Gastspiel der Hengstmann-Brüder im Alten Schafstall in Kläden / Beide Vorstellungen ausverkauft

Mit John Maynard ans Krisen-Ufer

Wenn der kleine Bruder Tobias (l.) mit dem Kontrabass des großen Bruders Sebastian Gitarre spielen will und ihm das ordentlich misslingt, kann er schon einmal dicke Backen machen. Die Hengstmann-Brüder waren zum fünften Mal im Alten Schafstall. Fotos (2): Bock

mb Kläden. Die bärtigen Porträts von Karl Marx und Bud Spencer prangten auf den roten und gelben Shirts, welche die Magdeburger Kabarettisten Tobias und Sebastian Hengstmann zu ihrem Auftritten im Klädener Schafstall trugen und mindest Karl Marx war dann auch gelegentlich Bestandteil des gut 120-minütigen Programms der Satiriker mit der spitzen Zunge.

Wenn es um Politik und Wirtschaft geht, sprechen sie ihrem Publikum aus der Seele. Karl Marx, ja das berühmte Hauptwerk des Philosophen und Begründers des Kommunismus, gab dem Programm der Hengstmann-Brüder seinen Namen: „Kapitalation“. Mit diesem kleinen Wortspiel aus dem Kapital und der Kapitulation erfreuten sie am Sonntag jeweils um 14 und 18 Uhr das Publikum im ausverkauften Schafstall in Kläden. Doch schon der Programmauftakt verlief anders als erwartetet. Nach kurzem Auftritt verließ Sebastian Hengstmann den kleinen Saal kapitulierend in der Hand ein weißes Taschentuch schwenkend.

Der kleine Bruder wurde dann mutig und wollte mit dem Kontrabass des großen Bruders kurzerhand Gitarre spielen, was zur Freude des Publikums, welches sich aus Gästen der gesamten Region zusammensetzte, gleich missglückte.

Mit dem englischen Ökonomen John Maynard Keynes ging es dann in die nächste Rundes des politisch-satirischen Kabarett. Der Staat müsse in der Krise den Konsum ankurbeln und dürfe erst sparen, wenn die Wirtschaft läuft, so die Theorie von Keynes. Nun aber zitierte das Hengstmann-Duo das Fontane-Gedicht von John Maynard, der einst als Steuermann über Wasser fuhr. So wie er steuern die Euro-Staaten in der Krise auf das rettende Ufer zu. Zugerufene Stichworte der Gäste waren sehr erwünscht, die wurden eingebaut und umgesetzt.

Dabei durfte das Publikum nicht lachen, was allerdings dem ein oder anderen im Schafstall sehr schwer fiel. In treffender Anlehnung an das beliebteste DDR-Komikerpaar Herricht und Preil wurde in einem Sketch der Besuch einer Bank nachgespielt. Der Sketch mit „Hartz-IV-Empfänger“ Matze im Zwiegespräch mit dem ewigen Studenten Malte war dann auch der lustige Höhepunkt im sonst so politischen Programm, wo Angie, Pofi, die Guido und Mitglieder der Regierungsbank wieder einen handfesten Rundumschlag erhielten. Beim Motto von Matze, „Ein Alkoholiker lebt zwar nur kurz, sieht dafür aber doppelt so viel“, erfuhr das Publikum, wie schön die Welt sein kann.

Dem neugierigen Publikum wurde auch erläutert wie die Ratingagenturen entstanden sind. Die Menschen sind ausgestorben, die Ratten fressen das ganze Geld auf und scheiden es wieder aus. Der Ratten-Chef sammelt alles zusammen und gründet diese Agentur. Auch erfuhr das Publikum, dass es in der DDR schon Hefeweizenbier gab, es wusste nur keiner.

Es war übrigens der bisher fünfte Auftritt bei vier Gastspielen, denn wegen der großen Nachfrage in Kläden gastierten die Hengstmänner gleich zweimal am Sonntag und wie schon Paulchen Panther sagte, „ich komme wieder keine Frage“, wird das satirische Duo von der Elbe bald wieder zu Gast in Kläden sein, wie sie selbst schließlich ankündigten.

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