Radweg zum Nachbarn kein Sprint

Ex-Bahnlinie im Fokus: Bismark sucht für Projekt mit Kalbe den Fördertopf

Schienen, Schwellen und Halterungen werden vor dem Freibad Kolk nach und nach abgetragen. Auf der Trasse soll ein Radweg von Bismark nach Kalbe führen. 
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Schienen, Schwellen und Halterungen werden vor dem Freibad Kolk nach und nach abgetragen. Auf der Trasse soll ein Radweg von Bismark nach Kalbe führen.

Bismark – Der politische Beschluss, die nötigen Flächen der alten Bahnlinie zu kaufen, sei längst gefasst. Am Entwurf des Notarvertrages werde gearbeitet. Und doch braucht der geplante Fahrradweg zwischen Bismark und Kalbe offenbar einfach noch Zeit.

„Das wird kein Sprint, eher eine lange oder zumindest nicht ganz kurze Strecke“, will Bürgermeisterin Annegret Schwarz ihre Vorstellungen in Bilder packen. „Wenn die grundsätzlichen Dinge erledigt sind, müssen wir natürlich gemeinsam ein richtig gutes Förderprogramm finden. “ Dass dies gelingt, davon ist die CDU-Frau im Gespräch mit der AZ fest überzeugt.

Ohne Fördermittel geht in der Republik oftmals wenig bis nichts. Bereits gelungen ist ein verwandtes Projekt in die andere Richtung. Der lang ersehnte Radweg zwischen Bismark und Hohenwulsch ist im November freigegeben worden. Pedaltreter bewegen sich dort zum großen Teil auf der früheren Kleinbahnstrecke. Mehr als 800 000 Euro flossen in die gut zwei Kilometer lange Piste zwischen Kernstadt und Ortschaft, der Löwenanteil der Summe kam aus einem Förderprogramm. Ein gemeinsames Projekt mit der Stadt Kalbe dürfte eine deutliche Nummer größer werden. Eine Summe will Schwarz noch nicht nennen.

„Bismark und Kalbe sind Nachbarn und sich recht ähnlich“, findet die Mittfünfzigerin, die in Vielbaum lebt, seit fast zehn Jahren in Bismark arbeitet und im Oktober 2016 zur Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde gewählt wurde. Der Radweg wird über die Grenze zwischen den beiden altmärkischen Landkreisen führen und nicht nur über die der beiden Stadtnachbarn. Überhaupt möchte Schwarz über den eigenen Tellerrand blicken, an das große Ganze denken, den Tourismus spürbar voranbringen. „Und natürlich: In Kalbe gibt es allein schon die große Rehaklinik, so mancher könnte von dort mit dem Rad auch bei uns vorbeischauen.“

Die Bahnlinie ist an etlichen Stellen noch gut erhalten und zu sehen, entlang des Freibades Kolk beispielsweise. Ein auf die Aufbereitung ausrangierter Bahnanlagen spezialisiertes Unternehmen hatte die Trasse einst gekauft, nach und nach verschwinden wie zwischen Bismark und Hohenwulsch nun weitere Schienen und Schwellen in Richtung Kalbe. Wann die ehemalige Transportlinie endgültig Geschichte sein wird, kann Bismarks Bürgermeisterin noch nicht sagen. „Es geht voran, das weiß ich. Aber wie gesagt, andere und uns jagt ja niemand und nichts. Für das Projekt braucht es einen langen Atem.“

Von einem „zukünftigen Aushängeschild“ spricht die Christdemokratin aber schon einmal gern. Ein solcher kompakter Radweg diene natürlich zuallererst den Bürgern beider Städte. „Doch ja und noch einmal, dieses Projekt ist ein wichtiger Baustein zur touristischen Entwicklung in der Gegend.“ Fahrradtourismus sei das Feld, auf dem die gesamte Altmark zukünftig noch viel mehr punkten könne. Elberadweg, Altmarkrundkurs, Milde-Biese-Tour ... „Das Radwegenetz kann gar nicht genug ausgebaut und gefördert sein“, ist Schwarz überzeugt. „Natürlich muss das auch alles mit Augenmaß geschehen.“

VON MARCO HERTZFELD  

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