Spargelanbau per Zufall

Meßdorf: Spargelbauer wartet auf Erntehelfer

Axel Tinneberg steht auf seinem Spargelfeld.
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Axel Tinneberg, Geschäftsführer eines landwirtschaftlichen Betriebes in Meßdorf, hat seine Spargelfelder noch nicht abgedeckt. Er wartet auf seine Erntehelfer.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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Dass ein Meßdorfer Landwirt auch Spargel anbaut, war mehr ein Zufall als alles andere. Anfang der 1990er-Jahre übernahm die Betriebsgemeinschaft Michael & Tinneberg zwei Hektar Acker von der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Dort waren erst im Jahr zuvor Spargelpflanzen eingesetzt worden. „Die Arbeit zunichtezumachen, dafür war sie uns zu schade“, sagt Geschäftsführer Axel Tinneberg.

Meßdorf - Regional und natürlich – so bewirbt der Landwirt seinen Spargel. „Wir verkaufen in einem Radius von 25 Kilometern mit eigenen Verkaufsständen.“ Von Bismark über Osterburg bis Stendal und Gardelegen sind größere Städte in der Umgebung mit dabei. „Das hat klare Vorteile. Wenn sich kurzfristig ein Verkäufer meldet, dass er keine Ware mehr hat, kann ich die schnell liefern. So kann uns nichts in den Ständen eingehen.“

Ob Meßdorfer Spargel in der Umgebung eine richtige Hausmarke ist? „Er hat sich etabliert. Es ist ein anderer Geschmack für Stammkunden“, findet der Landwirt. „2020 hatten wir mehr Neukunden, vermutlich weil mehr Menschen zu Hause gekocht haben.“

Was die Natürlichkeit angeht: Der Betrieb nutzt den Mist der eigenen Milchkühe als Dünger. „Wir benutzen auch nicht die Folientunnel, die wie Gewächshäuser funktionieren. Für große Spargelbauern hat es seinen Nutzen, weil es das Wachstum beschleunigt und sie früher ernten können.“ Aber es soll so viel Folie wie möglich gespart werden. „Sie ist teuer und die Entsorgung ist schwierig. Das ist eine große Umweltbelastung“, die er gerne vermeiden will. „Selbstzersetzende Folie funktioniert nicht, weil sie UV-beständig sein muss.“ Mit der Schwarz-Weiß-Folie, die im Frühjahr die Spargelfelder bedeckt, kann die Temperatur reguliert und die Sonne abgehalten werden.

„Derzeit warten wir noch, die Folie aufzulegen, weil wir noch nicht wissen, ob wir dieses Jahr wieder unsere Helfer aus Polen holen können.“ Das sei im vergangenen Jahr ein Problem gewesen. Da mussten die zehn Erntehelfer nach der Ankunft in Quarantäne. „In dieser Zeit hat der Betrieb für sie eingekauft. Das geht bei großen Spargelbauern mit vielen Helfern natürlich nicht.“ Oft habe er dieselben Helfer da. „Es ist ein harmonisches, fast familiäres Miteinander, weil wir uns kennen und es so wenige sind“, sagt Tinneberg.

Zusätzlich stellt er während der Ernte- und Verkaufszeit Ende April bis Mai vier Verkäufer und etwa acht Sortierer ein. „Letztere waren im vergangenen Jahr Studenten und Schüler, die sowieso zu Hause waren und so etwas Geld verdienen konnten.“

Darauf hofft er auch in diesem Jahr. Inzwischen hat der Betrieb zehn Hektar Spargel mit drei Hektar, die demnächst noch bepflanzt werden sollen. „Spargel kann etwa sechs Jahre gestochen – also geerntet – werden.“ Im Unterschied zu anderen Ackerpflanzen werden sie nicht jedes Jahr neu gesät. „Dann sollte die Fläche gerodet werden und zehn Jahre ruhen.“

Denn nach den sechs Jahren nehme das Ertragspotenzial stark ab, weshalb der Landwirt seinen gesamten Spargelacker in jeweils drei Hektar große Flächen teilt und diese rotiert. Diese Vorgehensweise bringt ihm pro Hektar etwa einen Ertrag von acht Tonnen. Ehemals hatte der Meßdorfer Betrieb sogar 20 Hektar Spargel. Der Ertrag wurde damals noch auf den Großmarkt nach Hamburg gefahren. Bis Anfang der 2000er, als wegen der EU-Mitgliedschaft Spargel mit guter Qualität aus Nachbarländern wie Ungarn den Markt überschwemmte. „Diese Preisturbulenzen kosteten uns zu viel. Wegen des niedrigen Verkaufspreises entschieden wir uns dafür, ab dann lieber regional zu vermarkten.“

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