Schloss Schönfeld für 850 000 Euro zu haben – bis zum Verkauf ein Swingerclub

„Nach Euren Gelüsten ...“

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Auf dem Schönfelder Schloss herrscht wieder Betrieb. Nachdem der FKK- und Saunaclub „Madame Pompadour“ im Herbst vergangenen Jahres schließen musste, war das Schicksal lange Ungewiss. Nun scheint ein Swingerclub in das Schloss einzuziehen.

Steinfeld. Noch ist von Zukunft nichts zu sehen. Ruhig ist es um Schloss Schönfeld, der Park liegt still im Winterschlaf. Doch das Tor zum Park steht offen, durch ein vergittertes Fenster schimmert Licht, und im Inneren des Gebäudes ist geheizt.

Carsten Janssen sieht nach dem Rechten. Und das nicht ohne Grund.

Ein Jahr lang war Janssen Geschäftsführer des Bordells, das sich in dem neobarocken Gebäude aus dem 18. Jahrhundert etablieren sollte (die AZ berichtete). Doch der Plan ging nicht auf, der FKK- und Saunaclub „Madame Pompadour“ musste im Herbst vergangenen Jahres wieder schließen. Das Schicksal des historischen Gebäudes, das schon seit geraumer Zeit wieder zum Verkauf gestanden hatte, war ungewiss.

Entsprechend mager sind die Angaben auf der Homepage von „Madame Pompadour“, die sich noch immer im Netz befindet. Keine Informationen mehr zu Jobs, Events oder gar zu den Damen. Aber ganz oben am Rand steht: „Wir werden bald zu neuen privaten Swinger-Treffen und ganz diskret im Schloss einladen. Immer in geschlossener Gesellschaft.“

Ansicht durch das Einfahrtstor auf die zu Schloss Steinfeld gehörende Parkanlage.

Ein Swingerclub also? Carsten Janssen hält sich bedeckt. „Wir vermieten das Schloss ab und zu für Events“, teilt er auf Anfrage der Altmark-Zeitung mit. Welche Events denn nun vorgesehen sind, will er nicht näher erläutern. „Mal für dies und mal für das. Was dabei raus kommt, kann ich noch nicht sagen.“ Wichtig sei, wieder eine Nutzungsmöglichkeit für das Schloss zu finden, das sich im Besitz seiner Frau befinde. Zu diesem Zweck sei er „ständig auf der Suche“. Was aber nicht bedeute, dass kein Interesse mehr bestehe, die Immobilie los zu werden: „Verkauft wird es trotzdem. Es gibt diverse Interessenten.“

Tatsächlich ist Schloss Schönfeld nicht nur nach wie vor auf der Website des ehemaligen Besitzers Hermann Röpkes zu finden, sondern auch auf „schloss-burg-verkauf.de“, der Homepage des nach Auskunft Janssens offiziell beauftragten bayerischen Maklers „Vermittlung historischer Immobilien OHG“ mit Sitz in Bruckmühl. Dort steht: „Wir verkaufen eine sanierte neobarocke Schlossanlage mit 88.000 m² großem Park zu einem äußerst attraktiven Preis! Das herrschaftliche Anwesen wurde um 2012 aufwändig saniert und modernisiert.“ Angebotspreis: 850 000 Euro.

Doch bis sich wirklich ein solventer Käufer findet, agiert die Agentur „Sinfulandsaintly-Events“ aus Bergisch-Gladbach, auf die Janssen bereits im Gespräch mit der Altmark-Zeitung verwiesen hat, in Schloss Schönfeld. Auf ihrer Website versprechen die Verantwortlichen „das erotische Partykonzept in NRW und in ausgesuchten Locations in ganz Deutschland“. Und zu diesen Locations gehört wohl auch Schloss Schönfeld in Kürze: Mit blumigen Worten wirbt die Agentur im Netz für die Eröffnungsparty am 22. Februar: „Hier findet Ihr je nach Euren Gelüsten das, was Ihr für Eure Lust sucht.“

Der Veranstalter lockt unter anderem mit „drei Top-DJs“, die auf dem Dancefloor mit „House, Electro, Charts & Beats“ für Partystimmung sorgen sollen. Zudem mit zehn verschiedenen Spielzimmern, Chillflächen, Saunen, diversen Live-Darbietungen und einer „Shopping-Meile“, wo sich der Eine oder Andere auch noch das passende Party-Outfit besorgen mag. Denn es gibt einen strengen Dress-Code, und der muss laut Website „sexy, stilvoll, elegant, erotisch“ sein. Wer den nicht einhalte, werde nicht eingelassen, teilt Frank Schunk mit. Geschäftsführer von „Sinfulandsaintly-Events“, im Gespräch mit der Altmark-Zeitung mit.

Schloss Schönfeld solle „über kurz oder lang eine Event-Location werden“, so Schunk weiter. „Wir sind noch lange nicht am Ende der Fahnenstage angelangt.“ Geplant seien „stilvolle Events“, die „eine gewisse Klientel“ ansprechen sollten. „Die Hoteliers in Stendal und Tangermünde freuen sich gerade“, ist der Geschäftsführer mit Blick auf die Eröffnungsparty überzeugt.

Zu dieser werden wohl zahlreiche Gäste erwartet. Und die Behörden haben ein erstes Auge auf das Geschehen. Otto Meier, zuständiger Sachbearbeiter beim Ordnungsamt der Stadt Bismark, hat nach eigenen Angaben schon erste Hinweise erhalten, die er aber, so sagt er im Gespräch mit der Altmark-Zeitung, nicht im vollen Umfang glaube: „Was da so kursiert mit 700 geladenen Gästen – das wär ja so gar nicht machbar.“

Ansonsten sieht er das Ganze eher gelassen. Die Frage einer Konzession beispielsweise werde für das Ordnungsamt erst mit offizieller Aufnahme eines Hotel- oder Gastronomiebetriebs relevant. Und dies sei nach bisherigem Kenntnisstand noch nicht der Fall.

Von Petra Braig

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