Stadtchefin erhält Negativpreis eines Bahnverbandes direkt in Bismark

Schienenfrosch hüpft nicht vorbei

Schienen fehlen: So hat es noch das Frühjahr über nahe dem Kolk ausgesehen. Inzwischen sind weitere Teile der früheren Kleinbahnlinie demontiert worden.
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Schienen fehlen: So hat es noch das Frühjahr über nahe dem Kolk ausgesehen. Inzwischen sind weitere Teile der früheren Kleinbahnlinie demontiert worden.

Bismark – Der „Rostige Schienenfrosch“ des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV) gelangt nicht wie geplant zu Annegret Schwarz, springt aber auch nicht an ihr vorbei. Nachdem eine größere Veranstaltung wegen Corona bereits auf den 13. November in Thüringen verschoben worden war, ist sie nun gänzlich gestrichen.

„Wir schicken ihn aber auch nicht per Post“, kündigt Gerhard J. Curth, Präsident des DBV mit Hauptsitz in Berlin, schon einmal gegenüber der AZ an.

Am Sonnabend tage der Bundesvorstand und entscheide sehr wahrscheinlich, auf welchem Wege alle Preise an den Mann und die Frau gebracht würden. Im Fall der Bismarker Bürgermeisterin könnte der Landesbeauftragte oder auch ein Regionalbeauftragter den Preis übergeben und das vielleicht sogar im Rathaus.

Auszeichnungen verteilt der DBV einige, den Umweltpreis beispielsweise, auch den Bürger- und Vereinspreis, nicht zwingend jedes Jahr, aber doch regelmäßig. Den Rostigen Schienenfrosch will der Verband nicht als Lob verstanden wissen, der Name lässt anderes auch nicht unbedingt erwarten. Er soll ein „Negativpreis“ sein, ein Tadel, und für öffentliche Diskussion sorgen. Dieser Preis wird im Verständnis des DBV für Bahn-unfreundliches Handeln verliehen. Zur Erinnerung: Im März hatte das Vergabekomitee getagt und die altmärkische Verwaltungschefin und Kommunalpolitikerin auserkoren. Ausgewählt wurde die CDU-Frau, weil sie sich gegen eine Wiederbelebung der vor gut zwei Jahrzehnten stillgelegten Kleinbahnlinie Hohenwulsch – Kalbe (Milde) ausgesprochen hat und spricht.

Auf einem Teil des Bahndamms sind die Schienen längst demontiert. Zwischen Bismark und Hohenwulsch hat die Stadt einen Radweg schaffen lassen. Das Land wirbt sogar mit dem Projekt für sich und mögliche Förderinstrumente. „Ich glaube nicht, dass wir hier eine falsche Entscheidung getroffen haben“, bekräftigt Schwarz in dieser Woche gegenüber der AZ. Ganz offensichtlich wartet die Bürgermeisterin auf ein Zeichen des DBV, diese Zeitung hilft weiter. Bis Ende Juli sollte eigentlich eine Anfrage vorliegen. „Sofern ich den Preis doch erhalten sollte, dann nehme ich diesen auch an. Sofern Preise für bestimmte Aktionen oder Geschehnisse vergeben werden, sollten diese auch angenommen werden. Auch ein Negativpreis muss man sich verdienen. Ich stehe zu meinen Entscheidungen und denen des Stadtrates.“

Anfang März hatte Christdemokratin Schwarz noch deutlichere Worte gefunden. „Wir verschwenden kein Steuergeld und sind durchaus in der Lage, die Situation der Schiene richtig einzuschätzen.“ Geld der öffentlichen Hand ausgerechnet in diese längst ausgemusterte Strecke zu stecken, sei aus ihrer Sicht falsch. Der DBV, ein eingetragener Verein, sieht das naturgemäß anders. Auch wolle er als Interessenverband Einfluss auf die Verkehrspolitik nehmen, auf die kleine wie die große. „Überall in Deutschland werden Strecken gerettet. Die Bismarker Strecke war noch zu retten. Die Bürgermeisterin hat dafür gesorgt, dass diese den Bach runtergeht“, zeigt sich DBV-Chef Curth im AZ-Gespräch nach wie vor überzeugt. „Die Strecke hätte das Potenzial für mehr gehabt.“ VON MARCO HERTZFELD 

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