Lindenstraßen-Finale: Gunnar Solka erinnert sich an Journalistenzeit

TV-Friseur kennt die Zeilenlänge

+
Gunnar Solka, Felix Kusser (Regie, auch "Lindenstraße"-Rolle Josch Bergmann), Benjamin Gesing und Sara Turchetto (auch "Lindenstraße", Marcella Varese) bei der "Life"-Premiere.

Bismark – So mancher Altmärker klebte regelrecht am Bildschirm, weil schon allein er mitspielte. Gunnar Solka, ein gebürtiger Osterburger, verkörperte in der Kultserie „Lindenstraße“ fast 16 Jahre lang den Friseur Peter „Lotti“ Lottmann.

Was vielleicht nicht mehr jeder weiß: Der 49-Jährige war vor seiner Film- und Schauspielkarriere für die Altmark-Zeitung in Bismark und Umgebung unterwegs. „Nach der Arbeit in der Gardelegener Redaktion betreute ich eine Zeit lang allein die Bismarker Redaktion, meine Kollegin Conny Kaiser saß da in Kalbe, wo ich zwischenzeitlich auch wohnte“, denkt Solka kurz vor dem Ende der Fernsehserie zurück. Die letzte Folge wird am morgigen Sonntag ausgestrahlt.

„Ich erinnere mich auch noch gern an den damaligen Bürgermeister Peter Schulz und an seine Tochter Christina.“ Später sei er dann von Osterburg jeden Morgen zur Arbeit nach Bismark gefahren. Es zog ihn schließlich auf die Bühne. „Wenn ich von der Schauspielschule in München aus die Altmark besuchte, war ich oft bei Freunden in Bismark, habe dort mit ihnen auch Silvester gefeiert.“ Mit den Bismarkern Jens Dockhorn und Thomas Probst, die inzwischen ebenfalls in und bei Berlin wohnen, sei er weiterhin befreundet und treffe sie immer wieder einmal. „Auch Veronika Bauermeister, die Mutter einer Freundin, die im Bismarker Ortsteil Garlipp wohnt, habe ich in letzter Zeit ein paar Mal besucht.“

Gunnar Solka (Peter „Lotti“ Lottmann, l.), Sybille Waury (Tanja Schildknecht) und Moritz A. Sachs (Klaus Beimer) in der letzten Folge 1758. Nicht wundern: Links ist nur eine Hand zu sehen. Um welche Person es sich handelt, soll vorher nicht verraten werden.

Nach 34 Jahren und vier Monaten, nach 7032 Drehtagen, nach 52740 Sendeminuten in 1757 Folgen (die ARD hat genau nachgezählt) läuft die Lindenstraße morgen Abend zum letzten Mal. Und zum ersten Mal wird der Inhalt der Folge vorab nicht verraten. Daran hält sich Solka. Der Titel lautet passenderweise „Auf Wiedersehen“. Die letzte Folge wurde im Dezember aufgenommen. Die Dreharbeiten in Köln-Bocklemünd sind beendet, das Studio ist teilweise abgebaut. Die Coronakrise ließ sich in dem Maße damals noch nicht einmal im Ansatz erahnen. Und dennoch wird sie eine Rolle spielen, wie Solka die AZ wissen lässt. „Es wird in der letzten Folge durch die Postproduktion eine Lindenstraßen-typische Aktualisierung zu Corona geben.“

Ein Faltblatt aus der Serie, das Schauspieler Gunnar Solka für sich aufbewahrt hat. Fotos: Steven Mahner, GFF/WDR; privat

Solka, dessen Familie in Osterburg lebt, ist traurig über das Ende der Serie. „Über meine Traurigkeit hinaus bedaure ich, dass es die Lindenstraße als gesellschaftspolitischen Spiegel des deutschen Alltags nicht mehr gibt. Wie würden sich die Lindensträßler jetzt verhalten? Ich wünsche mir, da die Menschen gerade Solidarität einfordern und üben, dass die Geflüchteten im griechischen Lager auf Lesbos mehr Aufmerksamkeit und endlich Hilfe bekommen.“ All das und mehr treibe ihn derzeit um. Beruflich geht es immer weiter, Anfang März hat er eine Weiterbildung für professionelle Schauspieler begonnen: Synchron-, Mikrofonsprechen und Tonregie. Einer seiner Mitschüler ist Martin Walde, die Sunny aus der Lindenstraße.

„Unser Kurs wurde wegen der Pandemie vorerst ausgesetzt.“ Die Schüler bekommen online Hausaufgaben. „Ich vermisse bereits die Synchronkabine.“ Darüber hinaus bereitet Solka mit Felix Kusser, der auch in der Lindenstraße spielte, eine Installation vor. Mit ihm hatte er schon den Sozialspot Life gedreht, der im vergangenen Jahr auf dem Human Rights Festival in Berlin gezeigt wurde (die AZ berichtete). Beim neuen Projekt müssten sie natürlich ebenfalls auf die aktuellen Pandemiebestimmungen achten. Und grundsätzlich: „Ich versuche, über das Ende der Lindenstraße hinaus gesellschaftspolitisch aktiv zu bleiben.“ Angekündigt ist die letzte Folge, Ausgabe 1758, von der ARD für morgen, 18.50 Uhr.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare