1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Bismark

Schönfelder Züchter sieht Bundesland unvorbereitet auf Seuche

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Mutterschwein mit Ferkeln in der Anlage.
Was die Hygieneregeln angeht, sieht Hubertus von Rundstedt seine Schweine in der Schönfelder Anlage gut gesattelt. Dennoch lastet die hoch ansteckende Afrikanische Schweinepest auch ohne Fall im Land auf dem Betrieb. © Lisa Maria Krause

Bezogen auf die Hygieneregeln sieht sich Hubertus von Rundstedt gut gegen die Afrikanische Schweinepest gewappnet. Dennoch beobachtet er die aktuellen Entwicklungen und die vorbeugenden Maßnahmen im Landkreis sowie dem ganzen Land Sachsen-Anhalt mit Sorge.

Schönfeld - Denn sein Schweinezuchtbetrieb in Schönfeld ist auch jetzt schon indirekt von der hoch ansteckenden Seuche betroffen.

„Wir machen uns alle große Sorgen“, erklärt von Rundstedt der AZ, „Wir sind dann ohnmächtig, wenn so was an der Stallanlagentür rüttelt, dieses Virus.“ Derzeit halte der hohe Wasserstand infizierte Wildschweine noch in „Ostelbien, aber man weiß nicht, wann sie durchschwimmen“. Noch gibt es keine bestätigten Fälle im Bundesland, aber das ist nach seiner Meinung nur eine Frage der Zeit. Ende November war im Nachbarlandkreis Ludwigslust-Parchim ein totes Wildschwein mit dem Virus gefunden worden. Anfang Januar kamen zwei Weitere hinzu.

„Die Ämter hier haben keine Erfahrung mit dieser Pest“, kritisiert von Rundstedt. Im Landkreis wurden Schweinehalter auf bestimmte Hygieneregeln hingewiesen. Außerdem wurden die Jäger angewiesen, Proben von erlegten Wildschweinen einzuschicken und tot aufgefundene Tiere zu melden. „Alleine schaffen wir es nicht“, bescheinigt aber von Rundstedt, der selbst Jäger ist, dieser vorbeugenden Maßnahme.

Er selbst sieht nur wenig Möglichkeiten, die Schweinepest aufzuhalten. Um flächendeckend die Suche nach infizierten Kadavern zu organisieren, müssten seiner Meinung nach große Jagden veranstaltet werden. Vor allem sieht von Rundstedt aber den Staat am Zug. Nur der Bundeswehr sei es möglich, so großflächige Aktionen durchzuführen und alle Wildschweine in einem infizierten Gebiet zu erlegen.

Großübung im Harz wegen Afrikanischer Schweinepest
Dass Jäger den infizierten Tieren nachstellen sollen, sieht der Züchter als zu viel Arbeit für sie allein. © Matthias Bein

Zugleich kritisiert er, wie auch schon der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die geplante Umzäunung des Truppenübungsplatzes Altmark, der auf dem Schutzgebiet der Colbitz-Letzlinger Heide liegt. “Andere Tiere leiden durch den Zaun.“ Auch habe Sachsen-Anhalt kaum Wildzäune im Vergleich zu anderen Bundesländern, wo mehrere hundert Kilometer Zäune verbaut würden. Eine Möglichkeit sieht er noch in Schutzkorridoren, die frei von Wildschweinen gehalten werden müssten.

Von Rundstedt selbst ist bereits indirekt von der seit 2020 auch in Deutschland nachgewiesenen Seuche betroffen. Mehrere ostasiatische Länder importieren Schweinefleisch inzwischen nur noch aus Gebieten, in denen es bisher keine Fälle gab. Er müsse nun bei jeder Lieferung erklären, dass seine Ware aus einem seuchenfreien Gebiet stamme, berichtet der Schönfelder und bezeichnet dies als Unding. Erst kürzlich sei kein amtlicher Tierarzt erreichbar gewesen, der im Namen des Landkreises eine Bescheinigung ausstellen könnte. Der Fahrer des Lkw wollte aber nicht ohne losfahren und so verspätete sich die Lieferung.

Der Markt für Bio-Fleisch wie das seine sei derzeit noch stabil, aber der Export von konventionellem Fleisch sei eingebrochen, berichtet von Rundstedt. Neben den Beschränkungen im Ausland führen auch Corona-Fälle in deutschen Schlachtereien zu einem Rückstau in den Anlagen der Züchter.

Beide Viren führten zum Stillstand eines Projekts, das von Rundstedt persönlich am Herzen liegt: Die Führungen von Schulklassen über seine Anlage in Schönfeld, zusammen mit der Naturlehre, dürfen derzeit nicht stattfinden. Die Versicherung habe ihm mitgeteilt, dass der Schutz erlöschen würde, sollte von Rundstedt Gruppen auf das Gelände lassen. Denn die Schweinepest ist für die Tiere hoch ansteckend und kann auch über Essensreste oder Kleidung übertragen werden. Deshalb appelliert der Schweinezüchter auch an die Allgemeinheit, keine Essensreste in die Natur zu werfen.

Auch interessant

Kommentare