Achtsamkeit beim Spaziergang erbeten

Osterlämmer kommen mit dem Vollmond

Sechs kleine bunte Lämmer mit Mutterschafen
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Schäfer Ronald Gerecke aus Badingen schätzt, dass er etwa 600 Lämmer hat. Ein großer Teil davon ist schon am Wochenende vor Ostern geboren worden.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Bei den Schafen ist Ostern immer etwas früher“, erzählt schmunzelnd Ronald Gerecke, Schäfer aus Badingen. Denn die meisten Osterlämmer kommen gar nicht am Osterwochenende, sondern am davor liegenden Vollmond, nach dem sich das Osterfest auch richtet.

Badingen - „Das ist so ähnlich wie mit dem Containerschiff, das im Suezkanal feststeckte. Das ist auch zum Vollmond bei Flut wieder freigekommen“, scherzt er gut gelaunt. Der Mond leite Tiere, Bienen und selbst den Menschen. Schließlich richteten sich früher selbst die Priester mit ihren Terminen nach dem Mond.

„Ein großer Teil meiner 800 Mutterschafe hat schon am vergangenen Wochenende gelammt“, berichtet Gerecke. Er schätzt auf etwa 600 Lämmer. Beim Anblick seiner Herde fällt auf, wie bunt gefleckt viele seiner Schafe sind, gerade die vielen Lämmer.

„Ich möchte keine reinen Rassen züchten. Ich finde Schafe einfach schöner und interessanter als Kühe oder Schweine“, erklärt der Badinger Schäfer dazu. Er achtet nicht darauf, die Rassen auseinanderzuhalten. „Für mich zählen die inneren Werte. Ich finde, beim Anblick von Schafen auf der Weide bekommen Menschen ein Gefühl von Geborgenheit. Sie strahlen Ruhe aus. Andererseits kommen Schafe aber auch gut allein zurecht, sie wirken stoisch und widerstandsfähig.“ Als Beispiel vergleicht er Kühe und Schafe: Eine Mutterkuh müsse im Winter eingestallt werden, während ein Schaf klein wäre und mit seinem ‘Wolldach’ draußen bleiben könnte.

„Die dicke Wolle ist ein Schutz wie eine Rüstung. Meine Schafe sind maximal 90 Tage im Jahr im Stall.“ Damit geht aber noch etwas anderes einher: Die Schäferei ist noch nicht so mechanisiert, wie andere Nutztierhaltungen. Er könne sich zum Beispiel eine teure automatische Futterausgabe gar nicht leisten, wenn diese nur drei Monate im Jahr im Einsatz wäre, erklärt Gerecke.

„Rückenlieger“ nennt Gerecke meist trächtige Schafe, die nicht mehr von allein hochkommen.

„Es ist noch harte Handarbeit, bei der man nicht einfach krank werden darf.“ Täglich schaut er nach seinen Schafen, obwohl er sich wünscht, noch richtig hüten zu können. „Mit Terminen und Bürokratie geht das aber nicht.“ Ein Glück also, dass Gerecke mit der AZ raus zu seiner Weide gefahren ist, denn so konnte er noch ein Mutterschaf vor dem Tod retten. „Fast jede Stunde legt sich ein meist trächtiges Schaf auf die Seite, rutscht dabei auf den Rücken und kommt nicht wieder hoch. Wenn ich oder mein Sohn sie nicht wieder umdrehen, verenden sie daran. Am schlimmsten ist es bei starker Sonne.“ Weshalb der Schäfer an dieser Stelle Bürger dazu aufruft, aufmerksam zu sein und falls nötig – mit Achtsamkeit wegen des elektrischen Zauns – auch mal selbst Hand anzulegen und einem Schaf auszuhelfen.

Trotz der harten Arbeit sieht Gerecke einen Sinn darin. „Ich pflege hier unsere Kulturlandschaft.“ Seine Schafe grasen auf dem Flugplatz Stendal-Borstel, halten andere Flächen frei von Büschen und sind – natürlich kontrolliert – auch auf der Orchideenwiese südlich von Stendal am Werk

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