Seniorentagesstätte Schloss Kläden setzt Spatenstich für landesweit einzigartiges Projekt

Fünf Räume bilden Sinnes-Oase

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Frisch geschärfte Schaufeln symbolisieren gestern den Startschuss und Spatenstich für den neu zu gestaltenen Garten der Seniorentagesstätte hinter dem Schloss Kläden, der sich in den kommenden Monaten in eine Sinnes-Oase verwandeln soll.

Kläden. Er wird der erste seiner Art in Sachsen-Anhalt sein. Seit dieser Woche entsteht hinter dem Schloss in Kläden ein Garten der Sinne.

Friederike Schlenstedt hingegen nennt ihr einzigartiges Projekt lieber eine Sinnes-Oase für Demente, als sie gestern gemeinsam mit Sponsoren und Verantwortlichen symbolisch den extra geschärften ersten Spaten in den Boden bringt. Die 28-Jährige ist die Planerin des neuen Areals, das für die Bewohner der Seniorentagesstätte Kläden gedacht ist, aber auch die benachbarte Kita „Pittiplatsch“ mit ins Boot holen soll.

Die Sinnes-Oase gliedert sich in fünf Erlebnisräume auf, die die Senioren an verschiedene Stationen ihres Lebens zurückbringen sollen. So entstehen Bereiche der Kindheit, Jugend, Erwachsenenleben oder Rentenalter auf dem Gelände, das in den vergangenen Tagen vom Gemeinschaftsgärtner der Seniorentagesstätte, Gerd Hartwig, schon vorbereitet wurde. Hartwig wird die Senioren bei der Gartenarbeit anleiten und unterstützen, sobald die Oase genutzt werden kann. Auch das von ihm gebaute Insektenhotel wird in den neuen Garten integriert. In jedem Erlebnisraum gibt es Neues zu entdecken. Eine Hollywoodschaukel soll an die Kindheit, kleinere Gartenarbeiten im Erwachsenen-Bereich an die Schaffenszeit des Lebens erinnern, beschreibt Schlenstedt die Grundlagen ihres Projektes, das sie ihm Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Naturschutz und Landschaftsplanung in Bernburg entwickelte und das ihren Prüfern eine Eins wert war. Gerade im Ruhrgebiet und Großstädten gebe es solche Sinnesgärten für Senioren schon. Sie werden gut angenommen, berichtet die Planerin. Die Oase für Demente ist in Sachsen-Anhalt bislang aber einzigartig und genau auf die Bedürfnisse der Seniorentagesstättenbesucher zugeschnitten. Ihre eigenen Wünsche, wie die Einbeziehung der Kita gegenüber oder Natürlichkeit fanden Berücksichtigung im Endentwurf. Die Gestaltung erfolgt fast ausschließlich mit Pflanzen und Bäumen, die die Senioren auch schon kennen. „Mit den Wünschen unserer Senioren und dem Erwerb von Wissen über die Krankheit Demenz entwarf Frau Schlenstedt in hervorragender Weise ein Konzept, welches weit über die ursprüngliche Idee hinausging. Sie verstand es, den Charakter dieses herrschaftlichen Anwesens mit den heutigen Erfordernissen zu vereinen und eine Oase zu schaffen, die in der näheren Umgebung ihresgleichen suchen wird“, freut sich Diana Wernecke, Vorsitzende des Vereins der Seniorentagesstätte.

Fünf Jahre habe es gedauert, bis aus der ursprünglichen Idee der Baubeginn folgen konnte, berichtete sie gestern. Angefangen hat alles schon kurz nach der Vereinsgründung im Jahr 2008. Bei der Gesundheitsaktion einer Krankenkasse mit dem Thema „Ein Baum für meine Region“ sollte ein Projektvorschlag eingereicht werden, der die gesundheitliche Situation von Menschen nachhaltig verbessern hilft. Die Idee vom Garten der Sinne wurde dann auch als eine von vier Initiativen in Sachsen-Anhalt ausgewählt, doch die finanzielle Hilfe des Projektes reichte nicht für eine Umsetzung aus, zumal der erwartete und gewünschte Strom an Pflegebedürftigen in der Seniorentagesstätte vorerst ausblieb. So wäre auch eine mögliche Leader-Förderung an den nicht aufbringbaren Eigenmitteln gescheitert und der Verein trat aus der Lokalen Aktionsgruppe 2011 wieder aus.

Die Kontakte jedoch blieben und so konnte Jan Bauditz, ein aus Kläden stammender Architekt, der Mitglied in einem Seethener Verein ist, Diana Wernecke Marcel Heins vorstellen, der an der Hochschule Anhalt für den Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung tätig ist. Angehörige aus beiden Familien wurden später in der Seniorentagesstätte betreut und über Marcel Heins kam schließlich auch Friederike Schlenstedt nach Kläden, die als seine Studentin auf der Suche nach einem Thema für ihre Bachelorarbeit war. Und auch die finanzielle Unterstützung war schließlich gesichert. Nicht nur die AOK, sondern auch die Förderung der Stiftung Umweltschutz, Natur und Klimaschutz Sachsen-Anhalt, die Kreissparkasse Stendal und der Europäischen Sozialfonds „Lokales Kapital“ sind an den Kosten der Gestaltung beteiligt.

„Ich bin gespannt, wie es nach der Umsetzung aussehen wird“, freut sich Friederike Schlenstedt schon jetzt auf ihren nächsten Besuch in Kläden.

Von Bianca Lange

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