„Wollen doch einen echten Wolf“

Jagender Schäfer wünscht sich Schutzgebiet für Wölfe

Einige Demonstrierende stehen mit Traktoren vor der Geschäftsstelle.
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Landwirte und Viehhalter demonstrierten am Montag vor der Bundesgeschäftsstelle der SPD in Berlin. Schäfer aus dem Raum Stendal, die teilnahmen, verlangen eine Lösung für das Wolfsproblem.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Selbst betroffen ist Ronald Gerecke nicht vom Wolf. Zumindest noch nicht. Der Schäfer aus Stendal, der auch in Badingen eine Herde hält, hat drei Mal Spuren bemerkt.

Stendal - „Mir ist erst im Nachhinein klar geworden, dass der Wolf versucht hat, den Zaun zu untergraben“, erklärt Gerecke der AZ. Die Anwesenheit von Wölfen in der Nähe der Weide bei Bindfelde wurde von Wildkameras bestätigt. Dass der Schäfer trotz dieser nahen Gefahr eher für Herdenschutz statt für ein Schussrecht plädiert, ist bekannt. Nach einem Symposium mit Viehhaltern und Wissenschaftlern Mitte September hat ihn eine Meinung besonders beeindruckt: Tierarzt Dr. Michael Weiler verlangt feste Schutzgebiete in unbewohnteren Gegenden für Wölfe.

Wölfe wurden auch schon bei Stendal gesichtet, unter anderem beim Stadion „Am Hölzchen“.

In einem Youtube-Video, das nach dem Treffen im Ahrtal veröffentlicht wurde, erklärt Weiler, dass es genügend Erfahrungen aus Europa gebe, die dieses Verfahren über das freie Laufenlassen der Wölfe in Deutschland stelle. Isegrim sei ein sehr intelligentes Tier, das lieber den einfachereren Weg, Vieh oder Hunde anzufallen, wähle, anstatt einem Reh hinterherzujagen. Gerecke stimmt ganz mit ihm überein: „In meinem Fall wäre es übertrieben, aus Angst zu sagen, der Wolf soll geschossen werden. Wir wollen doch einen echten Wolf.“ Dann müsse er von Siedlungsgebieten ferngehalten werden, wo er einfache Beute findet. Außerdem zerstöre der Wolf indirekt mit dem Aufgeben vieler Schäfer, die von ihren Tieren gepflegten Naturschutzgebiete. Die Politik höre allerdings lieber auf Biologen von Naturschutzorganisationen anstatt auf Experten und Betroffene, findet Gerecke: „Wie man so schön sagt: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“ Die Biologen würden natürlich im Sinne der eigenen Organisationen beraten. Wolfsrissgutachtern wirft er vor, keine Ahnung zu haben und die Zahlen drücken zu wollen.

Um nach der Bundestagswahl eine echte Entscheidung der Regierung zum Wolfsproblem zu erreichen, waren Kollegen von Gerecke aus der „Interessengemeinschaft Herdenschutz plus Hund“ mit von der Partie bei der Trecker-Demo vor der SPD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin am Montag. „Die Politik soll selbst entscheiden mit richtigen Wissenschaftlern. Ich erwarte, dass sie in meinem Sinne Gesetze machen.“ Der von dem Schäfer auch als „Selbsthilfegruppe“ umschriebene Verein setzt seit fünf Jahren auf die eigene Prüfung von Herdenschutzhunden und Schulungen zu Schutzmöglichkeiten.

Ronald Gerecke, Schäfer und Jäger aus Stendal.

Den Ruf nach dem Abschuss von mehrmalig betroffenen Viehhaltern kann der Schäfer nicht verstehen. Diese würden Fehler beim Herdenschutz und es so dem Wolf leicht machen, findet er. Wenn sie aus ihren Fehlern lernten, gebe es keine Risse. Was passieren würde, wenn doch ein Jagdrecht ausgesprochen wird, kann der Stendaler, der selbst Jäger ist, sich denken: „Das ist wie bei den Bieberratten am Stadtsee. Keiner will das machen wegen der Anfeindungen.“ Die AZ hatte zuletzt berichtet, dass die Stadt Stendal die Nutrias bejagen lassen will, eine Ausschreibung verlief ins Leere. Jäger würden von Wolfsfreunden bedroht, Hochsitze abgesägt werden, erklärt Gerecke. Außerdem sei auch die Jagd selbst nicht so einfach, wie oft in den Medien dargestellt. „Es ist nicht schön, das angeschossene Tier suchen zu müssen.“ Auch berge es die Gefahr, dass ein Wolf in Todesangst angreifen könnte.

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