IB-Einrichtung schreibt Wunschzettel

Neuer Betreiber im Coronajahr: Jugendzentrum Bismark schüttelt Virus ab

Ein breiter Sessel versperrt einen der Zugänge in die zweite Etage. Oben befinden sich die Büros der Mitarbeiter. Kinder haben dort nichts zu suchen, Sanierungsbedarf.
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Ein breiter Sessel versperrt einen der Zugänge in die zweite Etage. Oben befinden sich die Büros der Mitarbeiter. Kinder haben dort nichts zu suchen, Sanierungsbedarf.

Bismark – „Natürlich haben wir Wünsche und eigene Pläne. “ Den recht abgespielten Basketballplatz gleich hinterm Haus aufzufrischen, sei so ein Wunsch. Sozialpädagoge Reimund Polzin redet erst gar nicht um den heißen Brei herum.

Eine richtige kleine Holzwerkstatt aufzubauen, wäre noch so eine Idee, er habe schließlich auch viele Jahre als Tischler gearbeitet. Das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum (JFZ) in Bismark scheint ganz nach dem Geschmack des Natterheiders.

Der schon äußerlich besondere Bau vornehmlich aus Holz habe Potenzial. „Hier lässt sich etwas bewegen. “ Polzin, vor wenigen Tagen 60 Jahre alt geworden, markanter Bart und die Aufschrift einer Musikband auf dem T-Shirt, lehnt ziemlich gelassen nahe der Eingangstür. Die AZ ist viel zu früh. „Damit kann ich leben“, sagt er und grient.

Sozialpädagoge Reimund Polzin stammt aus der Nähe von Berlin, hat unter anderem in Kalbe gearbeitet. Beim Basteln lässt er an diesem Tag erst einmal andere ran.

Nach einiger Zeit trudeln die ersten Kinder ein, entspannter als sonst, es sind Sommerferien. „Denkt daran, Name einschreiben und Hände desinfizieren!“ Die beiden Jungs, um die zehn Jahre alt, nicken. „Corona hat uns definitiv zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt getroffen“, sagt Polzin. Der Internationale Bund (IB) Magdeburg hat die kommunale Einrichtung mit dem neuen Jahr übernommen, der alte Träger hatte das Handtuch geworfen. Die drohende Schließung war abgewendet, im Rathaus atmete man auf. So richtig losgehen sollte es Anfang Februar. Kurz darauf traf der Virus die Welt und Bismark. Erst Mitte Juni öffnete sich die Tür wieder, Beschränkungen gibt es nach wie vor. „Es ist nicht immer leicht.“ Kindern Grenzen aufzuzeigen, gehöre zum Job. Auf diese würde er gern verzichten.

Tessa Paul dürfte es da nicht anders gehen. Die junge Frau hat an diesem Tag in kleineren Orten einige Kinder eingesammelt und in das JFZ gebracht. Sie ist Erzieherin und vor allem für die mobile Jugendarbeit des IB in der Einheitsgemeinde zuständig. Perspektivisch soll auch noch gezielt Mädchenarbeit entwickelt und angeboten werden. Wie genau das aussehen kann, dazu lässt sich Polzin noch nicht allzu tief in die Karten schauen. An diesem Tag steht Basteln auf dem Programm. „Wir sind momentan noch einmal besonders flexibel und entscheiden kurzfristig, was wir machen wollen.“ Am Tag zuvor waren neun Kinder im JFZ. „Gar nicht so schlecht für die Ferien- und Urlaubszeit.“ Dass es danach noch deutlich mehr sein werden, darauf arbeite er natürlich hin.

Ältere Kinder und Jugendliche suchen gern die Straße, der Sozialpädagoge findet einige oftmals am besagten Basketballplatz und kommt mit ihnen ins Gespräch. Dass er den guten Draht auch zu weiteren Älteren haben wird, davon ist Polzin überzeugt. „Es braucht alles seine Zeit. Mitunter sind es scheinbar kleinere Dinge, die einen Ort wie diesen interessant machen.“ Freies WLAN beispielsweise sollte man auf dem Zettel haben. Der Zettel der Stadt ist noch länger, wie auch der IB-Mitarbeiter weiß. Ganz oben steht der Brandschutz, mindestens 50 000 Euro sollen alsbald investiert sein. Mittel- und langfristig kann es auch um die zweite Etage gehen, die momentan nur eingeschränkt nutzbar ist. Das ist erst kürzlich wieder aus dem Rathaus zu hören gewesen (die AZ berichtete).

Der Austausch mit der Stadt funktioniere, der mit dem Landkreis ebenfalls, beteuern auch Monique Kansy, führende Mitarbeiterin des IB aus Magdeburg, und Astrid Elling, Teamleiterin aus Stendal, die für die Einrichtung an der Straße der Jugend in Bismark verantwortlich sind. Ein frisches Projekt zur Berufsorientierung nicht zuletzt 15-Jähriger stärkt letztendlich auch diesen altmärkischen Standort. Das sogenannte Regionale Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt (RÜMSA) und Franziska Probst arbeiteten eng mit Schulsozialarbeitern zusammen und dem Verein „KinderStärken“ in Stendal sowieso, erläutert Kansy. Das Blockhaus, Mitte der 1930er- Jahre errichtet, fülle sich dadurch bis mindestens 2022 vormittags mit zusätzlichem Leben. Klassische Jugendarbeit im JFZ beginnt in der Regel nachmittags um 14 Uhr.

Eine zweite RÜMSA-Stelle soll es ab August in Osterburg geben. Die IB betreibt dort und auch in Seehausen weitere Jugendzentren. Der IB gilt bundesweit als ein großer sozialer Dienstleister, allein in Magdeburg und Umgebung hat er circa 570 Mitarbeiter und in der östlichen Altmark gut zwei Dutzend. Die Organisation sei bislang gut durch die Coronakrise gekommen, versichert Kansy. Entlassungen habe es nicht gegeben. Für Bismark und das JFZ wünsche sie sich auch erst einmal ein richtiges Fest. Der Plan für 2020 ist kräftig durcheinandergeraten, ob ein Herbstfest stattfinden kann, muss sich zeigen. Ein größeres Willkommensfest könnte im Frühling über die Bühne gegen. Der neue Träger sucht seinen Weg, der auch ohne Corona Herausforderungen birgt. VON MARCO HERTZFELD 

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