Kinder aus Weißrussland zu Besuch in der Einheitsgemeinde / Loopingbahn und Wassermelone stehen hoch im Kurs

Tschernobyl-Kinder schätzen den Spaß

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Nach dem Frühstück nutzten die Kinder das reichhaltige Spieleangebot des Jugendfreizeitzentrums in Bismark wie hier das Schachspiel.

Bismark/Grassau. Seit dem 2. Juni sind 18 Kinder aus dem Süden Weißrusslands und ihre drei Betreuerinnen für vier Wochen zu Besuch in der Region.

Sie stammen aus dem Stadtgebiet von Narowlja in der Region Gomel, die nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 zu den stark verstrahlten Regionen zählt.

Ihre erste Woche in Deutschland haben die zwischen acht und 13 Jahre alten Kinder in Wittenberge verbracht. Am vergangenen Sonntag haben sie gemeinsam mit ihren Betreuerinnen Tamara Dawidowitsch, Anna Baback und Marina Kulewets das Integrationsdorf in Arendsee bezogen, das für drei Wochen ihr Domizil sein wird. Bei ihrem Besuch in der Altmark werden sie von Margrit Rieger und Renate Oesemann vom Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ betreut.

Am Donnerstagvormittag wurden die Mädchen und Jungen mit einem Feuerwehrauto aus Arendsee abgeholt. Gegen 9 Uhr kamen sie im Kinder- und Jugendfreizeitzentrum in Bismark an, wo sie sich ein ausgiebiges Frühstück gönnten, das von den Frauen um die Leiterin Anja Dräger vorbereitet worden war. Im Anschluss wurden die Kinder von Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin Verena Schlüsselburg begrüßt und bekamen von einem Unternehmer aus der Region 18 Turnbeutel mit diversen Schulmaterialen überreicht. Den Rest des Vormittages nutzten die Kinder das Angebot des Freizeitzentrums, tobten herum, spielten und bastelten.

Am Nachmittag ging es dann mit der Feuerwehr nach Grassau, wo ein Kinderfest stattfand. Die Gäste tobten auf dem Spielplatz aus, drehten am Glücksrad und aßen den selbstgebackenen Kuchen.

Die Betreuerin und studierte Dolmetscherin Tamara Dawidowitsch erklärte, dass die Kinder aus benachteiligten Familien, Familien mit vielen Kindern und von alleinerziehenden Elternteilen ausgewählt werden. Das Immunsystem der Kinder sei geschwächt, sodass sie anfälliger für Erkältungskrankheiten seien. Auf die Frage, was den Kindern bisher am besten gefallen hat, erhallte die mehrkehlige Antwort „Hansapark“ und „Loopingbahn“. Ein Junge sagte, dass er Wassermelone sehr mag.

In den nächsten Tagen werden die Kinder noch nach Seehausen fahren, das Stadion des VFL Wolfsburg besuchen und ein Training mit dem ehemaligen Bundesliga-Profi Roy Präger absolvieren. An zwei Wochenenden werden je zwei Kinder auch noch von freiwilligen Gastfamilien aufgenommen und betreut.

Dass die Kinder überhaupt nach Deutschland kommen, ist dem Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ zu verdanken. Es wurde 1991 im Landkreis Osterburg mit dem Ziel gegründet, Kindern aus den verstrahlten Gebieten zu helfen.

Von Maik Bock und Niels Troelenberg

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