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SED-Aufarbeitung: NVA-Suppe schmeckt Bundesstiftung nicht

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Von: Lisa Maria Krause

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Kelles Klädener Suppenmanufaktur
Eine Supermarktkette wird dafür kritisiert, Produkte wie die NVA-Suppe der Klädener Suppenmanufaktur zu verkaufen. Laut der Bundesstiftung Aufarbeitung verharmlost sie damit die SED-Diktatur. © Jens Wolf

Zwei Suppen und ein Nudelgericht sorgen für Furore. Das oder die Bundestiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Sitz in Berlin selbst. Denn die Aufmachung der Dosengerichte schmeckt der Stiftungsleitung nicht.

Kläden/Berlin - Die Etikette verharmlosen die SED-Diktatur, heißt es in einer Pressemitteilung. Sie hat im Netz unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst. Betroffen von der Kritik ist auch die NVA-Suppe von Kelles Suppenmanufaktur. Sie kann die Aufregung gar nicht verstehen und erfahre tatsächlich als Reaktion viel Zuspruch, berichtet Antje Mandelkow, Geschäftsführerin des Klädener Betriebes.

Die Kommentare häufen sich unter einem Beitrag der Stiftung in den sozialen Netzwerken. Die einen bedanken sich für die Kaufempfehlung, andere finden die Aufmachung von der Suppe der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Schulküchen-Soljanka mit DDR-Staatswappen alles andere als appetitlich. Scharfe Worte gibt es von beiden Seiten. Wo die einen schimpfen, dass „die Wessis“ den ehemaligen DDR-Bürgern alles aus ihrer Vergangenheit schlecht reden wollen, kritisieren die anderen Militarismus, der damit verherrlicht werde. Ostalgie und Aufarbeitung stehen sich gegenüber.

Mandelkow versteht den Wirbel nicht. Laut ihr verkauft sie seit 2009 die Suppe, seit zehn Jahren nimmt sie sie mit auf die Internationale Grüne Woche, eine Berliner Messe für weltweite Agrarprodukte. „Bei mir hat sich noch nie jemand deswegen gemeldet.“ Der Name gehört für sie zur Suppe wie die Erbsen. „Sie wurde genau so auf dem Feld gekocht.“

Die Inhaberin der Suppenmanufaktur versteht die politische Diskussion nicht

Das Rezept sei dasselbe und damit auch der Name. Diesen jetzt zu ändern, ist für Mandelkow völlig abwegig. „So ein Quatsch, dass das politisch ist“, sagt die Besitzerin. Sonst dürfe derzeit auch keine Soljanka verkauft werden, weil diese russisch ist. „Wenn politisch jetzt schon über Essen gestritten wird, na Halleluja.“ Es sei ihre Geschichte, aber es tue ihr leid um jene, die damals etwas Schlechtes erlebt haben.

Die vertreibende Supermarktkette, auf die die Stiftung zugegangen war, hatte ihre Produktwahl mit den Wünschen der Kunden begründet. Die Stiftungsdirektorin, Dr. Anna Kaminsky, kritisierte dies als Geschichtslosigkeit und dass die Firma sich der Verantwortung entziehe. „Mir geht es nur um die Suppe“, sagt Mandelkow. Sie würden viele E-Mails erreichen, dass sie so weitermachen solle. Auch Mandelkow geht danach, was der Kunde will. „Wer die NVA-Suppe nicht mag, es gibt auch normale Erbsensuppe.“

Mandelkow betont aber auch, welche Bedeutung die NVA-Suppe in ihrem eher kleinen Betrieb hat. Allein dieses Rezept habe acht Vollzeitarbeitsplätze geschaffen. „Wir haben hier keine Industrie. Was wir hier in einer kleinen Mannschaft geschafft haben, ist nicht zu verachten.“ Wie sie berichtet, schickt der Betrieb täglich insgesamt etwa 3500 Dosensuppen an Supermärkte und andere Vertreiber.

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