„Immer mehr Bauchschmerzen“

Landes-Hickhack und Schinne: Stadtchefin Schwarz bangt um Sporthallenbau

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Das Schulgebäude in Schinne selbst macht einen frischen Eindruck.

Schinne – Sie wolle ja den Teufel nicht an die Wand malen. Doch Annegret Schwarz bangt um die Sporthalle für Schinne. Das Projekt steht auf einer Prioritätenliste des Landes und die ist bestätigt. Was fehlt, ist noch immer der Fördermittelbescheid.

Seit mehr als zehn geschlagenen Monaten wartet die Einheitsgemeinde Bismark auf offizielle Post aus Magdeburg.

„Bei der allgemeinen Haushaltslage in Sachsen-Anhalt und der aktuellen Debatte bekomme ich immer mehr Bauchschmerzen“, sagt die Bürgermeisterin der AZ. „Ich hoffe, dass die versprochenen Fördermittel freigegeben werden. “ Dass das Vorhaben trotz aller anfänglich positiven Signale sogar noch gänzlich sterben könnte, daran will die Christdemokratin erst gar nicht denken. „Wir brauchen diese Halle unbedingt. “.

Die Landesregierung aus CDU, SPD und Bündnisgrünen ist dem Landtag einen Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2020/21 schuldig. Es ist Ende Oktober, und die Parlamentarier haben noch kein Zahlenmaterial. Das hat laut Medienberichten bereits zu Kritik von der Linken geführt. Die Regierung verstoße gegen die Verfassung, die vorschreibe, dass der Haushalt im Vorjahr beschlossen werden müsse. Michael Richter (CDU), seit Juni dieses Jahres Finanzminister, will offenbar noch die neueste Steuerschätzung abwarten und diese einfließen lassen. Im September schien ein Entwurf zum Greifen nah. Doch Pläne, die nicht zuletzt Steuererhöhungen und einen tiefen Griff in die Rücklagen vorsahen, riefen bei den Koalitionspartnern Protest hervor. Richter nahm noch einmal Gespräche mit den Ressorts auf.

Was all das für das Bauprojekt in Schinne bedeutet oder nicht bedeutet, bleibt abzuwarten. Mindestens seit 15 Jahren bemühen sich Politik und Verwaltung um eine Sporthalle für die Grundschule. Immer wieder wurden Anträge geschrieben, immer wieder flatterten Absagen ins Rathaus. Zum Jahreswechsel dann die Nachricht, dass es das Projekt geschafft habe. „Vorhaben, die auf der Prioritätenliste stehen, sind für eine Förderung vorgesehen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums für Inneres und Sport damals auf AZ-Nachfrage. Eine weitere Gewichtung erfolge nicht. Wann der Förderbescheid in die Altmark verschickt wird, konnte schon damals nicht gesagt werden. Im August hoffte Schwarz noch, dass es 2019 zumindest noch den symbolträchtigen ersten Spatenstich geben könnte.

„Wir haben unsere Hausaufgaben jedenfalls gemacht“, beteuert die Bürgermeisterin gegenüber der AZ noch einmal. Das Landesverwaltungsamt habe alle nötigen Unterlagen vorliegen. Die Kosten des Projektes sind, wie bereits berichtet, zwischenzeitlich leicht angestiegen. Der Anteil der Kommune bleibe in etwa gleich, geht Schwarz nicht ins Detail. Im Januar hatte die Ministeriumssprecherin in Magdeburg Gesamtausgaben in Höhe von knapp 1,4 Millionen Euro genannt. Die Einheitsgemeinde steuert demnach etwa 492 000 Euro aus eigener Kasse bei. Aus der Sportstättenförderung des Landes sollten circa 679 000 Euro kommen, aus einem Bundesprogramm zur Förderung der Schulinfrastruktur finanzschwacher Kommunen an die 210 000 Euro.

Die Einfeldsporthalle in der Bismarker Ortschaft soll vorrangig dem Schul- und Vereinssport dienen. Für den weiteren Erhalt der Grundschule sei eine eigene richtige Turnhalle sehr wichtig, hatte Stadtchefin Schwarz immer wieder unterstrichen. Die Mädchen und Jungen in Schinne nutzen momentan vor allem den ehemaligen Saal einer Gaststätte für den Sportunterricht. Einige Hundert Meter und gut zehn Minuten sind die Schüler bis dorthin jedes Mal unterwegs. Die Halle soll direkt auf dem Schulgelände errichtet werden und eben auch den Sportvereinen aus Schinne und Umgebung offenstehen. Die Schule wurde 1967 eingeweiht, ohne Sporthalle. Selbst für die DDR-Zeit eher eine Ausnahme als die Regel. Schwarz sieht darin ein Versäumnis, das nun endlich bereinigt werden sollte.

VON MARCO HERTZFELD

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