Stadtwehrleiter zurückgetreten

Thomas Oesemann. Foto: mb

Bismark. Thomas Oesemann ist nicht mehr Stadtwehrleiter der Einheitsgemeinde Bismark. Mit einem Schreiben an die Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin trat er offiziell zum 18. Mai von seinem Amt zurück.

Sein bisheriger erster Stellvertreter Frank Merkel, Wehrleiter in Klinke, wird diese Aufgabe in der nächsten Zeit übernehmen und leitete bereits die Wehrleitertagung am Mittwochabend in Meßdorf.

Seine Rücktrittserklärung, die der AZ vorliegt, listet eine Reihe von Gründen für die Entscheidung des ehemaligen Stadtwehrleiters auf, der diese Funktion „sehr gerne ausgeübt“ habe. Hauptgrund für den Rücktritt seien die Ereignisse rund um die vergangene Stadtratssitzung vom 6. April in Dobberkau. Die Entscheidung für den Erhalt aller drei Grundschulen mit der dazugehörigen Erfüllung der verordneten Brandschutzauflagen habe zur Folge, dass am Brandschutz wieder gespart werden müsse. Dies erfuhren die anwesenden Kameraden erst an diesem Abend. Geplante Investitionen in Einsatzfahrzeuge und Ausrüstung wurden aus dem beschlossenen Haushalt 2011 gestrichen – zu Lasten der Feuerwehr. Ein neuer Kommandowagen sei unabdingbar, gerade bei gefährlichen Unfällen oder Großeinsätzen. Die ausgebildetet Leute nutzen nichts, wenn Technik fehlt. Die Feuerwehren werden hintenan gestellt. Dies sei so nicht hinnehmbar, hatte Oesemann sich bereits an jenem Abend Luft verschafft. „Diese Entscheidung kann ich nicht verantworten.“ Man solle aufpassen, dass nicht die Feuerwehren irgendwann geschlossen werden.

In den Augen der Stadtwehrleitung werde das Brandschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt missachtet. Die ersten beiden Paragrafen beschreiben es als eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, „eine leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten“. Doch momentan seien die Stadtwehren und auch die Gemeinde für eine eventuelle Großschadenslage nicht genügend ausgerüstet, sie könne nicht bewältigt werden. Es fehlt an Bekleidung, Ausrüstung und Fahrzeugen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Satzung der Ortswehren der Stadt Bismark beschlossen, die eindeutig festschreibt, wie sie ausgestattet sein sollte, um die an sie gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Als einen weiteren wichtigen Grund bezeichnet Oesemann „das Fehlverhalten der anwesenden Gäste“ bei besagter Stadtratssitzung. Zahlreiche Eltern waren im Dobberkauer Mehrzweckgebäude zugegen. „Nachdem ich meinen Unmut über diese Entscheidung hervorbrachte, wurde ich dafür ausgelacht“, so der ehemalige Stadtwehrleiter. Auch noch nach Ende der Versammlung habe man sich draußen über das wichtige Ehrenamt lustig gemacht, „was an diesem Abend einen sehr tiefen Schlag bekommen hat“.

Bürgermeisterin Verena Schlüsselburg hat die Wehrleitung am Dienstag, 31. Mai, in die Verwaltung eingeladen. Dort werde ein Gespräch über die weitere Arbeit der Feuerwehren und deren Bedingungen über die Bühne gehen. Die Rücktrittserklärung von Oesemann habe die Verwaltung bereits am 12. Mai erreicht. Nun wolle die Verwaltung das Treffen abwarten.

Von Bianca Lange

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare