Stadt geht steinigen Weg allein

Raum Bismark kein Teil einer geplanten Megalith-Route Altmark

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Das Hünengrab in Steinfeld ist eines von insgesamt fünf registrierten Anlagen in der Einheitsgemeinde. 

Bismark – „Wir machen es in Klein und bescheidener. “ Bismarks Bürgermeisterin Annegret Schwarz will die fünf Großsteingräber der Einheitsgemeinde stärker in Szene gesetzt sehen und dennoch werden diese nicht Teil der geplanten Megalith-Route Altmark sein.

Annegret Schwarz (CDU), Bürgermeisterin in Bismark

Für die CDU-Frau kein Widerspruch. „Alle Wege führen nach Rom. “ Ihre Kommune habe anfangs in einer Arbeitsgruppe mit am Tisch gesessen. „Wir haben schon einiges über ehrenamtliche Arbeit erreicht und allzu wissenschaftlich muss es auch nicht werden, um Menschen für dieses gemeinsame Erbe zu begeistern“, ist sie im Gespräch mit der AZ überzeugt.

Der Nachbarlandkreis Salzwedel will momentan 13 Megalithanlagen zu einer Route verbinden, 43 soll es dort insgesamt geben. Kulturstaatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) hat sich kürzlich über das Vorhaben informiert. Die Westaltmärker hoffen auf Rückenwind. In einer Mitteilung aus dem Büro von Landrat Michael Ziche (ebenfalls CDU) ist die Rede von ausgewählten Großsteingräbern in Diesdorf, Molmke, Drebenstedt, Bornsen, Lüdelsen, Stöckheim und Mehmke, touristischem Erlebnis der Zukunft und regionaler Wertschöpfung. Die Antennen seien in Richtung Archäologie gestellt.

Großsteingräber, auch Hünengräber genannt, sind vorwiegend in den nördlichen Breiten Europas zu finden und vor circa 5000 Jahre entstanden. In der Einheitsgemeinde Bismark sind fünf Anlagen registriert, in Steinfeld, Kläden, Grassau, Bülitz und Beesewege. Eine Arbeitsgruppe „Hünengräber“ wirke bereits seit Jahren und wolle sich Anfang September erneut treffen, weiß Bürgermeisterin Schwarz. Wie bereits vor Kurzem berichtet, soll die Beschilderung verbessert und ausgebaut werden. Der Förderverein des Landesmuseums für Frühgeschichte fördert das Projekt mit 1250 Euro. Die Route richtet sich nicht zuletzt an Radfahrer.

„Wir nehmen das Erbe unserer Vorfahren an und wollen damit etwas bewegen“, beteuert die Christdemokratin. Neue Texte und Abbildungen zu den fünf Anlagen sollen möglichst viele Menschen ansprechen. Bei dem Treffen im nächsten Monat sollen auch die Ortsbürgermeister anwesend sein. Im Herbst könnten die Gräber ein weiteres Mal gesäubert und die Standorte der Tafeln bestimmt werden. Darüber hinaus soll es ein druckfrisches Faltblatt „Hünengrabtour“ geben. Inwieweit bürgerschaftliches und kommunales Engagement sich damit erst einmal am Ziel fühlen, muss sich zeigen.

Der Altmarkkreis Salzwedel will mehr Gäste in die Region ziehen, der Landkreis Stendal dürfte dasselbe Ziel haben. „Die geplante Erschließung und Vermarktung der Großsteingrabanlagen wird dem Tourismus in der Altmark neue Impulse geben“, lässt sich Staatssekretär Schellenberger zitieren. Die Salzwedeler sind stark daran interessiert, dass die Landesroute zum Thema Archäologie in den kommenden Jahren in den Norden Sachsen-Anhalts ausgeweitet wird. Salzwedels Landrat Ziche: „Wir hoffen, dass das Land ein starker Partner des Vorhabens wird.“ Steingrabprojekt-Initiatorin in der Westaltmark ist Amanda Hasenfusz.

Der Nachbarlandkreis möchte zudem Teil des europäischen Netzwerkes rund um das Kulturbündel „Megalithic Routes“ werden. Dazu müssten die Salzwedeler weiter ihre Hausaufgaben erledigen. Nicht zuletzt sei ein Beschluss des Kreistages dafür notwendig. „Eine Mitgliedschaft in diesem Netzwerk würde bei der europäischen Vermarktung helfen, einen größeren Spielraum bei der Einwerbung von Fördermitteln für den Betrieb der Route nach der Aufbauphase zulassen und auch den Europagedanken stärken“, heißt es in dem Schreiben aus Salzwedel weiter. Die Westaltmärker sehen sich auf dem richtigen Weg.

Schon die altmärkischen Gelehrten Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768) und Johann Friedrich Danneil (1783 – 1868) sollen Bewunderer der megalithischen Großbauten der Region gewesen sein. Hünengräber und deren Vermarktung schaffen es immer wieder einmal auf die Agenda. Auch Verena Schlüsselburg (CDU), Schwarz’ Vorgängerin im Rathaus, und die Leader-Gruppe sahen darin Potenzial. Wie umfassend eine Megalith-Route durch das nördliche Sachsen-Anhalt und damit durch Altmark und Börde sein kann, scheint noch nicht abschließend entschieden. Ein Megalith ist ein großer, meist unbehauener Steinblock, der als Bauteil für Grab- oder auch Kulturanlagen verwendet wird.

VON MARCO HERTZFELD

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