Haltepunkt verliert schon früh Großteil der Züge

Todgeweihter Bahnhof Steinfeld: Kein Licht am Ende des Tunnels

Das alte Bahnhofsgebäude ist verrammelt. Nicht nur auf der hinteren Seite liegt Unrat. Es riecht muffig.
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Das alte Bahnhofsgebäude ist verrammelt. Nicht nur auf der hinteren Seite liegt Unrat. Es riecht muffig.

Steinfeld – Wolfgang Ball redet Anfang der Woche erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Für Steinfeld ist der Zug abgefahren, um es drastisch zu formulieren.“ Der Bahnhaltepunkt werde definitiv geschlossen.

Das Aus in letzter Minute doch noch abzuwenden, dafür sieht der Sprecher des Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa) in Magdeburg keine Möglichkeit.

„Grundsätzlich kann es noch bis 2025 laufen. “ Doch schon zum Dezember 2021 werde das Fahrplankonzept für die Strecke Uelzen-Stendal geändert und der Bahnhof bereits von deutlich weniger Zügen bedient. Ein Sterben auf Raten. „Es tut uns auch selbst leid, zumal es ja Ideen zur Rettung gab“, meint Ball im Gespräch mit der AZ.

Der Bahnstopp der Bismarker Ortschaft stand immer wieder einmal vor dem Aus, diesmal dürfte es endgültig besiegelt sein. Vor mehr als einem Jahrzehnt formierte sich gegen Schließungspläne in der Gegend Widerstand, besonders im Ortsteil Schönfeld. Unattraktiv im freien Feld, kaum Reisende – Bahn und Nasa schienen sich ihr Urteil zum Haltepunkt damals schnell gebildet zu haben. An der Einschätzung änderte sich über die Jahre nicht sonderlich viel. Von 20 bis 25 Ein- und Ausstiegen täglich sprach vor gut einem Jahr selbst die Kreisverwaltung in Stendal. In einem Papier hieß es nüchtern: „Mit dem zweigleisigen Streckenausbau steht der Bahnhalt Steinfeld seitens der Nasa GmbH zur Diskussion.“

Ein symbolträchtiges Bild: Der Zug für den Bahnhalt Steinfeld ist abgefahren. Wenngleich es sich in diesem Fall um einen Güterzug handelt. Ausbau der Strecke und Kostendruck schaffen beim Personenverkehr in der Region auch Verlierer.

Derzeit halten in Steinfeld montags bis freitags täglich 26 Züge, samstags sind es 18 und sonntags 17. Das wird sich in eineinhalb Jahren deutlich ändern. „Die genaue Zahl an verbleibenden Zügen können wir heute noch nicht bestimmen, da natürlich so viele Züge halten würden, wie ohne Beeinträchtigung der langfristig bestehenden Halte fahrplantechnisch möglich“, erläutert Ball auf Nachfrage. Und weiter: „Nach grober Abschätzung könnten montags bis freitags etwa sieben, samstags sechs und sonntags fünf Halte verbleiben, nur frühmorgens und spätabends. Ob weitere Halte möglich sind, wird sich erst im Laufe der konkreten Fahrplanabstimmung ab Anfang 2021 herausstellen.“

Spätestens irgendwann kurz nach 2025 dürften die Arbeiten an der Strecke so weit gediehen sein, dass Steinfeld komplett aus dem Konzept fällt. Auf ein genaues Datum für das Ende des Bahnhalts lässt sich die Nahverkehrsgesellschaft Nasa nach wie vor nicht festnageln. Einheitsgemeinde Bismark und Landkreis Stendal hatten sich für den Erhalt starkgemacht. Der große Wurf sollte gelingen, nicht nur für die Schiene, auch für den Busverkehr, für den der Landkreis verantwortlich zeichnet. Eine Vereinbarung mit der Nasa wäre erst einmal bis 2038 gelaufen und hätte dem Landkreis mehrere Millionen Euro gekostet. Das Konzept schaffte es nicht durch den Kreistag (die AZ berichtete).

„Wir hätten mit dem Konzept gemeinsam den gesamten Korridor gestärkt“, zeigt sich Ball überzeugt. Die Nasa hätte unter diesen finanziellen Bedingungen einen Erhalt des Bahnhalts Steinfeld mitgetragen, unterstreicht ihr Sprecher. Wenngleich eines natürlich zusätzliche Möglichkeiten eröffnet hätte, wenn der Landkreis auf seine großen Busverbindungen aus und nach Stendal verzichten wollte. „Sie ziehen nun einmal auch Fahrgäste von der Schiene ab.“ Die vielen Konjunktive zeigen es, eine Diskussion auch darüber erübrigt sich, die Befürworter es Bahnhofs Steinfeld stehen mit leeren Händen da. Was das für den Busverkehr und Schienenersatz bedeuten kann, muss sich zeigen.

Im Dezember 2017 kam schon der Bahnhalt Meßdorf aufs Abstellgleis. Die Nasa gab danach Geld für eine Buslinie, die Meßdorf an den Bahnhof Hohenwulsch anbindet. Die Finanzierung läuft dieses Jahr aus, der Landkreis zahlt dann mehr. Inwieweit es ähnliche Übergangslösungen für Steinfeld geben soll, wird die Zukunft zeigen. Das frühere Empfangsgebäude in Steinfeld ist übrigens schon vor einigen Jahren ausgemustert worden und befindet sich nun schon länger in privaten Händen. Einen sonderlich aufgeräumten Eindruck macht es nicht. Die Anlagen der Bahn spiegeln ihrerseits schon irgendwie wider, was den Bahnstopp erwartet, ein ziemlich kümmerliches Ende.

VON MARCO HERTZFELD 

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