Ortschaft Bismark hält an ambitioniertem Sanierungsplan fest

Marodes Bismarck-Erbe: Schwamm drüber soll es nicht geben

Noch als Reichskanzler Otto von Bismarck lebte, wurde dieses Denkmal errichtet. Es ist typisch für diese Zeit. Der Bismarker Gedenkstein für Kriegstote steht im Stadtzentrum.
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Noch als Reichskanzler Otto von Bismarck lebte, wurde dieses Denkmal errichtet. Es ist typisch für diese Zeit. Der Bismarker Gedenkstein für Kriegstote steht im Stadtzentrum.

Bismark – Selbst mit der besten Brille lässt sich die Inschrift an etlichen Stellen kaum noch entziffern. Die Oberfläche des Denkmals aus der Bismarckzeit weist zudem hier und dort kleine Risse und Löcher auf.

Irgendwelche Schmierfinken haben in jüngerer Zeit kleine politische Symbole hinterlassen.

Der gesamte Gedenkstein sieht recht grau, matt und vergessen aus. Schwamm drüber gelte in zweierlei Hinsicht nicht, ist Ruth Rothe nach wie vor überzeugt. Erstens: Eine normale Putzaktion reiche schon lange nicht mehr. Und zweitens: Das sogenannte Kriegerdenkmal einfach links liegen zu lassen, wäre falsch. Die Ortsbürgermeisterin hält an einer vor genau zwei Monaten verstärkten Initiative fest.

„Wir wünschen uns jemanden, der sich mit der Materie auskennt und schon einmal genauer beziffern kann, was eine Sanierung kosten würde.“ Am liebsten wäre der Linken auch, wenn jemand anders die Federführung bei diesem Projekt übernehme. Einen Kostenvoranschlag offiziell einholen oder gar einen ersten richtigen Auftrag auslösen, dafür sei die Zeit noch nicht reif. „Natürlich brauchen wir letztendlich einen Steinmetz und andere Fachleute, deren Urteil und deren Arbeit.“ Allein das bloße Denkmal zu säubern und auszubessern, dürfte 5000 Euro und mehr kosten. „Letztlich könnten auch das gezielte Engagement der Bürger und ein Spendenkonto entscheidend helfen.“

Das Denkmal ist markant und hoch wie ein Baum.

In der vorsichtigen eigenen Kostenschätzung sind die Ausgaben für einen neuen Adler noch nicht einmal enthalten. Ein solcher metallener Greif saß viele Jahrzehnte oben auf dem Denkmal, das an Kriegstote erinnern soll. Der Adler soll bei einem Sturm im Jahre 1972 ins Wanken geraten und abgestürzt sein. Zuletzt lagerte der ziemlich lädierte Adler im Keller des Bürgerhauses. Zunächst dachte Rothe, die auch Vorsitzende des Bismarker Heimatvereins ist, das Tier doch noch reparieren lassen zu können. Doch der flügellahme Adler schafft es sehr wahrscheinlich nicht mehr zurück auf den Gedenkstein im Zentrum (die AZ berichtete). Ein Ersatz soll her und auch den gibt es nun einmal nicht umsonst.

Was gemeinhin ziemlich martialisch als Kriegerdenkmal bezeichnet wird, wurde in diesem Fall 1885 vom örtlichen Landwehrverein errichtet und besteht überwiegend aus Sandstein. Denkmal und Adler gehörten zur Geschichte der Stadt, egal, wie man die Zeit ihrer Entstehung und den Geist, der damals herrschte, nun bewerten wolle oder nicht, wird die Bürgermeisterin gegenüber der AZ nicht müde, zu betonen. Der Ortschaftsrat stehe weiterhin hinter der Initiative, natürlich. Und selbstredend solle auch die Kirchengemeinde mit ins Boot, das Objekt stehe schließlich auf Kirchenland. Sockel, Quader und Säule recken sich nahe der Stadtkirche und direkt an der Breiten Straße, der Hauptverkehrsader.

Die Bürgermeisterin der größten Ortschaft der Einheitsgemeinde interessiert sich für Geschichte und ist weiterhin davon überzeugt, dass ein feinfühliger Umgang mit dieser nur wertvolle Identität schaffen könne. Rothe kennt historische Postkarte und alte Zeitungsartikel. Das Denkmal beschäftige die Menschen seit jeher, wenn auch sicherlich mal mehr und mal weniger. Auf dem Stein soll unter anderem stehen: „Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nachahmung. Gewidmet den braven Streitern in den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 ...“ Die Rede ist auch „von Heldentod mit Gott für König und Vaterland“. Rothe vertraut darauf, dass diese Worte in demokratischer Art und Weise eingeordnet würden. Und noch einmal: Ein Stück Bismarker Stadtgeschichte sei alles sowieso. VON MARCO HERTZFELD 

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