Martin Nahrendorf kehrt aus Leipzig in Altmark zurück

Bismarks Wirtschaftsförderer kommt aus der Deckung

Wirtschaftsförderer Martin Nahrendorf schaut mit Bismarks Bürgermeistern Annegret Schwarz am Schreibtisch auf den Computer.
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Seit dem Frühjahr ist Martin Nahrendorf im Bismarker Rathaus dabei. Bürgermeisterin Annegret Schwarz sieht ihn verstärkt in der Wirtschaftsförderung.
  • Marco Hertzfeld
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Mittelstand, Autobahn 14 und Potenzial: Martin Nahrendorf soll sich in der Einheitsgemeinde Bismark vor allem um die Wirtschaftsförderung kümmern. Der 29-Jährige ist aus Leipzig in die Altmark zurückgekehrt. In der Freizeit spielt er bei einem Fußballverein in der Verteidigung.

Bismark – Der Neuzugang im Rathaus hat sich eingelebt. Wenngleich er in der Wirtschaftsförderung, dem hauptsächlichen Einsatzgebiet, noch nicht allzu viel ansetzen konnte. Corona sorgt für Grenzen und fordert erst einmal auf anderen Gebieten. Martin Nahrendorf sitzt bereits wie selbstverständlich im Büro der Bürgermeisterin und berichtet der AZ von den dezentralen Impfaktionen in Bismark und auch ein wenig von sich und seinem privaten Hobby, dem Fußball. „Im Sturm spiele ich nicht, nein, ich bin beinharter Verteidiger, der auch mal abräumen kann.“ Der 29-Jährige grinst und lässt einige Sekunden vergehen. Welche Qualitäten es für den beruflichen Erfolg braucht, muss sich zeigen. „Ich lerne natürlich auch gern weiter dazu. Man muss fest an eine Sache glauben und dranbleiben.“

Aus Leipzig zurück in der Heimat

Annegret Schwarz nickt. Sie hält den waschechten Altmärker für einen Glücksgriff. Ihm das auch so direkt sagen, dürfte nicht unbedingt ihre Art sein. Vor gut eineinhalb Monaten hatte die Bürgermeisterin gegenüber der AZ betont, dass die Wirtschaftsförderung natürlich Chefsache bleibe. Nahrendorf soll so etwas wie ihre rechte Hand sein, Ideen entwickeln und umsetzen helfen, kompetent in vielen Fragen, nicht allein in wirtschaftlichen. Das Rüstzeug bringt der junge Mann ganz offensichtlich mit. Er ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und studierter Wirtschaftsinformatiker. Aufgewachsen ist Nahrendorf in der Nachbarschaft in Karritz (Kalbe). Für das Studium ging es nach Leipzig. Die Liebe zur Freundin und jene zur Heimat ließen ihn zurückkehren, einige Kilometer weiter nach Mieste.

Aufgabenliste lang, Hobby beinhart

Schwarz, auch ganz Kommunalpolitikerin, wünscht sich mehr von diesen jungen Leuten. „Eine gute Ausbildung ist natürlich wichtig. Wenn sie dann auch noch zu uns in die Altmark zurückkommen, umso besser.“ Nahrendorf soll in den nächsten Wochen und Monaten nicht zuletzt den drei festen Gesprächsrunden neuen Schwung geben helfen, wenn denn Corona weiter an Kraft verliert. Landwirtschaftsring, Wirtschaftsring und Handelsring sollen wieder Scharnier zwischen Verwaltung und Unternehmen sein. Größere Industrie ist in der Einheitsgemeinde kaum vorhanden. Die 20 Ortschaften sind vom Mittelstand geprägt, Landwirtschaft und Handwerk spielen eine wichtige Rolle. Auch im Bismarker Rathaus setzt man auf die Altmark-Autobahn, obgleich sie das eigene Gebiet allenfalls streift.

Im Kreisentwicklungskonzept 2025 aus dem Jahre 2015 sind für die Einheitsgemeinde zwei Gewerbegebiete aufgeführt, das in Kläden und das in Garlipp. Schwarz würde gern mindestens eins dazuschreiben. Im Bereich Schernikau würde es aus ihrer Sicht am meisten Sinn ergeben, die verlängerte A 14 verläuft dort. Für ein gemeinsames Gewerbegebiet mit dem Nachbarn hatte die Vielbaumerin schon einmal die Fühler in die Kreisstadt Stendal ausgestreckt, ohne Erfolg. „Wir wollen es aber noch einmal neu versuchen, ein Gewerbegebiet in diesem Bereich würde einfach Sinn ergeben und durchaus Chancen eröffnen“, ist die CDU-Frau im Gespräch mit der AZ überzeugt. Das große Ja zur Autobahn gehört schon fast zur DNA der ostaltmärkischen Christdemokraten.

Aufgaben sehen Schwarz und Nahrendorf einige, Breitband und E-Mobilität sind nur zwei davon. Beim schnellen Internet gebe es immer noch zu viele weiße Flecken. Und Elektro-Zukunft müsse neben dem Auto auch das Fahrrad erfassen. Ladesäulen im öffentlichen Raum sind kaum bis gar nicht vorhanden. Dabei treibt die Einheitsgemeinde doch gerade den Ausbau des Radwegenetzes voran und setzt auf den Radtourismus. Vor allem in der Kernstadt ist der Leerstand von Gebäuden ein Problem, die Wirtschaftsförderung denkt an einen Baucoach mehrerer Gemeinden im Landkreis, der Käufer und Haussanierer ein Stück weit an die Hand nehmen könnte (die AZ berichtete). Und natürlich: Die Hoffnung auf den großen Investor in die Wirtschaft gibt es auch in dieser Kommune.

Etwa 35 Kilometer liegen zwischen Mieste und Bismark, Nahrendorf fährt für seine Arbeit über die Grenze zwischen den beiden altmärkischen Landkreisen. Er hatte bei der Stadt eine Initiativbewerbung eingereicht, und es hat gepasst. Momentan steht Netzwerkarbeit oben auf dem Zettel, das heißt, der Wirtschaftsförderer knüpft Kontakte. Die Wirtschaftsjunioren Altmark liegen ob seines Alters schon auf der Hand. Dabei soll es nicht bleiben. Die Bismarker Ortschaft Schäplitz will im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mitmischen, Nahrendorf steht ihr zur Seite. Ein Erfolg stünde der gesamten Einheitsgemeinde gut zu Gesicht. Und das Hobby in Coronazeiten? Beim Fußball und dem TuS Schwarz-Weiß Bismark ist noch nicht alles wieder erlaubt. „Doch das wird schon.“

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