Kein Interesse für Bücherbörse im Bismarker Bürgerhaus / Kostenloser Lesestoff steht bereit

„Sie funktioniert nicht mehr“

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Nicht nur in den Regalen stapeln sich die Bücher, auch auf dem Tisch. Zu den Öffnungszeiten der Bibliothek und während der Bürgersprechstunden ist die Bücherbörse geöffnet.

Bismark. Goethe steht neben Shakepeare und das Physikhandbuch in einem Regal wie „Schminken leicht gemacht“. Grimms Märchen lagern in Nachbarschaft zu Hanni und Nanni.

Klassiker der Weltliteratur, Reiseführer, wissenschaftliche Bücher und Kinderbücher stapeln sich an den vier Wänden. Hunderte Bücher aller Genres, Länder und Jahre. Und doch wirkt das Zimmer im oberen Geschoss des Bismarker Bürgerhaus verlassen. Der Raum der Bücherbörse. „Sie funktioniert schon lange nicht mehr. “ Bismarks Ortsbürgermeister Eduard Stapel sieht sich in dem Raum um, der seit Jahren den Einwohnern als Bücherbörse zur Verfügung steht.

Das System ist denkbar einfach. Anstatt sich teilweise sehr teure Literatur selber kaufen zu müssen, kann im Bismarker Bürgerhaus einfach getauscht werden. Schon gelesene Wälzer, die Zuhause nicht mehr gebraucht werden, können dorthin gebracht, neuer Lesestoff wieder mitgenommen werden. Bei Bedarf erfolgt ein erneuter Tausch. Weil sich die Bücher aber mittlerweile schon fast bis unter die Decke stapeln, ist es nicht mehr zwingend notwendig, selbst welche mitzubringen. Stapel wäre ja schon froh, wenn überhaupt jemand kommen würde, um sich an den Büchern gütlich zu tun. „Wer möchte, kann zu den Öffnungszeiten oder zu meinen Sprechzeiten ins Bürgerhaus kommen und sich oben im Raum einfach mal umsehen“, erklärt Stapel. Denn das Interesse an der Literatur-Tauschbörse tendiert momentan gegen Null. Schon seit Monaten hat sich niemand mehr dort blicken lassen, erinnert sich Stapel.

Das Angebot richtet sich ausdrücklich an alle Interessierten. Nicht nur an Privatpersonen. Auch Kitas, Grundschulen oder Horte der Einheitsgemeinde können sich für ihre Schützlinge mit neuem Lese- oder Vorlesestoff eindecken. Von Märchen bis hin zu Jugendliteratur ist alles vorhanden. Wer im Sommer in den Urlaub fährt, könnte im Bürgerhaus nach entsprechenden Touristenführern suchen, die auf dem Fensterbrett warten. „Bücher sind teuer und viele sehr gut erhaltene Exemplare bekommt man hier“, macht Stapel Werbung.

Er hofft, dass das Interesse wieder steigt, denn sonst steht die Zukunft der Bücherbörse auf der Kippe. Der Raum ließe sich auch anders ganz gut nutzen. Einige Monate gibt der Ortsbürgermeister der Tauschbörse noch Zeit, bevor er endgültig über ihr Weiterleben entscheidet.

Von Bianca Lange

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