Es klappert vorsichtig für die Mühle

Kremkauer wollen das Bauwerk erhalten – und dabei keine Fehler machen

Der Unterbau der Mühle. Leicht zu fotografieren war sie schon im Frühjahr nicht. Das Gelände ist eingezäunt.
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Der Unterbau der Mühle. Leicht zu fotografieren war sie schon im Frühjahr nicht. Das Gelände ist eingezäunt.

Kremkau – Der Weg bleibt steinig. Dennoch will ihn Kremkau gehen und die Bockwindmühle erhalten. Ein Verein soll gegründet werden, um dem altersschwachen Bauwerk wieder auf die Füße zu helfen. Fehler und unnötiger Einsatz sollen tunlichst vermieden werden.

Das dürfte noch die Schokoladenseite der altersschwachen Mühle sein. Sie hat ihre besten Tage hinter sich.

Deshalb soll ein Zimmermann oder anderer Fachmann die Mühle, die nach wie vor auf privatem Grund steht, erst einmal genauer betrachten. Auch sollen erste Fördertöpfe zumindest schon einmal abgeklopft werden. Erst dann wollen die Altmärker eine Einwohnerversammlung einberufen und gegebenenfalls einen Verein ins Leben rufen. Ohne irgendeine Federführung von außen, das wurde am Mittwochabend auch deutlich, als Ortschaftsrat, Eigentümer und weitere Gäste sich auf genau diese Marschroute verständigten.

Uwe und Brunhilde Mewes (r.) suchen mit dem Ortschaftsrat nach einer Zukunft für die Mühle. Fotos: hertzfeld

„Wir sind damit einverstanden“, redete Brunhilde Mewes erst gar nicht um den heißen Brei herum. Die Mühle könne demontiert, vom Grundstück gebracht und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Genauso hatte sie sich schon gegenüber der AZ Mitte Februar geäußert. Dass dieses historische Erbe aller in der Bismarker Ortschaft bleibt und nicht woanders hingeht, betonte nun im Bürgerhaus auch ihr Ehemann Uwe. 1983 hatte die Familie das Gelände am Rande Kremkaus gekauft. Dass auch der Teil mit der Mühle ihnen gehört, sei ihnen nicht bewusst gewesen. Erst Anfang der 1990er-Jahre habe sie die Nachricht so richtig erreicht. Die Mühlenbesitzerin sprach vor den Kremkauer Ratsleuten von einem Schock, der sie damals erfasst habe. Die Jahre gingen ins Land.

Ganz untätig sei man in der Ortschaft ja nicht gewesen. Mewes berichtete von Gesprächen und Versuchen, irgendeine Perspektive zu finden. Knackpunkt bleibt das Geld. Ortsbürgermeister Helmut Block erinnerte an eine frühere Kostenschätzung von 100 000 Euro und mehr. „Damit sie wieder aussieht wie eine Mühle.“ Beileibe nicht jedes Teil der Konstruktion wird zu retten sein. Ein „hohler Vogel“ soll nicht gebaut werden, die Mühle dürfe im Idealfall schon funktionieren und arbeiten. Zwischen 100 000 und 200 000 Euro dürfte die Frischekur kosten, schätzt der Ortschef an diesem Abend vorsichtig. Bei der Einheitsgemeinde in Bismark will Block schon einmal vorgefühlt haben, sonderlich begeistert hätte man sich ob der Kostenprognose im Fachamt ja nicht gezeigt.

Dass großartig viel Geld für ein mögliches Projekt aus der Kasse der Einheitsgemeinde kommt, daran glauben in Kremkau nur wenige. Über einen Mühlenverein könnte das Vorhaben zielgerichtet angeschoben, Fördermittel beantragt und auch Spendenmittel eingeholt werden. Auch Crowdfunding, eine Gruppenfinanzierung meist über das Internet, könnte womöglich weiterhelfen. Familie und Ortschaftsrat wollen sich zu all dem und mehr auch Rat von Mühlenvereinen in der Region holen, die bereits arbeiten. Die Vereine in Grieben (Tangerhütte) und Meseberg (Osterburg) seien an dieser Stelle beispielhaft genannt, ihre Ausgangslage dürfte so verschieden von jener in Kremkau nicht sein. Block brachte es für seine Ortschaft auf den Punkt: „Es wird ein finanzielles Problem.“

Über einen möglichen neuen Standort wurde bei der Sitzung nicht offen gesprochen, womöglich kommen auch mehrere Punkte infrage. Touristisch interessant dürfte eine erneuerte und einsetzbare Bockwindmühle durchaus sein. Mitte der 1990er-Jahre hätten gar nicht so selten Besucher direkt vor ihrer Mühle gestanden, der Landkreis habe die Werbetrommel rühren wollen, es gebe sogar regelrechte Nutzungskonzepte. Der Familie hat es irgendwann gereicht und sie hat einen Zaun ziehen lassen, was nicht jedem gefallen habe. Für den weiteren Umgang mit der Mühle, deren genaues Alter hier noch unklar bleiben muss, nicht ganz unwichtig: Sie wurde offenbar 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Ein offizielles Dokument darüber will die Familie aber nicht erhalten haben. VON MARCO HERTZFELD  

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