Zum Schutz nach dem Zweiten Weltkrieg beim Glaser verwahrt

Wappenfenster kehren ins Hohenwulscher Schloss zurück

Heike Weigt aus Bismark steht neben dem gut verpackten Wappenfenster der von Jeetze.
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Heike Weigt und ihr Mann Jürgen brachten die drei Wappenfenster gut verpackt nach Hohenwulsch. Hier zeigt sie das in ihrem Familienheim wiederverwendete Fenster mit dem Wappen der von Jeetze.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Dieser Tag ist wunderschön geeignet, um die Wappenfenster zu übergeben“, sagt Heike Weigt und bezieht sich auf das Frühlingswetter, das passend zum Anlass Sonne auf das Schloss Hohenwulsch scheinen lässt.

Hohenwulsch - Weigt übergab drei Wappenfenster, die ihr Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg in Verwahrung nahm, damit Sowjetsoldaten sie nicht zerstörten, an Schlossbesitzer Maurice Remy.

Seine Ahnin, eine Schlossherrin, die noch den Nachnamen des Geschlechts von Rohr trug, hatte 1947, als sie in den Westen fliehen musste, die drei Bleiglasfenster dem angestellten Glasermeister August Geng aus Bismark, Weigts Großvater, zur Verwahrung überlassen. Dieser führte mit seinem Sohn Kurt Geng in zweiter Generation die einzige Glaserei von Bismark. Der Sohn übernahm mit dem Tod von August Geng auch die Fenster, auf denen die Wappen der Familien von Jeetze, von Levetzow und von Rohr, die zuletzt das Hohenwulscher Schloss bewohnten, abgebildet waren.

Die Fenster mit den Wappen der von Levetzow und von Rohr fanden sich in einer Segelscheune wieder an.

„Daran werde ich mich immer erinnern“, berichtet Remy. „Ich betrat die Glaserei von Kurt Geng und er begrüßte mich mit den Worten: Herr Remy, ich habe schon auf sie gewartet.“ Der derzeitige Schlossbesitzer hatte von seinem Familienerbstück erst aus einem Brief seiner Großtante erfahren. Bei dem Besuch 2005 nahm der Glasermeister ihm das Versprechen ab, dass die Wappenfenster nicht in einem Münchener Partykeller enden würden. Stattdessen sollten sie nach der Restaurierung des Schlosses wieder ihren angestammten Platz im Treppenhaus des Herrensitzes einnehmen. Lange Zeit wusste Weigt gar nicht, wo diese Schätze aus dem 18. Jahrhundert verwahrt wurden, obwohl sie von der Verbindung ihrer Familie zu dem Schloss gehört hatte.

Dabei befand sich eines der Fenster direkt vor der Nase der Bismarkerin: Zum Familienhaus und Glaserei an der Alten Straße gehörte auch eine Veranda mit Verglasung. Neben einem Bleiglasfenster, das Walter von der Vogelweide zeigt, wurde dort vom Großvater auch etwas abgeändert das Wappenfenster derer von Jeetze eingesetzt. Das Familienhaus verkauften die Kinder Kurt Gengs nach dessen Tod 2008. Erst im vergangenen Jahr wurden auch die übrigen zwei Bleiglasfenster wiederentdeckt: in einer Segelscheune in Stechow bei Rathenow (Brandenburg) am Ferchesarer See.

Die Bleiglasfenster sollen wieder ihren Stammplatz im Treppenhaus des Schlosses einnehmen.

August und Kurt Geng hatten mit ein paar Freunden neben einigen Booten und den Meisterstücken Kurt Gengs dort auch die kostbaren Wappenfenster sicher aufbewahrt. Beim Ausräumen durch die Erben wurden sie gefunden.

Heike Weigt nahm den 95. Geburtstag ihres Vaters am 15. April zum Anlass, das Versprechen einzulösen und die Wappen feierlich zurückzugeben. „Nach der Wende gab es eine Rückbesinnung auf historische Gebäude in der Altmark, die nun wieder strahlen können. Immer, wenn ich hier an einer Kirche vorbeifahre, muss ich an meinen Vater denken, der in der Umgebung 22 Kirchen restauriert hat.“

Schlossbesitzer Maurice Ramy freute sich sehr über die Rückgabe.

Remy hatte viele Dankesworte für die Familien Geng und Weigt. „Für mich gibt es keinen schöneren Ort als Hohenwulsch. Die Instandsetzung des Schlosses geht nur Stück für Stück voran. Aber wie mein Zimmermeister mir geraten hat: Solange ich schneller als der Verfall bin, ist alles gut.“

Remy spielte auch darauf an, dass in einem Jahr zum 96. Geburtstag des verstorbenen Kurt Geng die Einsetzung der Fenster an ihrem Stammplatz gefeiert werden könne.

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