Bismark treibt regionales Bauprojekt geduldig voran

Ein Weg nach Kalbe: Bahndamm weist Radlern das Ziel

Direkt vor dem Naturbad Kolk verläuft die ausrangierte Bahnstrecke. Schienen sind dort bereits abgebaut.
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Direkt vor dem Naturbad Kolk verläuft die ausrangierte Bahnstrecke. Schienen sind dort bereits abgebaut.

Bismark – Die Schienen sind zumindest an dieser Stelle demontiert. Einige Betonschwellen sind ebenfalls bereits verschwunden oder zumindest aus den Halterungen gebracht. Schrauben und Federelemente liegen da und dort lose obenauf oder irgendwo verstreut daneben.

Vor dem Freibad am Kolk lässt sich exemplarisch sehen, was mit der gesamten alten Bahnlinie passieren soll.

Ist die ausrangierte Transportlinie endgültig Geschichte, kann die Einheitsgemeinde ihr Vorhaben fester in den Blick nehmen. „Ziel ist es, zusammen mit der Stadt Kalbe irgendwann einen Radweg auf der Strecke zu bauen“, bekräftigt Bismarks Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) auf Nachfrage der AZ.

Schrauben und andere Metallteile sind noch zu finden. Die gesamte Strecke soll geräumt werden.

Gelungen ist ein verwandtes Projekt schon wenige Kilometer weiter. Der lang ersehnte Radweg zwischen der Kernstadt und Hohenwulsch ist im November freigegeben worden. Radfahrer bewegen sich dort nun größtenteils auf der früheren Kleinbahnstrecke der „Amerika-Linie“. Im Frühsommer hatten die Arbeiten begonnen, das Projekt konnte sogar schneller als von vielen gedacht umgesetzt werden. Mehr als 800 000 Euro flossen in die fast zwei Kilometer lange Piste, der Löwenanteil der Summe kam aus einem Förderprogramm. Für das Land sei der Radweg sogar eine „Art Prestigeobjekt“ geworden, mit dem sich bei Veranstaltungen für Sachsen-Anhalt werben lasse, sagt Schwarz.

Kommune, Landkreis und Land ziehen an einem Strang, wenn möglich, auch mit europäischem Geld. Stimmen Konzept und Finanzplan, fließen finanzielle Mittel und ein Projekt kann unkompliziert umgesetzt werden. „So sollte es immer sein“, findet Schwarz. Wenngleich sie natürlich nicht vergessen habe, wie sehr die Einheitsgemeinde zunächst um den Radweg entlang der viel befahrenen Kreisstraße haben kämpfen müssen. Er gilt gewissermaßen als i-Tüpfelchen zur Schnittstelle bei Hohenwulsch, einem Bahnhaltepunkt, der vor knapp eineinhalb Jahren für mehr als eine halbe Million Euro weiter modernisiert wurde. Züge und Busse halten dort, Pkw haben Park- und Zufahrtsmöglichkeiten.

Der Schwung soll nun für das weitere und größere Vorhaben mitgenommen werden. „Wir suchen nach einem entsprechenden Förderprogramm.“ Der Plan, zwischen Bismark und Kalbe im Altmarkkreis Salzwedel einen Radweg zu bauen, ist auch nicht ganz neu. Dass mit der Demontage der Schienen bereits Tatsachen geschaffen werden, sei sicherlich nicht verkehrt. Es geht voran. „Die Maßnahmen zum Rückbau werden fortgeführt.“ Zur Erinnerung: Die Deutsche Bahn hat die Strecke vor wenigen Jahren an einen privaten Investor verkauft, an ein Unternehmen aus Thüringen, das sich auf das Sanieren alter Bahndämme verstehen soll. Zwischen Bismark und Kalbe liegen etwa zehn Kilometer.

„Ich denke, hier kann und wird ein super Projekt im Rahmen der sogenannten interkommunalen Zusammenarbeit der Einheitsgemeinden Kalbe und Bismark entstehen.“ Die Ostaltmärkerin sieht einen „wichtigen Schritt“ zur „touristischen Entwicklung der Altmark“. Das betont die Bismarker Bürgermeisterin immer wieder. Fahrradtourismus sei das Feld, auf dem die Region zukünftig noch viel mehr punkten könne. Ihr geht es um kürzere Wege und Vernetzung. Der vielfach ausgezeichnete Elberadweg führe durch den Landkreis Stendal, sicherlich, doch auch andere Strecken und Gegenden hätten Potenzial. „Jetzt heißt es aber: Geduld haben und viele Gespräche führen.“

VON MARCO HERTZFELD  

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