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Pflegechef sieht Pflegebedürftige zunehmend im Gesundheitssystem vergessen

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Von: Lisa Maria Krause

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Eine Rentnerin im Rollstuhl pflückt Pflaumen.
Die Stendaler Tagespflegegäste machen regelmäßige Ausflüge zum Schloss Kläden, wo sie bei kleineren Tätigkeiten wie Pflaumenpflücken mit einbezogen werden. © Krause, Lisa Maria

„Das stößt mir zurzeit sehr sauer auf“, ärgert sich Sven Hain im Gespräch mit der AZ. Der Betreiber einer Tages- sowie ambulanten Pflege in Stendal und seit diesem Jahr Besitzer des Klädener Schlosses sieht die älteren Menschen im deutschen Gesundheitssystem immer mehr vergessen, besonders wenn es um das Geld geht.

Kläden - Für viele seiner Klienten stehe die Frage im Raum, was sie sich überhaupt noch leisten könnten. Die steigenden Preise lasten auch auf ihnen. „Es ist schwierig in der derzeitigen Situation.“ Bei einer geringen Rente kommen ältere Bürger in die Bredoullie, während Energiekosten und Lebensmittelpreise weiter steigen.

Pflegeplätze seien verhandelbar, aber „das nützt nichts ohne Geld“, betont Hain. Oft würden die Plätze nicht über das Gesundheitssystem bezahlt. Dabei ist genau der ältere Klient derjenige, der am hilfsbedürftigsten ist, will der Tagespflegechef nicht außer Acht lassen. Die Krankenkasse zahle je nach Pflegegrad nur die Hälfte für einen festen Platz.

Der Rest endet beim Klienten. Das sei immer ein Kreislauf, sagt Hain. Die Krankenkassen hätten das Geld, aber nicht jeder würde die höhere Einstufung des Pflegegrads erhalten, obwohl er sie benötigen würde. Auch da sieht Hain ein Versagen des Gesundheitssystems, gerade in Pandemie-Zeiten.

Hain: Ein Gutachten per Telefon ist schwierig

Denn die Begutachtungen per Telefon sind aus seiner Sicht nicht gut. So komme es beispielsweise vor, dass es einer Klientin im Kopf noch gut gehe, aber körperlich eben nicht. Das komme beim Telefongespräch nicht rüber. Dabei sieht er die Unterstützung von älteren Menschen mithilfe einer Tagespflege für so wichtig an.

Für Hain hilft seine Arbeit den Rentnern, sich zu ganz anderen Menschen zu entwickeln. Er nennt das auch „sie aus der Isolation holen“. Denn viele würden alleine vereinsamen und viele alltägliche Sachen verlernen. Es müsse ihnen wieder beigebracht werden, zu leben.

Umso wichtiger, die Klienten mit in den Alltag einzubeziehen, mit ihnen Ausflüge zu machen. So macht er monatlich Ausflüge mit seinen Stendaler Tagespflegegästen zum Schloss Kläden. Dort betreibt derzeit noch ein Verein eine eigene Tagespflege (AZ berichtete). Die Gäste erhalten dort über die örtliche Suppenmanufaktur eine Mahlzeit für einen Preis, der für jeden passt, wie Hain findet. Dazu kommen kleinere Tätigkeiten wie kürzlich das Pflücken von Pflaumen. Später sollen die Klienten auch in das Kochen und Backen einbezogen werden.

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