Bundesprojekt könnte Baustein sein

Radau-Jugend: Bismark soll nicht in Scherben gehen

Eine zerbrochene Flasche liegt auf den Springbrunnen in Bismark.
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Eine kaputte Flasche auf dem Wasserspiel, das schon länger wegen ständiger Verschmutzung außer Betrieb ist. Wer die Scherben nahe der Mehrzweckhalle in Bismark verursacht hat, ist unbekannt.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Immer wieder einmal sorgt Bismarker Jugend bei Älteren für Ärger. Das Rathaus sucht den Schulterschluss mit der Polizei und will über ein Bundesprojekt die Generationen an einen Tisch holen.

Bismark – „Wir sollten es weiterhin erst gar nicht schönreden. Wir müssen dort ran, auch wenn es Kraft kostet.“ Nach ganz offensichtlich steigender Zerstörungswut und mehreren Fällen von Ruhestörungen durch junge Leute will Bismarks Bürgermeisterin Annegret Schwarz ab September „gezielt auf bestimmte Gruppen zugehen“. Zudem soll ein Projekt „Generationen im Gespräch“ bei der Bewältigung der Probleme helfen. Die Einheitsgemeinde sei eine von zehn ausgesuchten Kommunen in Deutschland. „Die Verantwortlichen wollten uns erst nicht, weil wir zu klein sind. Doch wir konnten sie davon überzeugen, dass dieser Ansatz auch bei uns einen Sinn ergibt.“ Ins Detail gehen will Schwarz noch nicht weiter, aber ja, es laufe letztendlich auf bestimmte Veranstaltungen hinaus.

Gezielte Gespräche ab September

Erst vor Kurzem hatte sie sich mit Polizei, Haupt- und Ordnungsamtsleiter Marco Henschel, Ortsbürgermeisterin Ruth Rothe (Linke) sowie Vertreter der Schulsozialarbeit und des Jugendfreizeitzentrums an einen Tisch gesetzt. Die Liste ist in Bismark immer länger geworden. Politik und Verwaltung ärgern sich über vermüllte Ecken, beschädigte Verkehrszeichen und umgestoßene Altkleidercontainer. Anwohner beschweren sich über Lärm, der bis in die Nacht anhält. Die Polizei registriert Schmierereien und meldet verfassungsfeindliche Symbole. Zu Himmelfahrt wurde eine Bushaltestelle regelrecht heimgesucht und verdreckt. Dass der Radau womöglich importiert ist, glaubt CDU-Frau Schwarz nicht. „Die Leute gehören zu uns, sie leben hier, zumindest zum großen Teil.“

Polizei und andere bereits im Boot

Die Rathauschefin will nicht die gesamte Jugend über einen Kamm scheren. „Natürlich nicht, das wäre auch falsch und völlig überzogen.“ Wahrscheinlich gehe es um mehrere Gruppen aus Jugendlichen und Heranwachsenden, die einfach regelmäßig aus dem Ruder laufen. Corona und all die Herausforderungen für Jung und Alt „haben die Situation sicherlich auch nicht einfacher gemacht“. Auch gebe es die Sorgen fast ausschließlich in der Kernstadt, in Bismark, in der größten der 20 Ortschaften. Und zur Wahrheit gehöre auch: „Momentan ist es ruhig, weitere Vorfälle sind mir nicht bekannt.“ Das möchte sie unterstrichen wissen. Dass damit Frieden und Ordnung auf Dauer einziehen, daran glaubt Schwarz aber auch nicht. „Wir müssen uns verlässliche Instrumente schaffen.“

Zerstörungen und Lärm sollen enden

Jüngst sei sie schon einmal selbst auf mehrere junge Erwachsene zugegangen. An einem Wochenende, später am Abend, sie habe noch einmal ins Rathaus gemusst. Vor der Mehrzweckhalle auf dem Parkplatz stand der Trupp mit Autos. „Diese jungen Leute haben beteuert, dass sie nicht für den Ärger oder auch nur Teile davon verantwortlich sind“, berichtet Schwarz im AZ-Gespräch. Ob das nun tatsächlich stimme oder nicht, beide Seiten seien erst einmal ins Gespräch gekommen, die eine habe von ihren Bedürfnissen nach Spaß und Abwechslung gesprochen, die andere vom Miteinander aller und den Erwartungen älterer Bürger. „Ob mir und uns dieses offensive Zugehen nun immer und bei jeder Gruppe gelingt, das weiß ich nicht“, ist die Kommunalpolitikerin ganz ehrlich.

Ähnlich hat sich auch schon Ortsbürgermeisterin Rothe immer wieder einmal geäußert. Es brauche eben schon ein gewisses Maß an Mut und natürlich den richtigen Ton, um den Weg zu finden. Und dann müssen auch die jungen Leute an diesem Tag noch bereit für einen Austausch sein. In der Vergangenheit ist das offenbar nicht immer gleich gut gelungen. Die Ortschefin, Anfang 70 und auch Vorsitzende des Heimatvereins, sieht Bismark noch einmal mit besonderen Augen. Illegale Müllentsorgung und Vandalismus in der Ortschaft sind ihr ein Dorn im Auge. Schon Hundehaufen ärgern sie. Sie prangert das Verhalten der Tierbesitzer öffentlich an und verweist auf spezielle Behälter in der Stadt. Wie Schwarz will auch sie nicht zuletzt Heimatpflege und Tourismus spürbar voranbringen.

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