Verträglicher für Menschen mit möglicher Laktoseintoleranz

Meßdorfer Betrieb will A2-Milch bekannter machen

Dörte und Karsten Wienecke stehen in einem ihrer Kuhställe in Meßdorf.
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Dörte und Karsten Wienecke aus Meßdorf sind von der besseren Verträglichkeit der A2-Milch überzeugt. Elf Prozent ihrer Kühe haben nachweislich diese Gene.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Das ist eine Sache, der wir uns angenommen haben. Deshalb dachten wir uns, dass es durch die Zeitung bekannter werden könnte“, erklärt Karsten Wienecke.

Meßdorf - Er führt gemeinsam mit seiner Frau Dörte Wienecke einen Milchviehbetrieb in Meßdorf und will die aus ihrer Sicht besser bekömmliche A2-Milch bekannter machen.

„Leider ist sie viel zu wenig publik. Ich finde, jemand, der mit Milch Probleme hat, müsste davon wissen.“ Menschen, die auf Milch mit Bauchweh und Durchfall reagierten, würden wohl oft fälschlich von Laktoseintoleranz ausgehen. Dabei könnten sie eigentlich auf das in der meisten Milch vorhandene A1-Eiweiß reagieren.

„Der A2-Milch wird nachgesagt, dass sie die Urmilch ist, denn es wird vermutet, dass durch eine Mutation während der Züchtung vor langer Zeit A1-Eiweiß entstand und sich verbreitet hat.“ 2018 hatten die Wieneckes davon gehört und kamen zu der Erkenntnis, dass A2 die Lösung für Betroffene sein könnte. „Wir haben wenige Bullen, die dominant das Gen für A2-Milch vererben. Wir versuchen jetzt, mehr A2-Milchkühe zu züchten.“ Bei einer Testung von 30 ihrer insgesamt 200 Kühe kamen nach drei Jahren Bemühungen – von der Besamung der Mutterkuh bis zur Trächtigkeit der jungen Kuh – 24 Kühe mit dem A2-Gen heraus. „Es könnte natürlich sein, dass wir noch mehr in der Herde haben, aber wir haben erst einmal die mit der größten Wahrscheinlichkeit getestet“, betont Wienecke.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn die Tests sind nicht billig. Ein Test der Milch, der erst beim Kalben gemacht werden kann, kostet etwa 15 Euro, der schnellere Gentest kann bis zu 55 Euro kosten. „Das ist alles auch eine wirtschaftliche Frage“, sagt der Milchviehhalter, denn um A2-Milch auch zu vermarkten gibt es viele Anforderungen. „Wir müssten Molkereien wie der in Bismark nachweisen können, dass es reine A2-Milch ist“, erklärt Dörte Wienecke. Dazu müsste ein Melkroboter allein für A2-Milch vorhanden sein oder jedes Mal gereinigt werden. Auch Abnehmer der Milch müssten bei der Weiterverarbeitung zwischen A1- und A2-Milch die gesamte Anlage reinigen. „Da darf keine Spur A1-Milch drin sein.“

Und genau wegen dieses Mehraufwandes, den benötigten Mengen und fehlender Studien zu der tatsächlichen Verträglichkeit von A2 hätte die Branche und Weiterverarbeiter hierzulande kein Interesse. Derzeitige Studien wurden oft nicht von neutralen Stellen durchgeführt. „Dabei gibt es A2-Milch im Süden teils schon im Laden“, betont Frau Wienecke. Interesse hätte die Bismarker Käserei angemeldet, jedoch fehlten in der Umgebung dafür die Mengen. „Wir allein können das nicht bieten.“

Das Paar ist voll von der A2-Milch überzeugt. „Betroffene aus der Umgebung haben es von uns direkt gekauft, abgekocht und am Wochenende, wenn sie zuhause waren, probiert. Einige bleiben dabei.“ Wieneckes sehen darin einen Erfolg, nun fehle nur die Flexibilität und Anzahl, um dem Bedarf gerecht zu werden.

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