Webseite des Vereins „Wir für Darnewitz“ gelöscht / Landesverwaltungsamt droht mit weniger Fördergeld

„Man bekommt immer eins auf die Rübe“

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Die Vorwürfe des Landesverwaltungsamtes, der Verein „Wir für Darnewitz“ habe nicht ausreichend Öffentlichkeitsarbeit betrieben, kann Peter Pickelmann nicht verstehen. Sogar am Steinmuseum hängt ein Zettel der auf die Leader-Förderung hinweist. 

Darnewitz. Seit vielen Jahren führt der Verein „Wir für Darnewitz“ die Webseite „darnewitz.de“, auf der es Informatives rund um den bekannten Findlingspark, Veranstaltungshinweise, Neuigkeiten und vieles mehr für Einheimische und Touristen zu lesen gibt.

Vereinsmitglied Peter Pickelmann, der sich jahrelang um die Aktualisierung der Webseite kümmerte, hat die Seite jetzt geschlossen. Ein Schritt, der dem Rentner nicht leicht gefallen ist, wie er im Gespräch mit der AZ betont.

Vereinsgründungsmitglied Peter Pickelmann.

Dem Verein wurde Urheberrechtsverletzung zur Last gelegt. Nach Angaben von Pickelmann habe er auf der Homepage eine Landkarte veröffentlicht, die einst die ehemalige Verwaltungsgemeinschaft Kläden unter finanzieller Beteiligung einheimischer Firmen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt haben soll. Auf dieser habe Pickelmann für Lehrzwecke, wie er sagt, die Hünengräber – sogenannte Großsteingräber – markiert. Der Urheber der Karte, ein Verlag aus München, habe sich 2014 beim Verein gemeldet und ihm einen Verstoß gegen das Urheberrecht vorgeworfen. „Ich habe die Karte dann sofort von der Webseite entfernt. Mir war nicht bewusst, dass man eine von Firmen gesponserte gedruckte Karte nicht im Internet weiterverwenden darf“, betont Peter Pickelmann einsichtig. Danach habe sich der Verlag nicht mehr gemeldet.

Verstoß gegen das Urheberrecht

Im November 2017 kam es zu einer Zahlungsaufforderung. Im Dezember traf schließlich ein Schreiben vom Landgericht München ein. Eine Klagesumme von 1490 Euro musste der Verein zahlen, um die Unannehmlichkeit zu bereinigen.

Und kaum ist eine schwere Last beseitigt worden, folgte auch schon die nächste: Nun wirft das Landesverwaltungsamt, das für die Vergabe der Leader-Fördergelder zuständig ist, dem Verein vor, er hätte auf seiner Webseite die Förderung durch Leader nicht ausreichend beworben. Ein Vorwurf, den Peter Pickelmann nicht nachvollziehen kann. „Wenn wir für unsere Projekte über Leader Fördermittel erhalten haben, haben wir es bei jedem Pressegespräch öffentlich bekannt gegeben. Sogar am kleinen Steinmuseum im Findlingspark hängt ein Hinweis, der bestätigt, dass in den Findlingspark Fördergelder von Leader geflossen sind“, sagt das Vereinsgründungsmitglied.

Für den neu aufgestellten Seil- und Klettergarten sowie für die neu errichtete Kneippanlage hatte der Verein „Wir für Darnewitz“ einen Zuwendungsbescheid vom Landesverwaltungsamt bekommen (AZ berichtete). Rund 17 000 Euro sollten die beiden Neuanschaffungen insgesamt kosten. Davon, so der Rentner, würde das EU-Programm Leader 80 Prozent übernehmen.

Aus für die Homepage

In den Förderrichtlinien des Landesverwaltungsamtes steht, dass bereits ab dem Zuwendungsbescheid Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden muss. „Ich finde es schon eigenartig, dass ich für ein durch Leader gefördertes Projekt auf unserer Homepage werben soll, wenn das Projekt noch gar nicht fertiggestellt ist und der Verein nach Fertigstellung einen vorübergehenden Kredit aufnehmen muss, um die Firmenrechnungen zu bezahlen, bevor man in den Genuss des Fördergeldes kommt“, beklagt er. Die Strafe des Landesverwaltungsamtes für die „nicht ausreichende“ Öffentlichkeitsarbeit: 400 Euro weniger Fördergeld. Ein Minus im Vereinskonto, das die Vereinsmitglieder nun selber ausgleichen müssen. „400 Euro, das entspricht dem Jahresbeitrag sämtlicher Mitglieder“, sagt Peter Pickelmann empört und gibt zu verstehen, wie schwer der Verlust dieser dreistelligen Summe für den Verein wiegt. Daraufhin hat er einen Entschluss gefasst: Er macht die Homepage dicht.

Der Entschluss, die Webseite zu schließen, war für den Vereinsmitbegründer nicht einfach: „Jahrelang viel Arbeit, wenig Anerkennung, und dann bekommt man noch eins auf die Rübe“, beklagt Peter Pickelmann gegenüber der AZ. Seine Frau Renate hat als Vereinsvorsitzende beim Landesverwaltungsamt eine Stellungnahme zu der um 400 Euro geminderten Auszahlungsnachricht verfasst. Nun wird das vom Landesverwaltungsamt geprüft. Vielleicht, so hofft sie, nimmt die ganze Angelegenheit doch noch eine positive Wendung. Nun heißt es für die Vereinsmitglieder abzuwarten.

Vor diesen Fehlern möchte der Rentner andere Vereine bewahren und gibt ihnen den Rat, sehr umsichtig mit der Veröffentlichung von Bildmaterial und Ähnlichem im Netz umzugehen, und er rät auch, immer das Kleingedruckte genau durchzulesen. Man könne nicht vorsichtig genug sein.

Alle Anfragen, die den Verein, den Ort Darnewitz und den Darnewitzer Findlingspark betreffen, werden künftig über die neue Email-Adresse darnewitz@gmx.net oder über die Telefonnummer (039320) 328 entgegengenommen. Die noch mit der Webseite verbundenen Mailadressen post@darnewitz.de und steine@darnewitz.de werden noch bis Ende 2018 betreut, teilt Vereinsvorsitzende Renate Pickelmann weiter mit.

Von Marilena Berlan

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