Wie der Klädener Köhnsee entstand und woher er seinen Namen bekam

Perle des Anglervereins Stendal

Fischsterben 2007: Jörg Schneider (v.l.), Hermann Lange, Marco Latus, Denny Richter, Jonas Dannenberg und Marco Dannenberg betrachten die vielen tote Bewohner des Sees. Eine Biogasanlage, die ihren Standort in der Nähe hat, konnte schnell als Verursacher ausfindig gemacht werden. Foto: privat

Kläden. Es ist keine Legende, sondern die wahre Geschichte, die sich um die Entstehung und Namensgebung des Köhn-Anglerteiches zugetragen hat.

Der Vereinsvorsitzende der Klädener Ortsgruppe (OG) im Stendaler Anglerverein, Norbert Schwellnus, hat von seinem Vorgänger Klaus Ruhmöller erfahren, wie die heutige Angleridylle am Ortsausgang von Kläden in Richtung Bismark entstanden ist, und heute den Namen „Köhnsee“ trägt.

In einer landschaftlich eingebetteten Senke in Richtung des Beesegrabens musste die damalige LPG vor etwa 40 Jahren Gemüse produzieren. Das Problem Bewässerung lösten die damals Verantwortlichen so, dass der Graben nach Ausbaggerung an besagter Senke angestaut wurde. Nach Ruhmöllers Erinnerung waren diese Arbeiten etwa 1967 erledigt. Und der damalige LPG-Vorsitzende Köhn kam in dieser Zeit zu besonderen Ehren, denn der angestaute See erhielt seinen Namen, somit wurde dem Landwirt ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Nach der vollständigen Ausbildung der Seefläche gründeten 1979 Petrijünger aus Kläden und der näheren Umgebung einen Anglerverein. Den ersten Vorsitz dieses Vereines übernahm Ernst Beindorf.

Das sich der Klädener Köhnsee seit Gründung des Anglervereines zu einem beliebten Angler-Eldorado entwickelt hat, bestätigten in der Folge zahlreiche Gäste aus Nah und Fern, darunter aktive Angler, Radfahrer und Wanderer. Sowohl der jetzige OG-Chef Schwellnus, als auch sein Vorgänger Ruhmöller, einschließlich der Mitglieder erhalten für ihr Engagement zur Erhaltung dieser Naturoase Lob und Anerkennung. Für Einfallsreichtum und Ideenfindung steht auch das Vereinsheim. Aus einem ehemaligen Hühnerstall wurde dort eine passable Unterkunft für die Angler geschaffen.

Im Einsatz für eine

Wetterschutzhütte

Es spricht für den ehemaligen Vorsitzenden der Klädener OG, dass er sich auch noch in seinem Ruhestand dafür eingesetzt hat, dass in der Eingangspassage zum Köhnsee eine Wetterschutzhütte an der Sitzecke aufgestellt wurde. Ruhmöller dachte dabei an die Wanderer und Radfahrer. Um von der Verwaltung Zusage und Unterstützung zu erhalten, hatte Ruhmöller, bekannt als dienstältester Weihnachtsmann Sachsen-Anhalts, seinen Auftritt als Rauschebart zum Klädener Adventsmarkt auch extra um ein Jahr verlängert.

Behindertengerechter

Anglersteg eingerichtet

Ein Anliegen des ehemaligen Ortsgruppenchefs Ruhmöller war auch die Einrichtung eines behindertengerechten Anglersteges in der Nähe des Anglerheimes. Der Garlipper hatte am Köhnsee Anglerfreunde im Rollstuhl angetroffen. Da kam ihm die Idee, dass dazu eine entsprechende Anlage geschaffen werden kann. Ähnliche Einrichtungen an anderen Gewässern wurden in Augenschein genommen. Bereits 2006 wurde beim Anglerverein in Stendal nachgefragt, und 2008 konnte dieses Projekt verwirklicht werden.

Ortsgruppenchef Schwellnus stellte dazu in Eigeninitiative einen fahrbaren Weg zum Steg her. So haben beide Anglerfreunde im Juli 2008 mit dazu beigetragen, dass ein weiteres Puzzlestück gemacht wurde, damit der Köhnsee Perle des Anglervereines bleiben kann. Einen interessanten „pflanzlichen Vergleich“ zog Ruhmöller schmunzelnd zur Vorstandsriege der OG. Im Eingangsbereich zum Köhnsee sind drei wild gewachsene Eichen. Ruhmöller dazu: „Auch die Natur verfolgt die Entwicklung des Anglerparadieses, denn mit den zwei bisherigen und dem jetzigen Ortsgruppenchef besteht symbolisch eine Übereinstimmung“. Eine vierte Eiche ist noch nicht nachgewachsen, ein Zeichen eventuell dafür, dass Schwellnus noch weitere Jahre regieren darf, kann und muß.

Rätselhaftes Fischsterben

im Köhnsee

Einen Schock gab es für die Mitglieder der OG Kläden im September 2007 mit einem rätselhaften Fischsterben. Schwellnus zu dem damaligen Ereignis: „Im Köhnsee, einem geschützten Biotop verendeten etwa 1500 Fische, darunter Zander, Hecht und Bleie. Damit wurde der gesamte Fischbestand erstickt und vernichtet. Ursache waren wahrscheinlich sauerstoffzehrende Stoffe“. Der Übeltäter wurde noch im gleichen Monat gefunden: eine Biogasanlage. Eine Entschädigung sorgte aber dafür, dass mit den entsprechenden finanziellen Mitteln eine Gesundung des Fischbestandes im Köhnsee erreicht werden konnte.

Der Elbebiber im und

am Köhnsee

Gedanken machen sich die Mitglieder der OG schon mit der neuesten Situation im und am Köhnsee. Die Anlage ist seit einigen Wochen Gastgeber des oder der Biber. Den Mitgliedern der OG Kläden ist bekannt, dass die Nahrungsmenge eines Bibers oft überschätzt wird. Gewässerwart Jörg Schneider sieht es deshalb gegenwärtig noch gelassen. Schließlich steht aber nach seiner Meinung die OG Kläden des Anglervereines Stendal in der Pflicht, ist doch das Anglerparadies nicht nur für den Angelsport da, sondern die Mitglieder der OG setzen sich aktiv für die Naturerhaltung rund um den Köhnsee ein.

Schneider führt als lebendiges Beispiel die „gepflegte Schutzzone“ am Kolk vor, die mit ihrer Werterhaltung auch ein Ruhegebiet anderes Getier sein soll. Während in den Sommermonaten vermehrt krautige Pflanzen am Ufersaum vorgefunden wurden, springen jetzt die spitzen Stümpfe und angenagten Bäume vermehrt ins Blickfeld. Daher haben sich die Vorstandsmitglieder und Angler der Klädener OG entschlossen, die Anwesenheit des Elbebibers den verantwortlichen Stellen bekannt zu geben. Schwellnus hat den Anglerverein Stendal in Kenntnis gesetzt, und kann berichten, das von dort entsprechende Stellen der Unterwasserbehörde und des Naturschutzes (BUND) informiert wurden. Es gilt abzuwarten, wie entschieden wird.

Für die Mitglieder steht fest, dass es sich dort um den Elbebiber handelt, der über Aland, Biese, Milde und weiteren Grabensystemen in den Köhnsee gelangen konnte.

Von Paul Schaper

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