Grundwasserspiegel bereitet Sorgen

Trockenheit in Bismark und Umgebung: Noch sagt die Umweltbehörde Bitte

Der Kolk, ein Bade- und Angelgewässer, in Bismark ist komplett umzäunt. Dort für private Zwecke unerlaubt Wasser abzupumpen, dürfte schwer sein.
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Der Kolk, ein Bade- und Angelgewässer, in Bismark ist komplett umzäunt. Dort für private Zwecke unerlaubt Wasser abzupumpen, dürfte schwer sein.

Bismark – Der Altmarkkreis Salzwedel melde einen historisch niedrigen Grundwasserpegel.

Eindringlich mahnt der Wasserverband Gardelegen, zu dem auch westliche Gebiete der Einheitsgemeinde Bismark gehören, sich an die Salzwedeler Allgemeinverfügung zur Beschränkung der Wasserentnahme zu halten.

Dieses Papier gelte ausschließlich in der Westaltmark, betont Stendals Kreissprecher Edgar Kraul auf Nachfrage der AZ. Der Landkreis Stendal hat es in dieser Woche vorerst bei einem Schreiben über die Presse belassen. Die Stoßrichtung ist dieselbe: Bürger sollen „sorgsam mit der Ressource Wasser umgehen“. Der Regen der vergangenen Tage sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Schon fast chronisch leidet der Kolk in Bismark seit einiger Zeit unter Wassermangel. Und das liege nun wirklich nicht allein an einem Feuerwehreinsatz vor wenigen Jahren, der große Mengen an Löschwasser verbraucht habe, hat Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) schon häufiger erklärt. 2018 und 2019 stellen für Sachsen-Anhalt meteorologisch sogenannte Trockenjahre dar. Für 2020 dürfte die Bilanz nicht viel besser ausfallen. „Infolge der trockenen Witterung seit dem Frühjahr sind die Wasserstände in den Flüssen und Gräben sehr niedrig. Mehrere Gräben sind bereits vollständig trockengefallen“, heißt es aus dem Umweltamt in Stendal. Letztendlich geht es um das Trinkwasser aller.

Eigenmächtig Wasser aus Gewässern zu pumpen, sei selbst in regenreichen Jahren und bei ausreichend gefüllten Seen, Flüssen und Gräben untersagt. Ohne eine Erlaubnis der Wasserbehörde geht nichts. Im Normalfall wäre höchstens das Schöpfen mit Handgefäßen erlaubt. Aber auch dies, so die eindringliche Bitte aus dem Umweltamt in Stendal, sollte derzeit unterbleiben oder auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Die Gewässerökologie könnte ansonsten irgendwann allzu sehr beschädigt werden, auf keinen Fall sollten Wasserläufe durch irgendwelche Aktionen austrocknen. Auch Eigentümer und Nutzer von Grundstücken an Gewässern mögen daran denken.

Die Uchte fließt an Käthen vorbei nach Stendal. Hier ein Foto des Flusses dort aus dem Trockenjahr 2019.

Der Kolk in Bismark, der Köhnsee vor Kläden, die Kiesgrube bei Schernikau, die Uchte nahe Käthen, unzählige Bäche und Gräben – das Wassersystem in der Einheitsgemeinde ist einigermaßen groß. Sollte sich die Trockenheit noch einmal verschärfen, will das Landratsamt „weitergehende Einschränkungen in der Nutzung von Oberflächenwasser verfügen“. Im Salzwedeler Nachbarlandkreis ist jegliche Entnahme aus Brunnen zur Bewässerung öffentlicher und privater Grünflächen sowie von Sportanlagen seit vergangener Woche zumindest für den Nachmittag untersagt. Gemeint sind damit auch Gartenbrunnen. Das Verbot gilt noch bis 30. September. Überhaupt solle mit Wasser sparsam umgegangen werden.

Wenn wenig Regen fällt und davon kaum etwas die tiefen Schichten im Boden erreicht, fällt der Grundwasserspiegel. Und das kann sich auf die Trinkwasserversorgung auswirken. Hinzu kommt: Die Hitze der vergangenen Wochen hat den Bedarf an Trinkwasser offenbar massiv erhöht. Der Wasserverband Gardelegen mit Kunden in der Einheitsgemeinde Bismark meldet eine starke Belastung der Tiefbrunnen einzelner Wasserwerke. Noch seien die erlaubten Mengen nicht überschritten, doch die hohe Nachfrage habe den Grundwasserspiegel in den Brunnen bereits deutlich absinken lassen. Die Alarmglocken dürften in zwei altmärkischen Landkreisen läuten.

Die jährliche Durchschnittstemperatur in Sachsen-Anhalt steigt seit sieben Jahren an. Die Niederschlagsmenge 2020 liegt mit Stand Juli oberhalb der Vorjahreswerte. Allerdings: „Die Regenereignisse verändern sich spürbar in Dauer und Intensität“, erläutert Kreissprecher Kraul für das Fachamt. Starkregen nimmt demnach zu, der wertvollere Landregen fällt weniger. Wann hat es das letzte Mal mindestens sechs Stunden möglichst wohltuend geregnet? Nicht nur Bismarker dürften lange überlegen müssen. Trifft Starkregen auf ausgetrockneten Boden, fließt das Wasser häufig viel zu schnell ab und versickert nicht tief genug. Fachleute nennen das übrigens Hydrophobie. VON MARCO HERTZFELD 

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