Bismarker Ortsteil Dank Bahnhof und Fernseh-Sketch einst DDR-weit bekannt / Gebäude kommt unter den Hammer

„Was wollen Sie denn in Hohenwulsch?“

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Das Bahnhofsgebäude in Hohenwulsch steht samt angrenzendem Grundstück und weiteren Objekten zum Verkauf. Es könnte Ende August versteigert werden. Das Mindestgebot beträgt 4500 Euro.

Hohenwulsch. Der Bahnhof von Hohenwulsch steht für ein Mindestgebot von 4500 Euro zur Versteigerung. Und zwar während der Herbst-Auktionen der sächsischen Grundstücksaktionen AG vom 23. bis 25 August.

Das 1872 errichtete Gebäude an der Bahnstrecke Stendal-Uelzen erlangte einst Bekanntheit in der DDR. Und zwar Dank des laut einer Umfrage beliebtesten Komiker-Duos der früheren Republik, Herricht und Preil (Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil). Sie nahmen das Dorf sowie weitere altmärkische Orte frech und mit viel Charme aufs Korn.

Fachleute schätzen die Substanz der Gebäude als „umfassend sanierungsbedürftig“ ein. Das Empfangsgebäude wurde 1872 errichtet.

„Was wollen Sie denn in Hohenwulsch?“, fragte Preil in dem Fernseh-Sketch provokant. Herricht wollte bei seiner Fahrt nach Ungarn über Hohenwulsch fahren und reagierte auf die Frage humorvoll-gereizt: „Was weiß ich denn? Vielleicht Selterswasser kaufen?“ Er entdeckte den Ortsnamen beim Blick ins Kursbuch – zu früheren Zeiten ohne Internet ein wichtiges Hilfsmittel für Bahnreisende, die Verbindungen heraus suchen wollten. Der Komiker war von dem Namen fasziniert und erntete vom Publikum für seine Vermutung, dass hinter Hohenwulsch wohl Tiefenwulsch („Nach einem Hoch kommt meistens ein Tief.“) folgen würde, viele Lacher. Doch tatsächlich ist es natürlich die Stadt Bismark.

Die Fantasie der Sketch-Schreiber war damit aber noch längst nicht aufgebraucht. Unter dem Titel „Reisebekanntschaft“ bekam zudem die Stadt Kalbe eine humorvolle Rolle. „Kennen Sie denn nicht die Milde?“, zog Preil die geografischen Fähigkeiten von Herricht mit Blick auf den Fluß in Zweifel und hatte damit zumindest auf der Bühne nicht unrecht. „Nein! Ich kenne nur ´ne Hilde“, gab es als unüberlegte Antwort. Von dem „milden Fluß“ ging die Reise schließlich in die Biese, der Sketsch hangelte sich praktisch durch einen Teil der idyllischen Altmark.

Die humorvolle Einlage ist heute nicht mehr so präsent, den Bahnhof gibt es aber weiterhin (siehe Infokasten). Dieser steht unter Denkmalschutz und wird als „umfassend sanierungsbedürftig“ eingeschätzt. Dies betrifft auch Nebenobjekte, die sich auf dem Grundstück etwa 500 Meter von Hohenwulsch entfernt befinden.

Von Christian Ziems

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