Familie will Zwölfjähriger so viele Wünsche wie möglich erfüllen

Schwer kranke Paula träumt vom Mittelmeer

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Die zwölfjährige Paula freut sich mit ihrem Bruder Luca (6) und Mutter Jennifer (39) auf Weihnachten.

Hohenwulsch. Paula schmiegt sich an ihre Mama. Jennifer Schulz hat die Zwölfjährige gerade aus den Federn geholt. Bruder Luca stupst das Mädchen an, schleudert ihm ein „Guten Morgen“ entgegen und möchte es am liebsten für immer festhalten.

Bali, der Hund der Familie, begrüßt sie genauso stürmisch und bekommt seine Streicheleinheiten. Paula ist schwer an Krebs erkrankt und steckt mitten in der Chemotherapie.

Der Weihnachtsbaum ist bereits geschmückt. „Das machen wir eigentlich sonst immer erst Heiligabend“, erzählt die Mutter mit leiser Stimme. In diesem Jahr ist vieles anders in Hohenwulsch.

Im Dezember 2017 ändert sich ihr Leben schlagartig. Paula hat einen bösartigen Tumor im Unterleib, so groß wie eine Aubergine. Die Ärzte in Magdeburg fackeln nicht lange und operieren die junge Altmärkerin. Alles scheint gut und das Mädchen kann wieder lachen. In der Osterzeit erreicht die Mutter auf Arbeit über Telefon die nächste Schocknachricht. Es haben sich mehrere kleine Tumore an derselben Stelle im Körper gebildet. Und diesmal ist auch die Lunge betroffen. „Unsere Paula ist so tapfer, wir kriegen das alles hin“, will Mutter Jennifer Mut machen. Das Mädchen muss regelmäßig Tabletten schlucken.

Paula soll so viele Wünsche wie nur möglich erfüllt bekommen. An diesem Tag geht es nach Stendal ins Kino. „Der Grinch“ steht auf dem Programm. Irgendwann im neuen Jahr startet der Flieger nach Mallorca. Nur Vater René Pieper saß bisher in einem Flugzeug, einmal. „Für uns andere drei ist das Premiere.“ Paula möchte im Freizeitpark Tropical Islands in Brandenburg baden und sehnt sich noch viel mehr nach dem Mittelmeer. „Italien ist ihr ganz großer Traum“, verrät die Mutter der AZ. Dann ist da noch Sänger Justin Bieber, der Schwarm vieler Mädchen. „Doch er ist so weit weg und ein Konzertbesuch unmöglich.“

Das ganze Dorf fühle mit Paula und stärke der Familie den Rücken. Die Landfrauen aus Hohenwulsch und andere mehr bitten in der Bevölkerung um Geld. „Eine Nachbarin und ich haben uns immer von Weitem gegrüßt, wie das so ist. Sie hat uns nun eine Karte geschickt und gefragt, wie sie uns helfen kann“, berichtet die 39-Jährige gerührt. Flyer wurden gedruckt, ein Spendenkonto eingerichtet. Als es klingelt, eilt sie zur Tür. Andreas Müller übergibt im Namen der Kollegen 660 Euro. Die Mutter arbeitet seit vielen Jahren bei der Altmark-Zeitung. „Schön, dass ihr an uns denkt“, bedankt sie sich und weint.

Paula bekommt davon wenig mit, sie freut sich auf den Grinch. Seit März geht sie nicht mehr zu Schule. Sie vermisse ihre sechste Klasse des Stendaler Winckelmann- Gymnasium, erzählt sie. Immer wieder wird das Mädchen in Magdeburg behandelt. Der Tumor vom Anfang sei besonders selten, eine Handvoll Menschen auf der Welt davon betroffen. „Mediziner in ganz Deutschland grübeln über die hohen Werte“, sagt Mutter Jennifer, die aus Lüchow-Dannenberg stammt. Nach der Bescherung an Heiligabend geht es gleich zu Paulas Oma und Opa in Bismark und über Weihnachten noch zu den anderen Großeltern. „Alle möchten sie sehen.“

Von Marco Hertzfeld

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