Förderverein bleibt das Ziel

Mühlenfreunde in Kremkau klappern doch

Die Bockwindmühle in Kremkau hat eine deutliche Schieflage.
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Schlagseite hat die altersschwache Mühle in Kremkau schon länger. Das lokale Erbe steht auf Privatgelände.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Das Ziel ist nicht aus den Augen verloren. Die marode Bockwindmühle von Kremkau soll hergerichtet und ins Rampenlicht gesetzt werden. Ein Förderverein scheint dafür die Voraussetzung zu sein.

Kremkau – „Momentan sind wir mehr oder weniger zu zweit.“ Und doch soll die Initiative zum Erhalt der Bockwindmühle in Kremkau nun an Kraft gewinnen. Ratsmitglied Enrico Alexander (WgK) zeigt sich auch für den Zweiten im Bunde, einen Einheimischen, der noch stärker in Hessen zu tun habe, zuversichtlich. Im Juli soll sich mit weiteren potenziellen Mitstreitern getroffen werden. Es wäre genau ein Jahr her, dass sich der Ortschaftsrat stärker mit dem Thema befasste. Aus einer Initiativgruppe heraus könnte ein Förderverein gegründet werden, der Fördermittel beschaffen helfen soll. In einer Ortschaft mit gerade einmal knapp 200 Einwohnern dürften das und mehr ein Kraftakt bleiben. Wenngleich den Kremkauern eine gewisse Hartnäckigkeit nachgesagt werden sollte. Alexander weiß das sehr wohl.

Enrico Alexander (r.) bei der Juli-Sitzung 2020, bei der sich vieles um ein mögliches Mühlenprojekt gedreht hat. Links sitzt Bürgermeister Helmut Block.

„Die Kernfrage ist aber erst einmal, ob die Mühle überhaupt sanierungsfähig ist.“ Von mindestens einem Fachmann gebe es schon ein Kopfnicken. „Aber natürlich sollten wir ganz genau hinschauen. Es wäre schon sinnreich, wenn die Mühle tatsächlich irgendwann wieder funktionstüchtig ist und man mit ihr Mehl mahlen kann.“ Eines müsse auf jeden Fall noch in diesem Jahr passieren: Das historische Bauwerk braucht Stützen. „Wir müssen der Mühle mit schwerer Technik helfen, sie darf sich nicht weiter neigen. Sonst geht sie bei stärkerem Wind schnell einmal zu Bruch und alles hat sich erledigt“, betont Alexander. Dass das denkmalgeschützte Teil das Privatgelände am Rande der Ortschaft irgendwann verlässt, scheint mindestens vorgezeichnet. „Kremkauer haben da schon verschiedene Plätze im Kopf.“

Historisches Erbe dieser Art zu erhalten, passiert selten nebenbei. In Meseberg (Osterburg) und Grieben (Tangerhütte) hat es dafür jeweils einen recht schlagkräftigen Förderverein gegeben. Alexander und Mitstreiter wollen sich weiter umschauen, Erfahrungen anderer nutzen. Zudem wüssten sie die Zentrale der Einheitsgemeinde Bismark samt Fachamt hinter sich und natürlich auch den Kremkauer Ortsbürgermeister Helmut Block (WgK), mit all seiner kommunalpolitischen Erfahrung. Und dennoch und noch einmal: „Es bleibt viel Arbeit, noch existieren mehr Fragen als Antworten.“ Ein Verein benötige mindestens sieben Mitglieder. „Haben wir dieses Fundament, lässt sich darauf aufbauen.“ Dass die aktuellen Besitzer der Mühle das Bauwerk bereitwillig abtreten, davon gehe er aus.

Nichts anderes hat die Familie zuletzt auch signalisiert. Bei der Ratssitzung im Juli 2020 bekräftigte sie noch einmal das, was sie der AZ schon davor gesagt hat. Auch im März dieses Jahres blieb es dabei. Die Mühle dürfe demontiert und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Nur sollte diese Stelle auch wirklich in der Ortschaft sein und nicht irgendwo anders. Welche Teile der Mühle tatsächlich noch zu gebrauchen sind und für die Zukunft taugen, bleibt abzuwarten. Eine restaurierte und attraktive Bockwindmühle könnte die Infrastruktur stärken helfen und so manchen Besucher aus der Region oder gar Touristen von weiter weg anziehen. „Wir müssen dabei natürlich einiges bedenken. Die Mühle an einem neuen Standort muss dort auch passen“, sagt Alexander der AZ.

Der Weg bleibt steinig. Auch Ortsbürgermeister Block weist immer wieder darauf hin, macht aber auch Mut. An der Konstruktion nagt der Zahn der Zeit. Zwischen 100.000 und 200.000 Euro dürfte eine Frischekur kosten, wenn nicht doch mehr. Dass es ohne finanzielle Hilfe von außen nicht gehen werde, hat bislang niemand bestritten. Inwieweit Corona und all die Beschränkungen die Initiative ein Stück weit ausgebremst haben, muss nicht sonderlich entscheidend sein. „Wir sind und bleiben am Ball und wollen nun gemeinsam mit anderen etwas für das Dorf bewegen“, kündigt Ratsmann Alexander an. Besagte Familie hatte das Grundstück Mitte der 1980er-Jahre gekauft, erst Anfang der 90er will ihr richtig klar geworden sein, dass dazu auch die Mühle gehört (die AZ berichtete).

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