Europas Isegrim: Bismarks Ortschefin sucht bei internationaler Konferenz Pro und Contra

Kritikerin der Wolfspolitik lernt dazu

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Die Diskussion über den Wolf gewinnt an Schärfe.

Bismark – Nein, nein, ein Schaf im Wolfspelz sei sie deshalb ja nun wirklich nicht. Annegret Schwarz muss herzhaft lachen. Bismarks Bürgermeisterin will Ende April an einer Konferenz in Halberstadt teilnehmen.

Der Titel des internationalen Symposiums lautet: „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit.“

Annegret Schwarz (CDU).

Die Altmärkerin gehört zu den größten Kritikern der aktuellen Wolfspolitik in Sachsen-Anhalt. „Ich rede nicht gern wie der Blinde von der Farbe. Wolfsbefürworter behaupten ja immer wieder, ich hätte keine Ahnung. Nun gut, ich will für alle Argumente offen sein und mich fortbilden, aber natürlich auch darauf hinweisen, welche Probleme wir in der Altmark schon haben und noch bekommen.“

Veranstalter der Wolfskonferenz vom 25. bis 28. April ist die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung mit Sitz in Halle. Ihr Vorsitzender, Prof. Dr. Michael Stubbe, ist in der Altmark bekannt. Der Wissenschaftler gilt als erklärter Kritiker aktueller Zustände und sieht die Politik in der Pflicht. „Das Raubtier breitet sich ungebremst aus, und das auf Kosten anderer Arten und des Menschen“, sagte der Professor vor drei Jahren in Bindfelde vor Jägern. Isegrim gehöre endlich ins Jagdrecht und müsse im dicht besiedelten Europa möglichst klein gehalten werden. Als Mitveranstalter in Halberstadt werden im Internet unter anderem die Landesjagdverbände Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern genannt.

In der Einladung ist von einer „Pro- und Kontra-Diskussion um den Wolf“ die Rede. Genau darauf hofft Bürgermeisterin Schwarz. Angekündigt sind Fachleute unter anderem aus den USA, vom Balkan, aus Indien, Schweden, Kasachstan, Frankreich und dem Baltikum. Ein Vortrag könnte für die CDU-Frau von besonderem Interesse sein, der Titel endet mit einem Fragezeichen: „Gescheitertes Wolfsmanagement – Konfliktsituation in Ostsachsen – wie weiter?“ Sie wolle sich an diesen Tagen möglichst viele Vorträge anhören, mit Leuten ins Gespräch kommen und sich alle Seiten anhören, sagt Bürgermeisterin Schwarz der AZ. „Ich habe ja auch nie gesagt, dass der Wolf ganz wegmuss, doch wie es jetzt läuft, darf es nicht weitergehen.“

In ganz Sachsen-Anhalt sollen wieder mindestens 92 Wölfe und 14 Rudel leben. Isegrim scheint angekommen, auch in der Altmark. So streift er verstärkt durch den Zichtauer und Klötzer Forst, die Colbitz-Letzlinger Heide und wird auch in der Altmärkischen Höhe vermutet.

In der Einheitsgemeinde Bismark soll er zumindest regelmäßig Spuren hinterlassen. Bereits zu viele für Schwarz. Ende April und Anfang Mai vergangenen Jahres soll Isegrim jeweils ein Kalb gerissen haben. Unterm Strich ist von 170 toten Nutztieren in Sachsen-Anhalt die Rede, die auf das Konto des Wolfes gehen. Für ihre Äußerungen zum Wolf hat Schwarz zuletzt viel Kritik einstecken müssen, aber auch einiges an Unterstützung erfahren.

VON MARCO HERTZFELD  

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