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Bismarker Grundschüler im Distanzunterricht

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Von: Lisa Maria Krause

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Coronavirus - Schüler erhalten Halbjahreszeugnisse
Der Lehrermangel ist so akut, dass in der Bismarker Grundschule Kinder nicht nur aufgrund von Corona in den Distanzunterricht müssen. Die Eltern und die Stadträte sorgen sich um den Bildungsstand. © Jonas Güttler

In der Bismarker Grundschule sind Klassen im Distanzunterricht. Aber nicht, weil die Corona-Inzidenzzahlen hoch sind. Sondern aufgrund des Lehrermangels.

Bismark - Der Brief einer besorgten Mutter löste am Dienstagabend im Stadtrat große Diskussionen aus.

Das Thema Lehrermangel ist alles andere als neu. Erst kürzlich beklagten sich Eltern der Seehäuser Gemeinschaftsschule über ausfallende Unterrichtsstunden aufgrund der überlasteten Lehrkräfte. Dass nun aber drei Klassen ab heute in Bismark deshalb in den Distanzunterricht gehen und zugleich eine Klassenlehrerin nach Stendal versetzt wurde, löste unter den Stadträten große Empörung aus.

Auf der Webseite der Grundschule wird der Distanzunterricht der zweiten, dritten und vierten Klassen mit einer hohen Zahl an Infektionen erklärt. Neun von 14 Lehrern seien demnach im Krankenstand. Der Distanzunterricht soll bis einschließlich Freitag, 8. April, andauern. Eine AZ-Anfrage bei der Schule läuft.

Die Stadträte wünschen sich Kontakt zwischen der Verwaltung und den Schulen

Die Verwaltung wurde im Stadtrat dazu aufgefordert, die Stimmung in der Bevölkerung zu erspüren. Besonders der Vergleich zu Schinne stieß vielen auf. Bei der Schinner Grundschule gebe es keine Probleme, den Unterricht aufrecht zu erhalten. Auch die Online-Beschulung im Corona-Fall funktioniere.

Die Frage wurde aufgeworfen, ob sich die Einheitsgemeinde nicht mit den Leitungen aus Schinne und Bismark zusammen setzen könne, um herauszufinden, was in der einen Grundschule funktioniert und in der anderen nicht. Gerade der weitere Werdegang der Kinder – möglicherweise im Gymnasium – wird allgemein als gefährdet angesehen.

Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) zeigte Verständnis für die Sorgen, machte aber auch deutlich, wie neu es für sie sei, dass das Problem so extrem sei. Sie habe erst am Tag der Stadtratssitzung den Brief erhalten. Es herrsche im ganzen Landkreis ein absoluter Lehrermangel. Die Verwaltungen liefen „bildungsmäßig mit offenen Augen“ in eine Katastrophe. „Wir versauen ihnen die Zukunft, weil wir nicht in der Lage sind, den Bildungsauftrag ordnungsgemäß umzusetzen“, stellte Schwarz fest.

Warum die Lehrerin nach Stendal versetzt wurde, ist nicht klar

Auch bei ihr höre jegliches Verständnis auf, wenn ein Lehrer in einer solchen Situation versetzt werde. Eine Antwort auf das Warum hatte auch Michael Raue (AFW), nach eigener Aussage Mitglied im Elternbeirat, nicht. Die Elternvertreter hätten versucht, mit der Schulleitung eine Erklärung zu finden, aber Schulleiter Uwe Lau habe die Versetzung nach Stendal nicht verständlich erklären können.

Besonders bitter sei es für die Eltern, dass es sich bei der versetzten Lehrkraft um eine Klassenlehrerin handele, also einer Bezugsperson, berichtete Raue. „Mittlerweile geht Stück für Stück jede Klasse in Distanz.“

Ines Pagels (WGB), selbst Lehrerin, rechnete einmal vor: „In den dritten und vierten Klassen fehlen insgesamt in den zwei Corona-Jahren 16 Schulwochen.“ Quarantäne für einzelne Schüler sei dabei nicht mitgerechnet. Pro Jahr gebe es etwa 36 bis 38 Schulwochen. Allgemein ist die Sorge groß um den Bildungsstand der Kinder, besonders von jenen, die bald in die weiterführenden Schulen wechseln sollen, wie auch Schwarz erwähnte.

Bürgermeisterin Schwarz will das Problem land- und landkreisweit angehen

„Das tut mir schon in der Seele weh“, drückte sie ihre Sorge aus. Die Einheitsgemeinde sei zwar Träger, aber habe keinen Einfluss auf das Personal der Grundschulen. Dennoch: „Wir müssen hier handeln.“

Sie verstehe die Panik der Eltern, sagt Schwarz und will sich an das Landesschulamt wenden. Vorsitzender Andreas Cosmar (FWB) brachte auch eine mögliche Resolution ein. „Wir haben uns auch in die Schulsozialarbeit eingemischt“, sprach Schwarz an, dass auch bei nicht direkter Handhabe die Kommunen etwas erreichen können.

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