Andacht zum 50. Jubiläum in Bismarker Kirche

Pastorin feiert Goldene Hochzeit mit Gott

 Im Rahmen der Andacht gratulierten Henriette Schulz (2.v.l.) zum goldenen Kirchenjubiläum Bärbel Bade (l.), Elke Boss, Irmgard Pantel, Siliva Schmidt und Pfarrer Martin Schuler.
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Im Rahmen der Andacht gratulierten Henriette Schulz (2.v.l.) zum goldenen Kirchenjubiläum Bärbel Bade (l.), Elke Boss, Irmgard Pantel, Siliva Schmidt und Pfarrer Martin Schuler.
  • VonMaik Bock
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Es waren bewegende Momente, als Pastorin Henriette Schulz die Stadtkirche in Bismark am Sonntagmorgen betrat. Dort wurde die 72-jährige Pastorin aus Groß Chüden im Altmarkkreis Salzwedel schon erwartet, denn nach 50 Jahren kehrte die gebürtige Altmärkerin an ihre ehemalige Wirkungsstätte zurück.

Bismark - Am 1. August 1971, also genau am vergangenen Sonntag vor 50 Jahren, saß Pastorin Schulz oben vor der Orgel und umrahmte dort musikalisch ihren ersten Gottesdienst.

Das merkten die Kirchgänger damals sofort, so Schulz und erzählte, dass die Kirchgänger sagten, die Orgel klinge aber heute ganz anders. Schon vor Beginn der festlichen Andacht zu ihrem Jubiläum kamen die Gäste um herzliche Begrüßungen nicht drum herum. So waren einige Weggefährten, wie Pfarrer Norbert Lazay aus Gladigau, in der Kirche anzutreffen. Henriette rief quer durch das Bismarker „Dömchen“, wie sie die Stadtkirche liebvoll nennt: „Ach, da ist ja auch der schöne Norbert“. Schulz kennt Pfarrer Lazay, da war er gerade einmal 17 Jahre.

Geboren wurde Henriette Schulz, wie sie sagt, 13 Tage nach der Gründung der DDR. „Ausrechnen muss du es dir alleine“, scherzt Schulz. In Groß Möringen erblickte sie das Licht der Welt und wuchs auch dort auf. Nach der Schule ging sie mit 16 Jahren von Zuhause weg und machte eine Ausbildung zur Kantorin und Katechetin. Sie übernahm damals die Christenlehre der ersten bis sechsten Klassen und die musikalische Begleitung zu den Gottesdiensten rund um Bismark und das alles bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad.

Das erste Christenlehrekind von Schulz: Michaela Hille.

Schulz hatte ihre Berufung gefunden und so kam der Vorschlag, sich doch mit einem Fernstudium zur Pastorin ausbilden zu lassen. „Das war für mich die beste Entscheidung, die ich treffen konnte und ich habe diesen Schritt und die weiteren danach in meinem Leben nicht bereut“, berichtet sie den Anwesenden, „1987 wurde ich dann vom damaligen Propst Eberhardt Schmidt zur Pastorin geschlagen.“ Nun musste Schulz nur noch eine Anstellung finden. So ging es durch die Altmark, Kalbe und Mieste wurden angefragt. Dann gab es den Tipp, probieren sie es doch mal in Bismark. Dort wurde sie fündig und trat ihren Dienst an.

Mit der Heirat ihres ersten Mannes zog das Paar dann in den Norden der Altmark, nach Bombeck und später Pretzier/Groß Chüden, wo sie bis heute als Pastorin zu besonderen Anlässen tätig ist. „Wenn ich wieder mit meinen Knien richtig auf dem Damm bin und wieder laufen kann, werde ich als Pastorin weitermachen. Wenn ich dann mal nicht mehr kann, ist mir schon ein Platz in der ,Neuen Heimat’ in Bismark gesichert“, sagt Schulz.

Ganz emotional wurde es dann in der Andacht, als Schulz aus ihrem Leben erzählte und schon fast die ein oder andere Träne die Wangen herunter zu kullern drohte. Schulz hätte den ganzen Tag aus ihrem bewegenden Leben erzählen können, so viel habe sie mit den Menschen in der Altmark erleben dürfen.

Christenlehrekinder von Schulz und andere Bekannte aus ihrer Zeit in Bismark kamen zur Andacht.

Das Schönste am Sonntag war dann auch, dass ihr erstes Christenlehrekind aus Poritz, Michaela Hille, geborene Haffner, in den Bankreihen saß. Heute lebt Hille in Salzwedel und im Jahr 2000 trafen sich die beiden ganz zufällig wieder. Da waren aber noch mehr Christenlehrekinder wie Elke Boss, Irmgard Pantel und Silvia Schmidt, die sich im Anschluss an die Festandacht zusammen mit der Gemeindekirchenvorsitzenden Bärbel Bade und Pfarrer Martin Schuler persönlich mit Blumen und Präsenten für die schöne Zeit bei Schulz bedankten.

„Heute habe ich meine Goldene Hochzeit mit dem lieben Gott“, wie Schulz es liebevoll erzählt. Zwei Männer hat sie schon überlebt und jetzt mit über 70 noch einmal eine Jugendliebe gefunden. An die Zeit in Bismark erinnert sich Schulz noch heute immer sehr gern.

In der Priesterstraße hat sie ihren ersten Sessel für ihre kleine Wohnung gekauft und bei „Krümmel-Nitsche“ ihren ersten Pullover. „Mann, was war ich damals stolz, mir das jetzt leisten zu können. Es gab auch immer wieder herzliche Einladungen zum Mittagessen bei den Leuten, was immer ganz toll war, oder wenn ein größeres Fest gefeiert wurde, durfte ich dort mit dabei sein.“ Vieles, was Schulz damals erhalten hat an kleinen Präsenten, hat sie heute noch in ihrer Wohnung in Groß Chüden aufbewahrt.

Im Anschluss an die festliche Andacht zum 50-jährigen Pastorin-Jubiläum, die an der Orgel von Pfarrer Schuler begleitet wurde, gab es noch viele erweckende Gespräche mit „ihren Kindern“ von damals, die heute auch stolze Eltern und Großeltern sind, in ihrem Bismarker „Dömchen“.

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