Bei ersten Unterstützern soll es in Bismark nicht bleiben

Marodes Denkmal: Adler fehlt der finanzielle Schwung

Den Adler hat Ruth Rothe im Sommer der AZ gezeigt. Dass das sperrige und hohle Teil noch irgendwie zu reparieren sei, darauf hatte sie gehofft, vergebens.
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Den Adler hat Ruth Rothe im Sommer der AZ gezeigt. Dass das sperrige und hohle Teil noch irgendwie zu reparieren sei, darauf hatte sie gehofft, vergebens.

Bismark – Die ersten Spenden für das lädierte Denkmal vor der Stadtkirche in Bismark sind da, insgesamt ein paar Hundert Euro. Dass diese Summe längst noch nicht reicht, weiß Ruth Rothe natürlich auch.

Die Initiative von Ortsbürgermeisterin und Ortschaftsrat will nicht so recht zünden.

Womöglich brauche es einfach noch Zeit, vielleicht müsse mehr dafür geworben werden und ja, sicherlich hätten die Menschen momentan wegen Corona auch ganz andere Sorgen. Wer das Vorhaben unterstützen will, kann das in der Heimatstube an der Breiten Straße machen. Dort lassen sich auch die Daten für ein Spendenkonto erfragen. Das Denkmal aus der Bismarckzeit mitten in der Stadt erinnert an Kriegstote.

Selbst mit einer ordentlichen Sehhilfe lässt sich die Inschrift an etlichen Stellen nur noch schwer entziffern. Die Oberfläche weist zudem an einigen Stellen kleine Risse und Löcher auf. Wer genauer hinschaut, sieht auch irgendwelche Schmierereien vermutlich jüngeren Datums. Dort einfach mit dem Lappen drüber zu wischen, wäre falsch und eh zu wenig. Profis müssen ran, ist die Ortsbürgermeisterin überzeugt. Zunächst würde es den Initiatoren schon helfen, wenn ein Fachmann oder auch nur „ein Bürger, der Ahnung hat“, eine Einschätzung abgeben könnte. „Wir haben eben nicht das große Geld.“ Einen passenden Fördertopf sieht die Bismarker Ortschefin übrigens momentan nicht.

Wenn es eine solche Quelle doch geben sollte, dürfte dennoch ein Eigenanteil vonnöten sein. Vor einiger Zeit hatte Rothe, die auch Vorsitzende des Heimatvereins ist, von 5000 Euro und mehr gesprochen, die schon das bloße Denkmal benötigte. Eine vorsichtige, eigene Kostenschätzung für eine Sanierung, etwas anderes sei das nie gewesen. Die Summe könnte auch deutlich zu niedrig angesetzt sein. Außerdem sind die Ausgaben für einen neuen Adler noch nicht enthalten. Ein metallener Greif gehört eigentlich noch oben auf das Denkmal, er fehlt dort seit Jahrzehnten, Überreste seien irreparabel. „Einen neuen Adler auf ein ramponiertes Denkmal zu setzen, das ergibt auch nicht wirklich Sinn.“

Der Adler soll bei einem Sturm Anfang der 1970er-Jahre abgestürzt sein. Zuletzt lagerte er im Keller des Bürgerhauses gleich nebenan und ebenfalls an der Breiten Straße. Rothe und Mitstreiter hofften noch, den ziemlich hohlen Vogel retten zu können (die AZ berichtete). Die Linken-Bürgermeisterin interessiert sich für Geschichte und ist davon überzeugt, dass ein feinfühliger Umgang mit dieser nur wertvolle Identität schaffen könne. Die Inschriften erinnern an Tote von Kriegen im 19. Jahrhundert und das mit dem damals üblichen Pathos. Dass Worte wie „von Heldentod mit Gott für König und Vaterland“ in demokratischer Weise eingeordnet würden, darauf habe sie von Beginn an vertraut.

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