„Im 100-Jahres-Zeitraum denken“

Klimawandel wirft rotes Licht auf Zukunft des Bismarker Forstes

Beschädigte Ahornbäume in einem privaten Waldstück bei Kläden.
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Diesen Ahornbäumen bei Kläden haben die Trockenheit und die Rußrindenkrankheit stark zugesetzt. Der Klimawandel wird das Waldsterben verschlimmern.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Der aktuelle schlechte Zustand des Bismarker Forstes resultiert, wie berichtet, aus einigen Stürmen und dem generell veränderten Wetter der vergangenen Jahre. Aber der Blick in die Zukunft sieht für den Wald nicht besser aus, findet Katja Döge, Leiterin des Forstamtes Nordöstliche Altmark. Besonders im Hinblick auf den Klimawandel.

Bismark - „Der Klimawandel schlägt voll durch in Sachsen-Anhalt. Wir sind das am meisten betroffene Bundesland“, sagt Döge beim AZ-Gespräch in Kläden und nennt als Beispiel den zunehmend austrocknenden Harz. 2020 habe es 560 Liter Jahresniederschlag gegeben. Trotzdem sei der Grundwasserspiegel nicht gestiegen, wie Ralf-Egbert Bauditz von der Forstbetriebsgemeinschaft Bismark-Kläden berichtet. Dabei war der Niederschlag deutlich höher als zuvor – beispielsweise 372 Liter in 2018. Aber ausgetrocknete Böden und Pflanzen saugten alles auf, für das Grundwasser bleibe nichts übrig, um aufzustocken.

Angesprochen auf das neu erschienene Buch „Deutschland 2050“ von Toralf Staud und Nick Reimer, die für die Altmark eine Steppenlandschaft vorhersagen (AZ berichtete), sagt Döge: „Es gibt keinen Zweifler mehr an der klimatischen Entwicklung. Es hat sich extrem beschleunigt über die letzten Jahre.“ Wenn wir als Menschheit das Zwei-Grad-Ziel nicht schaffen, sei es vorbei. Allerdings will die Forstamtsleiterin auch kein Horrorszenario an die Wand malen, denn die Forstwirtschaft ergreift längst Maßnahmen, um sich an die neuen Begebenheiten anzupassen.

Dabei halten sich die Experten, die Waldbesitzer beraten, an die Standortwasserbilanz des Landes, in der die zu erwartenden Wassermengen der kommenden Jahre berechnet und daran angepasste Empfehlungen ausgesprochen werden. „Das ist eine pessimistische Prognose. Dabei wird das schlechteste Szenario anvisiert für 2070“, erläutert die Forstamtsleiterin die Bilanz genauer. „Zur Risikoverteilung nutzen wir die Baumwahl.“

Die Forstexperten Ralf-Egbert Bauditz, Ingo Matthias und Katja Döge versuchen, mit einer anderen Baumwahl gegenzusteuern.

Die Kiefer sei beispielsweise sehr trockenresistent. „Wir müssen im 100-Jahres-Zeitraum denken, wenn wir die Besitzer beraten.“ Der Wald alleine werde es nicht schaffen, sich anzupassen. Es sei nicht so, dass einheimische Baumarten keine Rolle mehr spielen würden bei der Aufforstung, aber die Fichte beispielsweise habe keine gute Prognose und werde vermutlich verschwinden.

„Die Linde und die Eiche sind weiter als geeignet ausgewiesen, aber es gibt auch Empfehlungen für neue Arten.“ Da müsse sich auch jeder Waldbesitzer selbst ausprobieren. Nur etwa ein Prozent würde laut Stendaler Revierförster Ingo Matthias gegen die Empfehlungen gehen und sein eigenes Ding durchziehen.

„Jede kleine Waldfläche wird verschwinden in den nächsten Jahren“, prognostiziert Bauditz bei steigenden Temperaturen und Extremwetter. Sein eigener Buchenbestand von einem Hektar, der etwa 90 Jahre alt war, sei inzwischen kaputt. Schon vor 20 Jahren hätte etwas passieren müssen. Matthias stimmt ihm bedingt zu: „Langfristig wird es so kommen, wenn sich nichts ändert.“

„Es ist auch der Charme unserer Landschaft, die kleinen Waldflächen“, findet Döge, „Aber sie sind extremen Temperaturen ausgesetzt. Da wird die Wiederbegrünung schwieriger.“ Gegen den Klimawandel helfe laut Bauditz nur das Pflanzen von Bäumen. Auch eine verstärkte Verwendung des Holzes beispielsweise im Bau, statt es zu verbrennen würde helfen, finden die Experten.

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