Schwarz zeigt sich bei Heißwasser-Methode eher skeptisch / Spinner-Raupe zuletzt ausgebremst

Wunderwaffe gegen Gifthaare sieht Stadt Bismark noch nicht

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Mit Schaum gegen die Raupe: Die Technologie ist vor einigen Wochen in Osterburg vorgestellt worden.

Bismark – Eine neue Methode im Kampf gegen den giftig-umtriebigen Eichenprozessionsspinner macht von sich Reden.

Ob der heiße Schaumteppich wirklich sogar die Brennhaare der Raupe abtötet, Bismarks Bürgermeisterin Annegret Schwarz scheint momentan noch nicht restlos überzeugt.

Annegret Schwarz (CDU), Bismarker Bürgermeisterin.

„Eine Wunderwaffe scheint es mir nicht zu sein, auch wenn alles ohne chemische Zusätze ablaufen soll. Die hohen Temperaturen töten doch auch alles andere am und unterm Baum ab“, vermutet die Christdemokratin im Gespräch mit der AZ. „Wir warten ab.“

Mitte Dezember war die aus dem Münsterland stammende Technologie in Osterburg den Ordnungsämtern und Straßenmeistereien der Gegend vorgestellt worden. Die Methode scheint simpel: Wasser, etwa 97 Grad heiß, wird drucklos ausgebracht und im selben Arbeitsgang ein organischer, giftfreier Schaum hinzugegeben. Der Schaumteppich verzögert das Abkühlen des Wassers, die Hitze wirkt länger und intensiver auf die Raupen des Nachtfalters ein. Auch Unkräuter könnten so bekämpft werden, heißt es.

Der Schaum soll nicht zuletzt aus Rohrzucker sowie Mais- und Kartoffelstärke bestehen. Dass die Methode dieses Jahr wahrscheinlich in der Verbandsgemeinde Seehausen getestet werden kann, davon habe sie gehört. Seehausen und Bismark gehören zu den Gemeinden in Sachsen-Anhalt, die seit Jahren am stärksten vom Eichenprozessionsspinner, auch nur kurz EPS genannt, betroffen sind. Das Gift der feinen Raupenhaare kann allergische Reaktionen hervorrufen. Ab Mai schlüpft eine neue Generation Raupen.

Der Kampf gegen den EPS sei 2019 erfolgreicher gewesen als in den Jahren zuvor, hatte Schwarz der AZ schon im August mitteilen können. Das Problem sei damit aber noch nicht vom Tisch. Einige Tausend Eichen stehen über die Einheitsgemeinde verteilt. Die Raupe zieht es auch auf andere Bäume wie etwa die Hainbuche. Im Bismarker Rathaus wird bislang vor allem auf die mechanische Bekämpfung gesetzt, die Nester werden abgesaugt. Zudem lässt der Landkreis ein Flugzeug mit Schädlingsbekämpfungsmittel aufsteigen.

CDU-Frau Schwarz sieht nach wie vor das Land stärker in der Pflicht, auch wenn es sich zuletzt stärker engagiert und die Zuschüsse erhöht habe. Bismark wollte 2019 einen mittleren fünfstelligen Betrag einsetzen. Ob damit alle Rechnungen bezahlt wären, muss noch offenbleiben. Die Bürgermeisterin vermisst noch immer eine flächendeckende Bekämpfung des EPS in Sachsen-Anhalt, der sich vermutlich wegen des Klimawandels weiter ausgebreitet hat, ein weites Feld. „Es fehlt das ganz große Konzept, der große Wurf, der Wille.“

Und so setzt die Altmärkerin ein Stück weit auch auf Mutter Natur. Vermehrung und Ausbreitung des Schmetterlings scheinen auch in gewissen Zyklen abzulaufen. „Eine Population dürfte nach ungefähr zehn Jahren irgendwann und irgendwie einbrechen.“ Jedenfalls ließen Erzählungen älterer Landwirte diesen Schluss zu. „Schon in der DDR gab es einige Wellen. Großartig darüber gesprochen wurde nicht.“ Dass der EPS schon bald von sich aus eine Pause macht, sei so unwahrscheinlich nicht.

VON MARCO HERTZFELD

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