Bürgerforum zu „Bismark 2025“ in Meßdorf / Betroffene mit in Gespräche einbeziehen

„Wir müssen Modellregion sein“

Standen für Gespräche und Diskussionen bereit: Christian Ackermann (v.l.), Dr. Wolfgang Bock, die stellvertretende Bürgermeisterin Annegret Schwarz, Moderatorin Ulrike Jurrak und Prof. Dr. Harald Kegler. Foto: Lange

Meßdorf. „Das Schicksal der Entlegenheit teil Bismark mit vielen Gemeinden in Deutschland. Doch gerade das birgt auch Potential. Die Region ist zukunftsfähig. “ Prof. Dr. Harald Kegler präsentiert am Montagabend die Ergebnisse der Untersuchung „Bismark 2025“.

Und schon der voll gefüllte Gemeindesaal in Meßdorf ist bereits ein voller Erfolg. Über hundert Menschen haben sich an den drei langen Tafeln versammelt, als Hauptamtsleiterin Annegret Schwarz in Vertretung der Bürgermeisterin Verena Schlüsselburg die Veranstaltung eröffnet. Die Gäste kommen von Landkreis und Stadtrat, Kindereinrichtungen, Unternehmen und Vereinen der Einheitsgemeinde oder sind Einwohner der 20 Ortschaften.

„Das soll der Auftakt eines

Gesprächsprozesses sein“

Annegret Schwarz, Bismark

Bevor das Expertenteam um Dr. Wolfgang Bock und Prof. Harald Kegler mit Moderatorin Ulrike Jurrak die Ergebnisse und Anpassungsstrategien veröffentlicht, betont Annegret Schwarz noch einmal: „Es handelt sich ausdrücklich um Vorschläge.“ Die Altmark sei vom Bund als Modellregion ausgewählt worden, vor allem weil sie nicht so abhängig von globalen Prozessen und Wirtschaftsverwerfungen sei. Dies müsse als Chance begriffen werden und stärke die Zukunftsfähigkeit, erklärte Kegler. Auch Bock pflichtete ihm bei. „Das Wort Schrumpfung muss mit Entwicklung verknüpft werden. Und Sie werden sehen: Es geht.“ Im Jahr 2025 werden nur noch rund 7000 Menschen in der Einheitsgemeinde leben, dem Abwanderungsdruck müsse demnach stärker widerstanden werden. Weil die Strukturen der Kindereinrichtungen einen großen Stellenwert haben, wurden diese in den Mittelpunkt der Ergebnisvorstellung gestellt. Momentan stellen die zehn Kitas 464 Plätze zur Verfügung, von denen 328 belegt sind. Bis 2025 werde sich die Zahl der Kinder unter sechs Jahren um die Hälfte reduzieren.

„Wir müssen nun

eine Modellregion sein“

Uwe Lenz, Meßdorf

Deshalb konzentrieren sich die beiden möglichen Szenarien auf die Orte Bismark und Kläden mit den beiden Kitas und der Krippe in Bismark. „Die Kommune wird es sich nicht leisten können, diese Strukturen so zu erhalten“, erklärte Bock. Da unterscheide sich Bismark von der Region rund um Magdeburg, die alles auffangen möchte, was aus der Landeshauptstadt wegziehen möchte.

Meßdorfs Ortsbürgermeister beteiligte sich als Erster an der folgenden Diskussion, zu der die Moderatorin die anwesenden Bürger aufgerufen hatte. Die Grundschule in Späningen und die Lernbehindertenschule in Meßdorf mussten vor vielen Jahren schon geschlossen werden. Und schon damals habe man geschaut, wie andere Kommunen das handhaben. Es wurden Sozialeinrichtungen etabliert. Eine integrative Kita in Späningen und ein betreutes Wohnen in Meßdorf.

„Wir müssen etwas dafür tun, dass junge Leute bleiben“

Hans-Joachim

Schimmelpfennig, Darnewitz

Wichtig dabei sei es vor allem, alle Betroffenen an einen Tisch zu holen. Von Anfang an soll mit Bürgern diskutiert und Ideen gesammelt werden. Deshalb wird es zu verschiedenen Themen auch bald Gesprächskreise mit Ortsbürgermeistern, Verwaltung, Vereinen und Einwohnern geben. Jeder, der sich mit engagieren möchte, ist dazu eingeladen. Die erste Gruppe soll sich bereits Ende Februar treffen, verriet die Hauptamtsleiterin. Diese kümmert sich um den Tourismus. Denn wie das Expertenteam feststellen musste, hat Bismark keine richtige touristische Infrastruktur. Es gebe viele kleine unbeachtete Sachen, ungenutzte Biotope und ungepflegte Wege. „Bismark ist sozusagen ein weißer Fleck auf der Karte des Tourismusverbandes“, erklärte Bock. Vielleicht könne ein Tourist-Info-Punkt in Bismark geschaffen werden. Das Positiv-Image soll gesteigert werden, nicht nur für Gäste, sondern auch für die Einwohner, die jungen Leute, die nicht wegziehen wollen, aber keine Arbeit finden und vor allem für neue Zugezogene. „Wir müssen eine Möglichkeit finden, die Region zu vermarkten“, sagte Schwarz. Tourismus stelle dabei aber nur eine Teilstrategie dar, betonte Bock. Auch eine wirtschaftliche und vor allem medizinische Strategie muss erarbeitet werden. Denn: in zehn Jahren wird es nur noch einen Arzt in Bismark geben.

„Wir haben 800 Jahre im

Rücken und haben überlebt“

Dieter Klapötke, Grassau

Viele Einwohner und Vertreter von Politik und Einrichtungen brachten sich in die Podiumsdiskussion mit ein. Jeder mit guten Anmerkungen und ersten Ideen.

Die positive Stimmung im Raum war förmlich greifbar, viele blieben auch nach dem Ende der Veranstaltung noch sitzen und diskutierten über die Ergebnisse und vor allem darüber, wie es weitergehen könnte. Die Gesprächskreise sollen dabei den Anfang markieren. Bis Sommer sollen sich alle Gruppen mindestens einmal getroffen haben.

Von Bianca Lange

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