienst Tätigen, die ihren Beruf zur Berufung gemacht hätten. Denn wichtig für die Menschen sei zu wissen, so Michael Ziche, dass ihnen in der Not geholfen wird.

Das sieht auch Thomas Kohns, Fachbereichsleiter Rettungsdienst und Katastrophenschutz im Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter-Akademie, so. Wie er sagte, müsse nicht der Rubel rollen, sondern die Rettungswagen. Allerdings müsse aber auch im Bereich der Fort- und Weiterbildung immer über Geld geredet werden. Am Thema Notfallsanitäter komme niemand mehr vorbei, machte er deutlich, auch wenn sich die Weiterbildung anfangs schwierig gestaltete. Und man müsse zwischen Stadt und Land unterscheiden. Denn die Notfallrettung war in der Fläche schon immer notwendig. Denn schließlich könne ein Rettungsassistent nicht 20 Minuten warten, bis ein Notarzt eintrifft, sondern müsse gleich handeln.

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