Diese Leitlinie bleibt keine Randnotiz

Mittelstreifen ade: Kreisstraßen im Bismarker Raum erhalten neuartige Striche

Die Kreisstraße zwischen Dobberkau und Möllenbeck, hier an der Einfahrt zum Domizil des Sportvereins Preußen Dobberkau, ist bereits mit neuartiger Markierung versehen. Auf der anderen Seite gibt es die zweite Linie.
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Die Kreisstraße zwischen Dobberkau und Möllenbeck, hier an der Einfahrt zum Domizil des Sportvereins Preußen Dobberkau, ist bereits mit neuartiger Markierung versehen. Auf der anderen Seite gibt es die zweite Linie.

Bismark – Einige fühlen sich vielleicht an irgendeine Landebahn für Flugzeuge erinnern, andere sind noch nie geflogen und könnten überzeugt sein, dass diese zwei gestrichelten Leitlinien, eine links und eine rechts, keine Absicht sein können.

Die neue Fahrbahnmarkierung ist weiter auf dem Vormarsch und verdrängt den klassischen Mittelstreifen.

Die Kreisstraßen nach Arensberg und von Dobberkau nach Möllenbeck sind bereits in dieser Art und Weise gezeichnet. Im nächsten Jahr werden die Kreisstraßen 1048 Belkau-Schernikau und 1054 nach Bülitz erneuert und markiert. Die ganz große Farbmaschine lässt das Straßenbauamt Stendal nicht auffahren, vieles soll im gesamten Kreisgebiet nach und nach passieren.

Taufrisch ist das entsprechende Regelwerk nicht. „Bei den meisten Kreisstraßen werden Markierungen der Entwurfsklasse 4 nach RAL 2012 aufgebracht“, weiß Kreissprecher Edgar Kraul nach Rücksprache mit dem Fachamt. Hinter RAL verbergen sich die Richtlinien für die Anlage von Landstraßen, nach denen sich die sogenannten Straßenbaulastträger zu richten haben. 21 Kreisstraßen in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel wurden seit 2014 auf einer Länge von zusammen 47 Kilometern außerorts markiert. Das gesamte Kreisstraßennetz umfasst 474 Kilometer. „Wenn sich die Richtlinien nicht wesentlich ändern, werden langfristig alle passenden Kreisstraße derart markiert.“

Ganz verschwinden dürfte der Mittelstreifen nicht, denn auf die Breite kommt es an. Nur Straßen, die keine sechseinhalb Meter schaffen, erhalten die neuartige Markierung. Eine zweite Voraussetzung ist die Anzahl der Fahrzeuge am Tag, sie muss unter 3000 liegen. In der Einheitsgemeinde Bismark gibt es 16 Kreisstraßen, summa summarum etwas mehr als 70 Kilometer. Dort und im gesamten Kreisgebiet gilt laut Kraul: „Geändert wird die Markierung, wenn Oberflächensanierungen, Neubauten, Deckensanierungen durchgeführt werden oder ein starker Verschleiß eine Oberflächenbehandlung erforderlich macht.“ Und natürlich entscheiden die genannten Parameter, Breite und Verkehrsstärke.

Das Straßenbauamt sieht diese Markierungen positiv. Die seitlichen Leitlinien und die fehlende Linie in der Fahrbahnmitte signalisierten dem Kraftfahrer in der Einheitsgemeinde Bismark und anderswo, dass Begegnungen erhöhte Aufmerksamkeit erforderten. Dass sich entgegenkommende Fahrer das Tempo drosseln, sei durchaus gewollt und passe in das generelle Ziel niedrigerer Pkw-Geschwindigkeiten. „Das Unfallgeschehen auf den markierten Straßen ist seit 2014 unauffällig“, teilt der Kreissprecher auf Nachfrage der AZ weiter mit, ohne auf die Schnelle ins Detail zu gehen. Höhere Kosten entstünden übrigens nicht, da die Umstellung eben nie separat erfolge, sondern im Zuge anderer Baumaßnahmen.

Durch die neue Markierung werde die Fahrbahn optisch eingeengt. Ohne Gegenverkehr sollte sich das Fahrzeug links der gestrichelten Linie bewegen, ein Überfahren sei aber auch dann nicht verboten. Ein Abrücken der Markierung vom Fahrbahnrand soll Menschen am Lenkrad zudem davor schützen, schon bei einem kleinen Fahrfehler von der Straße abzukommen. Für Radler gelten im Übrigen die gleichen Regeln, sie sollen ebenfalls links der Leitlinien fahren und werden durch sie eben nicht auf den Seitenstreifen verwiesen. Kurzum: Der Seitenbereich ist kein Schutzstreifen für Radfahrer. Im Wesentlichen verantwortlich zeichnet für all das und mehr eine Behörde, die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Neben den genannten Straßen in der Einheitsgemeinde Bismark hat das Straßenbauamt für 2021 die K 1033 Neuermark-Lübars und die K 1058 Vollenschier auf dem Zettel. Bereits neu markiert und nicht zuletzt Besuchern des Wildparks bekannt ist die K 1469 bei Weißewarte bis zur Tangerbrücke. Die Strecke ist fünfeinhalb Meter breit und die Markierung wurde auf dem Monat genau vor einem Jahr im Zuge von Arbeiten an der Straßenoberfläche gesetzt. Der Altmarkkreis Salzwedel legt im Übrigen erst momentan so richtig mit der Umstellung los (die AZ berichtete). Dort ist sogar die Rede von „zukünftig einheitlichen Fahrbahnmarkierungen auf Kreisstraßen“. Ob das in der Einheitsgemeinde Bismark und im Landkreis Stendal zumindest annähernd auch so sein kann, wird sich dann zeigen. VON MARCO HERTZFELD 

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