Kritik bleibt: Land lasch

Kampf gegen Giftraupe: Stadt Bismark gewinnt Schlacht

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Der Eichenprozessionsspinner ist im Land weit verbreitet. Die Raupe mit dem Gifthaaren wird unterschiedlich bekämpft, oft mit Chemie und mechanisch mit Sauggeräten. Hier streift ein Baumpfleger ein Nest in die Tüte.

Bismark – „Wir müssen im Mai genau den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. “ Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners scheint erfolgreicher als in den Jahren zuvor.

Jedenfalls deuten erste Meldungen aus dem Ordnungsamt darauf hin, genaue Zahlen hat Bürgermeisterin Annegret Schwarz noch nicht. Das heißt: Befallene Bäume sind weniger gezeichnet oder den Nachtfalter ganz los. „Das Problem ist damit aber nicht vom Tisch, es gibt auch neu betroffene Exemplare. “ Martialisch ausgedrückt: Die Einheitsgemeinde hat eine Schlacht gewonnen, den Krieg noch nicht. „Es bleibt dabei: Wir müssen flächendeckend ansetzen. “.

Ab Mai ist eine neue Generation Raupen geschlüpft. Landkreis und Einheitsgemeinde zogen gemeinsam ins Feld, mit Chemie vom Boden und aus der Luft. Einige Tausend Eichen stehen über die Kommune verteilt. Wie viele davon vom EPS, wie der Schmetterling auch kurz genannt wird, befallen sind, lasse sich nicht mit letzter Gewissheit sagen. Eine mechanische Bekämpfung folgte. In der vergangenen Woche wurden Raupen, Nester und Brandhaare an fünf Eichen am Berkauer Sportplatz abgesaugt. Weitere gut 40 Bäume an mehreren Stellen im Gemeindegebiet waren auch noch auf der Liste verzeichnet.

Betroffene Bäume habe das Ordnungsamt regelrecht überwacht, berichtet Schwarz der AZ. Um die Ausbreitung des EPS möglichst genau erfassen zu können, sei die Stadt auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Neu befallene Bestände sollten auch weiterhin unbedingt gemeldet werden. Das Gift der feinen Raupenhaare kann Reizungen auf der Haut und in den Augen auslösen, auch noch Monate später. „Es geht um die Gesundheit aller, ja um Gefahrenabwehr, das geht uns alle an“, will die CDU-Frau nicht das erste Mal deutlich machen. Schwarz gilt als eine der größten Kritiker der Landesregierung in dieser Sache.

Solange das Land keine flächendeckende Bekämpfung anordne, sei alles mehr oder weniger verbranntes Geld. „An einer Stelle geht es den Raupen an den Kragen und gleich daneben blühen sie auf und breiten sich aus. Das ergibt keinen Sinn.“ Gerade Privatleuten sei das nicht verständlich zu machen. „Einige Landwirte engagieren sich und geben Tausende Euro aus und der Nachbar hält sich raus und lässt der Raupe ihren Lauf“, sagt die Bürgermeisterin und ärgert sich über Magdeburg. Eine detaillierte Bilanz über die Saison soll vielleicht schon in den nächsten Wochen gezogen werden können.

Letztendlich hänge viel am Geld. Die Kommune hat im vergangenen Jahr 25 000 Euro ausgegeben. 2019 sollen es gut 50  000 Euro werden, weil sich das Land ein Stück weit mehr kümmere. Die Meldung vom Anfang des Jahres, dass der Nachbar Seehausen finanzielle Mittel für die Bekämpfung des EPS abgerufen und genutzt habe, andere aber nicht, hatte Schwarz bitter aufgestoßen. Die Bedingungen im Vorfeld habe schlichtweg nicht jede Kommune erfüllen können. So hätte Bismark nach ab Juni 2018 erst einmal 43  000 Euro ausgeben müssen. Erst dann wäre eine Zuweisung von 90 Prozent möglich gewesen.

Bismark will von Zuschüssen profitieren und selbst Geld ausgeben. „Doch noch einmal: Es löst das Problem nicht, solange nur punktuell und nicht flächendeckend vorgegangen wird“, dämpft die Altmärkerin die Erwartungen. Bürgermeister wie sie fühlten sich vom Land noch immer allein gelassen und machtlos. Ihr Seehäuser Amtskollege Rüdiger Kloth (ebenfalls CDU) hatte sich sogar selbst angezeigt. Das sorgte deutschlandweit für Aufmerksamkeit. Anlass waren heftige Allergiereaktionen bei einem achtjährigen Mädchen auf das EPS-Gift. In der Sache allen entscheidend geholfen, habe auch die Selbstanzeige bislang nicht.

Der EPS galt Anfang der 1990er-Jahre noch als Seltenheit in Europa. Vermutlich begünstigt durch den Klimawandel, breitet er sich aus. In Deutschland sind wegen der Massenvermehrung inzwischen alle Bundesländer betroffen, davon mit am stärksten Sachsen-Anhalt. Besiedelt werden insbesondere eichenreiche Wälder, aber in manchen Gegenden vor allem auch einzelne Bäume an Straßenrändern, in Parks und mitten in Orten. Wie der Name schon vermuten lässt, finden sich die Raupen vornehmlich an der Eiche, aber auch an anderen Bäumen wie der Hainbuche. Sie leben gesellig und gehen in Gruppen im Gänsemarsch auf Nahrungssuche, daher die Bezeichnung Prozessionsspinner. In der Einheitsgemeinde Bismark waren bislang nicht zuletzt Garlipp, Kremkau, Querstedt und Steinfeld im besonderen Maße betroffen.

VON MARCO HERTZFELD  

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