Kathrin Oesemann leidet an Depression und Panik-Attacken / Jetzt will sie anderen helfen

Der Weg aus dem schwarzen Loch

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Vor zehn Jahren erkrankte Kathrin Oesemann (39, kleines Bild) an Depression. Hinzu kamen noch Panik-Attacken. Heute, zehn Jahre später, hat sie ihre Krankheit im Griff. Weiter lernen, damit umzugehen, wird sie auch künftig, wie sie sagt.

Bismark. Zittrige Hände, eine taube Zunge, trockener Mund, weiche Knie und das Gefühl, als werde der Kreislauf gleich zusammenbrechen – so äußert sich eine Panikattacke bei Kathrin Oesemann.

Die 39-jährige Bismarkerin leidet seit zehn Jahren an Depressionen und Panik-Angst-Störungen. Angefangen haben ihre Leiden ganz plötzlich. Den Auslöser kennt sie bis heute nicht. Damals hat sie in einem Unternehmen in Gardelegen als Produktionshelferin an den Maschinen gearbeitet. Schichtarbeit gehörte dazu. „Das war ein Knochenjob. Ich bin nicht die Erste, die in diesem Unternehmen an Depression erkrankte“, gestand sie im Gespräch mit der AZ am gestrigen Freitag.

Es folgten Therapien in Uchtspringe, in denen sie gelernt hat, auf sich und die Signale ihres Körpers zu achten. Aber vor allem, sich Zeit für sich zu nehmen, wie sie sagt. Zehn Jahre lang hat sie ihre Krankheit gut im Griff. Geht mit ihr offen um. Seit der Therapie von damals hat sie einen Teil ihrer Lebensqualität wieder. Dazu gehört auch die Konzentration. „Früher habe ich drei Buchseiten gelesen und wusste nicht, was am Anfang stand.“ Heute gehört Lesen zu ihren Hobbys und sie verschlingt ein Buch nach dem anderen, wie sie sagt. Mithilfe von Autogenem Training (Entspannungsübungen) und einem festen Tagesablauf rappelt sie sich langsam wieder ins Leben zurück. Ihre Art, mit ihrer Krankheit umzugehen, überzeugte auch Bärbel Riep vom Paritätischen in Stendal, sodass sie die Leitung der neuen Selbsthilfegruppe in Bismark – die Gruppe existiert seit einem halben Jahr – übernommen hat.

Ihre Erfahrungen, Fortschritte und Wege aus der Depression möchte sie mit anderen teilen und ihnen helfen, herauszufinden, wie sie lernen können, mit ihren Problemen umzugehen. Interessenten und auch der Bedarf seien da, sagt sie. Doch leider habe sich bisher keiner in eines der Treffen getraut. Nur ein einziges Mal schaute eine Frau vorbei. Sie möchte die an Depression erkrankten Menschen ermutigen, in die Selbsthilfegruppe zu kommen. Das Angebot zu nutzen. „In der Gruppe lernt man, dass man mit seinem Problem nicht alleine ist.“ Kommunikation sei dabei ein wichtiger Bestandteil, aus dem tiefen Loch wieder rauszukommen. „Man muss sich nur trauen, über die Schwelle zu gehen und darüber zu reden“, meint sie. Die Selbsthilfegruppe „Depression“ findet jeden zweiten Montag von 13 bis 17 Uhr in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität Bismark statt. Das nächste Treffen ist am Montag, 26. Februar. Interessenten können sich direkt bei Kathrin Oesemann unter Telefon (0179) 44 76 85 0 melden oder bei Bärbel Riep vom Paritätischen in Stendal unter der Nummer (0151) 16 26 67 44. Kathrin Oesemann freut sich auf eine rege Teilnehmerzahl.

Von Marilena Berlan

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