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Kolk Bismark: Schlamm verliert an einer Stelle

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Von: Marco Hertzfeld

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Die Badesaison am Kolk in Bismark ist beendet, das Schlammproblem bleibt.
Die Badesaison läuft in der Regel von Mai bis September. Liegewiesen und Sandstrand am Kolk in Bismark sind mittlerweile verwaist. Die Rutsche rechts war wegen des niedrigen Wasserstandes 2022 gesperrt worden. © Marco Hertzfeld

Der Kolk in Bismark verliert an Tiefe. Über eine Entschlammung wurde immer mal wieder diskutiert. Nun will das Rathaus offenbar doch handeln, in einem Teil des Naturbades.

Bismark – „Wir können dort nicht einfach Wasser reinpumpen.“ Und doch soll es dem Kolk in Bismark möglich rasch besser gehen. Für das Naturbad läuft vieles auf eine Entschlammung hinaus. Bürgermeisterin Annegret Schwarz und Mitarbeiter denken verstärkt zumindest an eine Teilentschlammung des Gewässers. Ins Auge gefasst haben Verantwortliche dabei vor allem den Nichtschwimmerbereich gleich vorn am Sandstrand. „Wir prüfen momentan noch, was möglich sein wird und was nicht.“ Womöglich habe ja gerade die Umweltbehörde des Landkreises auch den einen oder anderen zusätzlichen Tipp parat. „Es muss einfach etwas passieren, da beißt die Maus keinen Faden ab.“

Projekt noch nicht in trockenen Tüchern

Das Wasser in der früheren Lehmkuhle geht spürbar zurück. Um wie viel genau, vermag die CDU-Frau im Gespräch mit der AZ nicht zu sagen. „Der Verlust ist jedenfalls sichtbar, da brauchen wir eben wirklich nichts schönreden.“ Ein jeder habe es in diesem Jahr an den Treppenstufen am Ufer sehen können. Und ja, die Rutsche musste aus Sicherheitsgründen irgendwann gesperrt werden, weil die Tiefe davor nicht mehr ausreichte. „Es wäre gefährlich geworden“, ist die Rathauschefin überzeugt. Wer es nicht weiß: Auf dem Kolkgelände wurde bis 1914 Lehm für eine Ziegelei abgebaut. Ein Männer-Turn-Verein gründete 1925 eine erste Badeanstalt. Angler nutzen den See ebenfalls.

Umweltbehörde einbezogen

2018 brannte ganz in der Nähe in der Döllnitzer Ecke ein größeres Waldstück. Um das Feuer zu löschen, bediente der Mensch sich nicht zuletzt beim Kolk, immer wieder holte sogar ein Hubschrauber Wasser heraus. Das allein aber dürfte nicht der Grund für den Rückgang des Pegels sein. „Es folgten drei Jahre und drei Sommer mit mehr oder weniger extremer Trockenheit. Von all dem und mehr hat sich der Kolk bislang nicht erholen können“, meint Schwarz. Der See hat keinen richtigen Zufluss, er lebt vom Grundwasser und dafür muss auch regelmäßig und erheblich Niederschlag fallen. Bei optimalem Wasserstand soll das Gewässer an manchen Stellen bis zu gut elf Meter tief sein.

Regenarmut setzt Badegewässer zu

Den gesamten Kolk zu entschlammen, nein, das möchte die Bürgermeisterin nicht auf der Tagesordnung sehen. „Das würde wiederum die Angler im hinteren Bereich stören. Auch dürften Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes dagegen sprechen.“ Welche, lässt Schwarz in diesem Moment offen. Auch die mögliche Kostenfrage kann und will sie nicht beantworten. „Die Ausgaben würden auch bei einer Teilentschlammung sicherlich nicht unerheblich sein.“ Einen möglichen Fördertopf für die Arbeiten könne sie derzeit nicht ausmachen. Das Rathaus lote die Möglichkeiten aus und stehe in Kontakt mit Fachbehörden. Bei grünem Licht könnte ein Vorhaben im Frühjahr umgesetzt werden.

2014 drohte die Schließung der Freizeitstätte. Ein Förderverein und die Kommune engagierten sich. Das Areal wurde über ein Förderprogramm saniert. „Baulich ist die Einrichtung in einem wirklich guten Zustand. Überhaupt lässt sich dort einiges erleben, es geht nicht nur ums Baden und Liegen auf der Wiese. Sportlich betätigen kann sich jeder, der es will. Ein Caravanstellplatz existiert auch. Der Kolk ist ein Kleinod.“ In der Einheitsgemeinde gibt es neben dem Kolk noch das Freibad in Möllenbeck. Dass sich eine Kommune überhaupt eine Badeanstalt leiste, sei keine Selbstverständlichkeit. „Bei uns kann auch noch zwischen zwei Formen gewählt werden.“ Fliese hier, Naturboden dort.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Seearbeit auf Agenda / Rundumschlag bleibt möglich
Regelmäßig ist im Rathaus abgewinkt worden. Geld für das Entschlammen des Kolks im eigenen Haushalt gebe es nicht und auch keinen passenden Fördertopf. Dass die Stadt überhaupt keine Hausaufgabe im Bade- und Angelgewässer sieht, auch dieser Eindruck konnte zwischenzeitlich in Bismark entstehen. Nun scheint einiges anders, Politik und Verwaltung lassen nun genauer prüfen, rechnen und das eine oder andere vielleicht auch bereits planen. Schlammschicht und Trockenheit tun dem Kolk nicht gut, die Erkenntnis wächst. Der Bereich der Nichtschwimmer rückt auf die Agenda. Vielleicht ist aber auch das große Besteck notwendig. Ganz ausgeschlossen scheint das derzeit nicht.

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