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Ukrainischer Fußballtrainer: Solidarität ist wichtig

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Von: Lisa Maria Krause

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Berlin, Deutschland, DEU - Demonstration unter dem Motto Stoppt den Krieg, Frieden fuer die Ukraine und ganz Europa 27.0
Die internationale Solidarität und humanitäre Hilfe ist für die Ukrainer gerade sehr wichtig, sagt Artem Sikulskyi, der in Bismark den TuS Schwarz-Weiß trainiert. © via www.imago-images.de

„Sie können sich nicht vorstellen, den Zusammenhalt unseres Volkes“, erklärt Artem Sikulskyi der AZ. Er berichtet von ganzen Gruppen von Zivilisten, die Wohnhäuser verteidigen, und Frauen, die das Kochen und Lebensmittel organisieren.

Bismark - Für Ukrainer ist es gerade wichtig, nicht die Hoffnung zu verlieren. Und dazu hilft es auch, die Solidarität aus Allerwelt zu sehen.

„Die Ukrainer kriegen alles mit.“ Über gute Internetverbindungen, die sozialen Medien und Messengerdienste, würden sie mitbekommen, was die Welt für sein Land tue. „Das motiviert, dass wir nicht alleine sind. Das ist total wichtig“, betont Sikulskyi, der in Bismark den Fußballverein TuS Schwarz-Weiß trainiert.

Die Unterstützung aus der ganzen Welt und der Zusammenhalt in seinem Heimatland mache ihn stolz, er kriege aber auch Gänsehaut. Gegenüber der AZ will Sikulskyi vor allem zwei Sachen betonen: „Das ganze Volk steht hinter Präsident Selenskyi“ und „Die Propaganda macht uns kaputt“.

Die russischen Soldaten wissen nicht, warum sie in der Ukraine sind

Viele Russen wüssten gar nicht, dass es Krieg im Nachbarland Ukraine gebe, oder würden es dank russischer Staatsmedien für einen Befreiungskampf halten. Freunde und Verwandte von Sikulskyi, die in Russland leben, würden nicht mitkriegen, wie viele Hundertausende Menschen weltweit gegen den Ukraine-Krieg auf die Straße gehen.

Er habe auch davon gehört, dass die russischen Soldaten selbst nicht einmal wüssten, warum sie in der Ukraine sind, berichtet der Bismarker Trainer der AZ. „Sie wissen nicht, was in der Welt los ist.“ Angeblich hätten sie seit Wochen schon ihre Handys ausgeschaltet. „Russische Mütter, schickt eure Söhne nicht in die Ukraine“, appelliert Sikulskyi an die Nachbarn, „Die Jungs tragen keine Verantwortung.“

Sikulskyi wünscht sich eine Sondergenehmigung zum Arbeiten für Flüchtlinge

Der Ukrainer habe selbst schon mehrere Hilfsangebote aus der näheren Umgebung erhalten. Auch sehe er, wie tausende Menschen in Europa sich um humanitäre Hilfe wie Unterkünfte für Ukrainer kümmern. „Gesellschaftlich reicht das aus“, findet Sikulskyi.

Und die deutsche Regierung? „Worum ich bitten würde, ist eine Sondergenehmigung.“ Da die Ukraine nicht zur Europäischen Union gehört, könnten seine Landsleute nur mit vorheriger Arbeitserlaubnis arbeiten. Der Bismarker Trainer wünscht sich, dass dies vereinfacht wird.

„Ukrainer sind meist gut ausgebildet und sprechen Englisch.“ Die Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, würden was tun und nicht monatelang zuhause bleiben wollen. So könnten sie sich auch von der Situation daheim ablenken. „Damit das ukrainische Volk auch dem Gastgeber helfen kann“, betont Sikulskyi zusätzlich.

Die Lage bedrückt, aber Ukrainer in Deutschland versuchen zu helfen

„Ich will ausdrücken, dass es uns bewegt“, spricht der Ukrainer zum Schluss nochmals die internationale Solidarität an. „Wir sind nicht arme Leute, wir kämpfen.“ Auch die in Deutschland lebenden Ukrainer wollten ihre Landsleute motivieren, weiter zu machen, und Hoffnung schenken.

„Wir schlafen seit vier Tagen nicht mehr“, umschreibt der Ukrainer, wie es ihm, seinen Verwandten und Freunden im Land und in Deutschland geht. Nur hin und wieder schlafe er vielleicht für drei Stunden. „Die Konzentration ist nicht mehr da.“

Sikulskyi lebt seit 2014 in Deutschland. Er stammt aus der besetzten Stadt Donezk. Seine Frau und Tante mit Kindern sind in Iwano-Frankiwsk in der Westukraine. Die Tante will ihren Mann nicht verlassen, der im Land bleiben muss. Für die Kinder werde für alle Fälle ein Fluchtplan gemacht, doch die großen Straßen seien inzwischen stark beschädigt.

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