Malermeister Schubert (72) plant weitere Ausstellungen

Picasso und die Gene: Künstlerische Ader pulsiert im Alter

Karl-Heinz Schubert sitzt in seinem Bismarker Atelier über einer seiner neueren Arbeiten. Das Bild mit dem Titel „Mann und Frau“ braucht noch ein wenig Zeit. Der 72-Jährige ist mit viel Leidenschaft bei der Sache.
+
Karl-Heinz Schubert sitzt in seinem Bismarker Atelier über einer seiner neueren Arbeiten. Das Bild mit dem Titel „Mann und Frau“ braucht noch ein wenig Zeit. Der 72-Jährige ist mit viel Leidenschaft bei der Sache.

Bismark – Karl-Heinz Schubert deutet auf eines seiner jüngsten Werke. Es heißt „Mann und Frau“. Auf einem Regal steht „Der Boxer“, einige Meter weiter auf dem Boden „Der Trinker“.

Eine ganze Parade an Bildern sammelt sich vor dem Atelier, das einst Teil einer Werkstatt des Malermeisters war.

Seiner Kreativität lässt der waschechte Bismarker seit einigen Jahren freien Lauf, er hat sich in der regionalen Kunstwelt einen Namen gemacht. Inwieweit der 72-Jährige die allgemeine Coronakrise stärker verarbeiten will, muss sich erst noch zeigen. Ausgewählte Werke hat er zu Pfingsten in Neulingen (Arendsee) präsentiert, eine weitere Ausstellung ist unter anderem für Stendal in der Kleinen Markthalle geplant.

„Die Gene stimmen und das Talent ist vorhanden“, meint der Altmärker spitzbübisch. Drei seiner Vorfahren hätten sich ebenfalls künstlerisch betätigt. Schon als junger Bursche habe er zu Pinsel und Bleistift gegriffen. Damals malte und zeichnete Schubert vornehmlich Landschaften. Mit dem beruflichen Ruhestand flammte die alte Leidenschaft neu auf. Eine erste größere Bilderschau fand vor vielleicht sieben oder acht Jahren in einem Wohnhaus bei Helmut Riesner statt. Damals schaute auch der Tangermünder Kunstmaler Georg Leonhardt vorbei. „Er wurde zu meinem Entdecker und Förderer.“ Schon fast automatisch zog es den Bismarker in die Künstlergruppe Leonhardt.

Nur eine kleine Auswahl weiterer Arbeiten. Für die nächste Zeit sind wieder Ausstellungen geplant, unter anderem in der Kreisstadt Stendal.

Schubert malt hauptsächlich in Öl und Aquarell. Einige seiner Werke scheinen in Motiv und Technik der Welt von Pablo Picasso entlehnt. „Herr Leonhardt hat mich einmal als einen deutschen Picasso bezeichnet“, erzählt der Senior. Er wisse das natürlich einzuordnen, sei nie abgehoben und dennoch habe ihn ein solches Lob schon gutgetan. „Inspirieren lasse ich mich von allem, was mich umgibt. Die Ideen kommen aus dem Fernsehen, der Zeitung, den Menschen, denen ich begegne.“ Schubert holt ein weiteres Werk hervor, ein Fantasie-Fisch tummelt sich in einem Meer aus Farben. Und aus einem anderen Bild linst der Teufel höchstselbst. „Die Welt ist, wie sie ist. Es gibt viele Facetten.“

Der Bismarker beherrscht sein Handwerk, im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Brötchen verdiente er die Jahrzehnte über mit klassischen Aufträgen. „Wände, Wohnungen, ganze Gebäude, die gesamte Palette mussten und durften wir bearbeiten.“ Der Malermeister formte insgesamt acht Lehrlinge und führte sie in den Beruf ein. Schubert selbst kam schon zu dieser Zeit mitunter seiner künstlerischen Ader nach. Ein Wandbild in der Gaststätte Tivoli etwa zeugte von der Bismarker Stadtgeschichte, irgendwann verschwand es. Zahlreiche Ausstellungen und gut 500 Bilder gehörten zu seiner „neuen künstlerischen Phase“, wie es Schubert im Gespräch mit der AZ ausdrückt. Für ihn scheint es längst mehr als ein Hobby.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare