Bismarks Landwirte befürchten Ernte-Ausfälle wegen neuer Hochspannungsleitung der Avacon

Stromausbau verursacht Sorgenfalten

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Es war der Wunsch der Landwirte, dass die Avacon den geplanten Bau einer neuen Hochspannungsleitung beim zweiten Landwirtschaftsring noch mal vorstellt.

Meßdorf. Über den geplanten Bau einer neuen Hochspannungsleitung vom Umspannwerk Stendal West nach Meßdorf, mit Abzweigen nach Güssefeld und Osterburg, hat die Avacon Anfang des Jahres beim zweiten Landwirtschaftsring der Stadt Bismark die Landwirte der Einheitsgemeinde informiert.

Das bestehende Umspannwerk in Bismark soll mit angebunden werden (die AZ berichtete).

Wie Avacon-Projektleiter Wolfgang Dee mitgeteilt hat, sollen die geplanten Leitungen zum einen den durch Windkraftanlagen erzeugten Strom aus der Region in das regionale Verteilnetz aufnehmen und zum anderen der weiteren Erhöhung der Versorgungssicherheit dienen.

Für den sicheren Transport des Stromes gibt es zwei Varianten: einmal die mögliche Trasse bei Bauausführung als Erdkabel und als zweites die Trasse bei Bauausführung als Freileitung.

Bismarks Landwirte stehen beiden Varianten skeptisch gegenüber, nicht zuletzt, weil der Trassenverlauf zum Teil durch die von ihnen bewirtschafteten Flächen verlaufen soll. Die AZ hat sich mit einem der Landwirte getroffen und noch mal über den geplanten Leitungsbau gesprochen.

Christian Borm (59) ist verheiratet, lebt seit 1995 in Meßdorf und ist Vater dreier Kinder. Er baut Kartoffeln, Getreide (Weizen und Roggen), Raps und Mais an. Er ist dafür, dass die Stromkabel unterirdisch angebracht werden, auch wenn er mit Einbußen bei der Ernte rechnen muss. „Die Pflanze kann sich an der Stelle, an der das Kabel entlanggeht nicht so entwickeln, weil sich das Kabel erwärmt und dabei die Erdoberfläche austrocknet“, erklärt er. Die Konsequenz: Er muss seine Flächen intensiver bewässern, damit ihm die Ernte nicht eingeht. Der Nachteil: zunehmender Wasserverbrauch. Das nehme er jedoch eher in Kauf, als Strommasten auf seinen Landflächen zu haben, wie er sagt. „Dort, wo ein Masten angebracht wird, wächst nichts. Und ich habe enorme Schwierigkeiten mit der Bewässerung und Bewirtschaftung. Insbesondere wenn ich mit der Landtechnik um die Masten herum fahren muss“, beklagt er weiter.

Nach Angaben von Borm läuft außerdem seit zwei Jahren in den Ortschaften Meßdorf, Späningen, Biesenthal und Schönebeck ein Flurneuordnungsverfahren. Das heißt, landwirtschaftliche Flächen werden neu verteilt, zusammengelegt und Wirtschaftswege sollen neu ausgebaut werden. Demnach sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, welche Flächen wie stark vom Trassenverlauf betroffen sind. „Denn die Grundstücke auf denen später Masten stehen, sind nicht die lukrativsten“, sagt er. Er würde sich wünschen, wenn der Trassenverlauf im Flurneuordnungsverfahren berücksichtigt werden könnte. Ob Landwirte mit einer Entschädigung rechnen können, falls der Leitungsausbau negative Konsequenzen mit sich bringt, ist derzeit noch offen. Für Christian Borm steht jetzt schon fest: „Eine einmalige finanzielle Entschädigung ist eindeutig zu wenig.“

Von Marilena Berlan

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