Karnevalisten wollen trotz Ministerbedenken Saison nicht abschreiben

Das Lachen noch nicht vergangen

Auf einer Büchertauschzelle vor dem Domizil des SCC posiert ein Tanzmariechen. Die Karnevalisten sind eine feste kulturelle Größe in der Ortschaft.
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Auf einer Büchertauschzelle vor dem Domizil des SCC posiert ein Tanzmariechen. Die Karnevalisten sind eine feste kulturelle Größe in der Ortschaft.

Schinne / Bismark – Die Aussicht, vielleicht in dieser Saison wegen Corona keinen Karneval feiern zu können, sorgt in der Einheitsgemeinde Bismark nicht gerade für Heiterkeit. „Das dürfte niemanden groß überraschen“, meint Anja Viertel staubtrocken.

„Schließlich bestimmt der Karneval das Leben im Winter, es würde uns allen ein wichtiges Stück im Leben fehlen. “ Noch laufen die Vorbereitungen wie geplant. Wenn allerdings nötig, betont die Präsidentin des Schinner Carneval-Clubs (SCC), könne ohne groß zu zögern, die Reißleine gezogen werden. „Darüber sind sich der Vorstand und unsere Mitglieder völlig im Klaren. “ Für diesen Verein wäre das Aus doppelt traurig, steht doch die 50. Session ins Haus.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht Medienberichten zufolge kaum Chancen, die närrische Saison 2020/21 wie gewohnt stattfinden zu lassen. Der CDU-Politiker soll sich während einer Konferenz des Gesundheitsausschusses im Bundestag dafür ausgesprochen haben, den Karneval bundesweit ganz und gar ausfallen zu lassen. Allein entscheiden könnte das Spahn zwar nicht, die Länder hätten ein wichtiges Wort mitzureden, doch gibt es auch so schon Kritik, vor allem aus den Hochburgen der Karnevalisten im Rheinland. Überzeugte Narren würden auch ohne einen festen Veranstaltungsplan feiern und wären dann eben nicht mehr zu kontrollieren, heißt es.

Altmärkerin Viertel dürfte diese und weitere Nachrichten kennen. Zu Beginn der Pandemie im Februar sollen sich viele Menschen auch bei Karnevalsfeiern mit dem Virus infiziert haben. Ein Ausbruch im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen wurde auf eine Karnevalssitzung zurückgeführt. „Wir haben einiges zu verlieren, Karneval hat in unserer Ortschaft einen hohen Stellenwert. Doch niemand wolle, dass es irgendwann heißt, der Virus habe sich bei einer Feier in Schinne ausbreiten können. Wir müssen einfach die Arschbacken zusammenkneifen, notfalls wird alles auf die nächste Saison verschoben.“ Dass dies im Jubiläumsjahr des SCC besonders schwerfiele, sei völlig klar.

„Wir planen wie gehabt und beginnen nach den Sommerferien mit dem Training“, hofft auch Bernd Schmedemann auf eine halbwegs normale Saison. Steigende Corona-Fallzahlen in der Republik stimmen den 1. Vorsitzenden der Bismarker Carnevalsgesellschaft nicht gerade zuversichtlich. Und dennoch überwiege noch immer die Vorfreude auf den Reigen größerer Veranstaltungen, die bei den Bismarker Lausbuben traditionell zwei Wochen vor Aschermittwoch beginnen. Schon am 11. November wollen die Narren wie gewohnt die Rathausschlüssel von der Bürgermeisterin übernehmen und die fünfte Jahreszeit einläuten. „Karneval würde uns allen guttun“, ist er überzeugt.

Die Bismarker sind auch regelmäßig bei Straßenumzügen dabei, zuletzt nahmen sie vor allem an denen in der Westaltmark teil, es ging zum Beispiel nach Klötze und Kakerbeck. Vom närrischen Virus, der im Rheinland und außerhalb grassiere, spricht und schreibt angesichts von Corona niemand mehr. Covid-19 verderbe den Menschen das Feiern. Als Hochburgen des Karnevals im Landkreis Stendal mit eigenem Straßenumzug gelten seit Jahren Osterburg und Seehausen. Von närrischem Format in der Einheitsgemeinde Bismark waren jahrelang nicht zuletzt auch Kläden und Querstedt. Inwieweit Corona dem altmärkischen Karneval dauerhaft zusetzen und schaden kann, bleibt abzuwarten.

Der Bismarker Verein zählt momentan 76 Mitglieder, der Schinner sogar 88. Eine gesunde Basis, wie Schmedemann und Viertel jeweils finden. Über neue Mitglieder würden sich beide selbstverständlich freuen. Die Schinner haben ihren Terminplan auch schon ins Internet gestellt, die Premiere ist für den 9. Januar vorgesehen. Insgesamt sind mindestens sieben größere Veranstaltungen geplant. „Das Programm steht bereits zu beachtlichen Teilen, etwa die Hälfte der Vorbereitungen ist geschafft“, sagt die SCC-Präsidentin der AZ in dieser Woche. Noch bleiben einige Monate, die Fans närrischen Treibens im Landkreis dürften in der Tat noch hoffen. „Vieles liegt nicht in unserer Hand.“ VON MARCO HERTZFELD  

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